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Crowdfunding-Projekt will Lichtdruck-Verfahren erhalten

Eine Druckwerkstatt aus Darmstadt will eine museale aber voll funktionsfähige Lichtdruckmaschine wiederbeleben und so ein fast vergessenes Handwerk erhalten. Zur Finanzierung des Maschinentransports hat man ein Kickstarter-Projekt aufgelegt.

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Crowdfunding-Projekt will Lichtdruck-Verfahren erhalten

Wolfgang Blauert, Holger Lübbe und die "Faber & Schleicher 2169".

(Bild: Offizin)

Der Zweimann-Betrieb Offizin Darmstadt will die Technik des Lichtdrucks am Leben halten. Dazu wollen die beiden Firmengründer Holger Lübbe und Wolfgang Blauert eine Lichtdruckerei einrichten und eine historische Lichtdruckmaschine wieder in Betrieb nehmen. Um den Transport des fast sechs Tonnen schweren Kolosses zu finanzieren, haben die beiden ein Crowdfunding-Projekt gestartet.

Die "Faber & Schleicher 2169" von 1897 im Profil.

(Bild: Offizin)

Die Lichtdruckmaschine vom Typ ″Faber & Schleicher 2169", Baujahr 1897, gehört dem Druckmaschinenhersteller Manroland und wurde von Firmenlehrlingen in Offenbach generalüberholt, jetzt will Manroland die Maschine den beiden Lichtdruckern als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Zu diesem Zweck muss das historische Gerät jedoch aus dem Haus der Industriekultur an der Darmstädter Kirschenallee in die rund vier Kilometer entfernte Lichtdruckerei an der Bessunger Straße transportiert werden. Für diesen Zweck hat Offizin Darmstadt ein Kickstarter-Projekt eingerichtet. Rund 15.000 Euro haben Unterstützer bislang (Stand: 8. März, 11 Uhr) beigesteuert. Das Finanzierungsziel liegt bei 21.690 Euro, die Aktion läuft noch bis Freitag, 10. März, 12 Uhr.

Mit der ″Faber & Schleicher 2169″ wollen die beiden Initiatoren die vor gut 150 Jahren entwickelte Technik der Lichtdrucks wiederbeleben, die heute weltweit nach eigener Aussage lediglich noch von etwa 50 Personen beherrscht wird.

Wollte man fotografische Aufnahmen vervielfältigen, so bestand ursprünglich nur die Möglichkeit Abzüge in einer Dunkelkammer zu erstellen. Die Schritte vom Belichten über das Entwickeln zum Fixieren, Wässern und Trocknen war für höhere Auflagen zu umständlich und teuer. Mit dem Lichtdruck wurde die Vervielfältigung in einem seriellen Druckverfahren geschaffen. Dabei konnte auf eine nass-chemische Entwicklung im Fotolabor verzichtet werden.

Beim Lichtdruckverfahren wird Gelatine als Druckform genutzt. Nachdem Joseph Albert, seines Zeichens Hoffotograf des bayrischen Königshauses, im Jahre 1867 eine Möglichkeit fand, die Gelatine-Druckform auf Glasplatten mechanisch zu fixieren, wurden hohe Auflagen einer Verfielfältigung möglich. Zur Blütezeit des Lichtdruckverfahrens gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es alleine in Deutschland etwa 200 Lichtdruckereien.

Otto von Bismarck, Lichtdruck von 1890

(Bild: Offizin)

Gedruckt wurden Ansichtskarten und Illustrationen die hochwertigen Büchern beigelegt wurden. Der Lichtdruck gilt bis heute als erste Wahl für eine dauerhafte Reproduktion von Originalen zum Zwecke der Archivierung. Wie die Vergrößerung auf Fotopapier arbeitet auch der Lichtdruck ohne Rasterung des Bildes und unterscheidet sich dadurch von den den meisten heute gebräuchlichen Druckverfahren. Die Haltbarkeit der Drucke soll bei mehr als 100 Jahren liegen, wie man anhand vorliegender Drucke nachvollziehen kann. Der Lichtdruck wurde später durch billigere, wenn auch qualitativ schlechtere Druckverfahren abgelöst und geriet weitgehend in Vergessenheit.

Details zum Lichtdruckverfahren sind auch im historischen Handbuch über das Lichtdruckverfahren für Hand- und Schnellpressen von Julius Allgeyer aus dem Jahr 1881 aufgelistet. (Christoph Jehle) / (msi)