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"Die Erfindung der Pressefotografie" im Deutschen Historischen Museum

Heute gibt es Internet, Fernsehen und Smartphone. Am Anfang des 20. Jahrhunderts stillten Massenblätter mit Schwarz-Weiß-Fotos die Seh(n)süchte des Publikums. Eine Berliner Ausstellung zeigt die Anfänge der Pressefotografie.

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Brown Brothers, Arbeiter beim Bau des Woolworth-Gebäudes in New York, 1912
© ullstein bild

Ferne Länder und aufregende Filmstars, Rennautos, Flugzeuge und der Zeppelin - mit ihren Fotos erreichte die Berliner Illustrierte Zeitung (BIZ) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Millionenpublikum – und revolutionierte den Journalismus. Ende der 30er Jahre verkaufte das Blatt fast zwei Millionen Exemplare. Die BIZ-Reporter waren weltweit unterwegs. In Berlin baute der Ullstein-Verlag damit eines der bedeutendsten Bildarchive auf. Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin zeigt vom heutigen Freitag, 23. Juni, bis zum 31. Oktober rund 340 Bilder aus dem Ullstein-Archiv.

Mit historischen Originalabzügen zeichnet die "Die Erfindung der Pressefotografie" benannte Ausstellung die Entstehung des Berufs des Fotoreporters und Ullsteins publizistische Macht nach, wie das DHM mitteilte. Unter dem Namen Ullstein Bild bewahrt das Archiv, das zum Medienhaus Axel Springer gehört, heute rund 3,5 Millionen Fotos auf.

Ausstellung "Die Erfindung der Pressefotografie" im Deutschen Historischen Museum (10 Bilder)

Waldemar Titzenthaler, Kantine in einer preußischen Kaserne, 1898
© ullstein bild

Mit dem von Leopold Ullstein (1826-1899) 1877 gegründeten Verlag entstand zur Jahrhundertwende eines der größten Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser Europas. Vom Firmensitz in der Kochstraße wurden neben der BIZ auch erfolgreiche Titel wie Die Dame, Tempo, Der Querschnitt und Uhu herausgegeben. Die Nachfrage nach Fotografien schuf den Beruf des Pressefotografen, neue Technik erlaubte den leichteren und schnelleren Einsatz am Ort des Geschehens. "Immer etwas Neues zu zeigen», hieß das Konzept des langjährigen Chefredakteurs Kurt Korff, mit dem er auch die Grundlagen für den wirtschaftlichen Erfolg der BIZ legte.

Reporter wie Erich Salomon, der mit seiner lichtempfindlichen Leica die Hinterzimmer der Politik fotografierte, oder Martin Munkacsi mit seinen aus der Vogelperspektive aufgenommenen Motiven prägten das Blatt. Atelierfotografen wie Yva (Else Neuländer-Simon) und Mario von Bucovich lieferten aus ihren Studios rund um den Kurfürstendamm mit Aufnahmen von Models und Schauspielern reichlich Glamour. Die Ausstellung zeigt auch Bilderstrecken aus Reise- und Abenteuerberichten, die in der BIZ in Fortsetzungen veröffentlicht wurden. Bildredakteure trafen die Auswahl und prägten damit das Erscheinungsbild der Massenblätter.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Ullstein 1934 "arisiert" und fortan als Propaganda-Organ der Nazis eingesetzt. Titel wurden eingestellt, jüdische Mitarbeiter und die Familie Ullstein mussten emigrieren. In der BIZ nahm der Anteil der politischen Berichte deutlich zu, auch die antisemitische Propaganda. Ein Fotobericht in der BIZ von 1940 über das Ghetto von Lublin dokumentierte das Elend der Juden im Nationalsozialismus – auch wenn das wohl nicht im Sinne der Auftraggeber war.

Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum, Unter den Linden 2, ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. (dpa) / (msi)