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Eine Geschichte aus Wien: 25 Jahre Lomographie

Wiener Studenten stießen nach dem Fall der Mauer auf einem Flohmarkt in Prag auf eine LC-A aus den Petersburger Lomo-Werken und gaben damit den Anstoß zur Gründung der Marke Lomography, die 2017 25 Jahre lang besteht.

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Eine Geschichte aus Wien: 25 Jahre Lomographie

Mit ihr fing alles an: Die Lomo LC-A aus russischer Produktion.

(Bild: Lomography)

Drei Wiener Studenten entdeckten im Jahre 1991 eine gebrauchte Lomo LC-A auf einem Flohmarkt in Prag. Die Bildergebnisse unterschieden sich deutlich von den damaligen analogen Kompaktkameras japanischer Produktion. Unter den Wiener Studenten stieg die Nachfrage nach dem Lomo Kompakt Automat. Und so wurde in Osteuropa fleißig Nachschub an gebrauchten LC-As besorgt und in Wien verkauft. Mittlerweile besteht Lomography seit 25 Jahren. Ein Rückblick.

1992 entschied sich die Gruppe, die internationale Lomographische Gesellschaft zu gründen (LSI – Lomographic Society International). Was mit der als Verein eingetragenen Gesellschaft begann, wurde 1995 die Lomographische GmbH, die später in die Lomographische AG umfirmiert wurde. Mit der wachsenden Nachfrage nach den Lomo-Kameras wurden die Wiener mit dem Problem konfrontiert, dass die Produktion der Kamera im Petersburger Lomo-Werk nicht mehr rentabel war. Die Kosten für Maschinen, Werkzeuge und Personal waren zu hoch.

Die Lomo LC-A (4 Bilder)

Die Lomo LC-A war Russlands Gegenentwurf zur Kompaktkamera-Konkurrenz aus Japan.
(Bild: Lomography)

Nachdem der sowjetische Vize-Verteidigungsminister Igor Kornitsky auf der Photokina in Köln eine Kompaktkamera des japanischen Herstellers Cosina (Modell CX-1 oder CX-2) gesehen hatte, forderte er eine vergleichbare Kamera aus sowjetischer Produktion. Mikhail Kholomyansky, der damals 41-jährige Entwicklungschef der Sankt Petersburger Optik-Fabrik Lomo musste 1982 in wenigen Monaten die Traumkamera des Vize-Verteidigungsministers konstruieren. Die Kamera wurde dann im Ergebnis – zumindest auf den ersten Blick – sehr vergleichbar. 1984 ging die Lomo LC-A in Produktion.

Die LC-A wurde aus 450 Einzelteilen in Sankt Petersburg montiert. 500 Arbeiter produzierten pro Monat 1.100 Stück. Mit dem Ende der Sowjetunion brach die Nachfrage jedoch ein und so war man bei Lomo hocherfreut, dass die Wiener Lomographen im Jahre 1995 bis zu 1.000 Kameras im Monat abnahmen. Nachdem die Produktion der Kamera-Komponenten bei Lomo aufgrund der hohen Kosten eingestellt wurde, fertigte man die Kameras aus vorhandenen Ersatzteilen. Für eine Wiederaufnahme der Kamerafertigung sollten die Wiener deutlich mehr bezahlen als bisher.

Lomography zeigt neue analoge Einwegkameras (20 Bilder)

Die Simple Use Film Camera Black and White
(Bild: Lomography)

1996 kam es dann zu einem Krisentreffen der Parteien, an dem auch Wladimir Putin, der damalige Vizebürgermeister von Sankt Petersburg teilnahm. Sein Interesse an der Kamera hat letztlich dazu geführt, dass man sich auf einen neuen Preis einigen konnte. Die Produktion wurde wieder aufgenommen. Erst Jahre später war endgültig Schluss mit der Produktion der LC-A in Russland. Die Fertigung wurde damals zu Phenix in China verlegt. Bei Phenix hatte man Fertigungskapazitäten frei, weil die Auftragsfertigung der Yashica FX-3 mit der Aufgabe der Kamerasparte bei Kyocera auslief.

Die internationale Lomo-Kundschaft wird heute über eigene Stores, Partnerunternehmen sowie online bedient. Verblüffenderweise konnte sich der Store in Berlin in der ursprünglichen Form nicht halten. Inzwischen hat sich das Sortiment der Wiener um zahlreiche weitere analoge Kameramodelle und Filme erweitert. Dazu kamen in den vergangenen Jahren auch Sofortbildkameras für die Instax-Filme von Fujifilm. Mit neuen Wechselobjektiven greift man auch nach jenen Kundenkreisen, die sich inzwischen der digitalen Fotografie verschrieben haben. Eine digitale Lomo-Kamera sucht man im Sortiment der Lomographen bislang jedoch vergeblich. (Christoph Jehle) / (msi)