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Erste Bilder mit der Canon EOS R

Gleich nachdem Canon vor einigen Tagen seine erste spiegellose Vollformatkamera angekündigt hatte, konnten wir sie ausprobieren und zeigen hier erste Bilder.

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Canon EOS R

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Im Rahmen einer Presseveranstaltung hatten wir die Gelegenheit, die neue Canon EOS R inklusive zweier neuer Objektive auszuprobieren. Sie ist Canons erste spiegellose Kamera mit Kleinbildsensor und die Antwort auf die kürzlich angekündigten Nikon Z6 und Z7. Hier schildern wir unsere ersten Erfahrungen mit der Kamera und können auch schon erste aussagekräftige Bilder präsentieren.

Im Vergleich zur Canaon EOS 5D Mark IV fällt die spiegelose EOS R sichtbar kleiner aus

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Die Canon EOS R sieht aus wie eine Spiegelreflexkamera und fühlt sich auch ganz ähnlich an. Stellt man sie direkt neben eine EOS 5D Mark IV (ab 2599 €) so erkennt man den Größenunterschied. Sie ist deutlich niedriger, weniger breit und trägt auch nicht so dick auf. Ein Blick auf die Rückseite verdeutlicht den Unterschied besonders. Die Canon EOS R bietet erheblich weniger Platz für Tasten und andere Bedienelemente. Zudem hat sie ein Klappdisplay. All das deutet darauf hin, dass sie sich anders bedient als die 5D Mark IV. Als Fotograf stellt man sich am besten auf eine Mischung zwischen EOS M und DSLR ein. Wer mit beiden Systemen ein wenig vertraut ist, wird schnell herausfinden, in welchem Menü sich welche Funktion befindet.

Canon EOS R mit hybridem Bedienkonzept

Bedient wird hier weniger über Tasten und Rädchen als vielmehr über das Touchdisplay. Neu ist ein zusätzlicher Bedienring am Objektiv, der sich mit einer Funktion wie Blende, Belichtungszeit oder ISO belegen lässt. So hat man beispielsweise eine bequeme ISO-Einstellung. Neu ist auch eine Touch-Fläche rechts oberhalb des Hauptdisplays – die mit den zwei Pfeilen. Sie lässt sich individuell belegen. Sehr praktisch ist, wenn man sie bei der Bildwiedergabe zum Scrollen verwendet. Das Autofokusfeld verschiebt man beim Blick durch den Sucher bequemer mit dem Daumen per Touch auf dem rückseitigen Display. Das erfordert etwas Übung, da sich das Feld manchmal nicht so bewegt, wie man es sich vorstellt. Eine Bedienung per Joystick wäre hier eindeutiger und intuitiver.

Die Canon EOS R bietet im Vergleich zur EOS 5D wesentlich weniger Tasten und Einstellräder. Die Bedienung erfolgt großenteils über das Touch-Display.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Neu bei der EOS R ist neben Av, Tv, P und M der Modus Fv. Dahinter steckt zunächst eine Vollautomatik. Diese lässt sich, ohne den Blick vom Sucher zu nehmen, in eine Zeit- oder Blendenautomatik umstellen und über die Wippe oder ein Einstellrad auch wieder in eine Vollautomatik zurückversetzen. In der Theorie hört sich das praktisch an, die Eingewöhnung funktioniert jedoch nicht mal eben schnell, sondern braucht etwas Routine.

Insgesamt klappte die Bedienung auf Anhieb flüssig. Einige spezielle Funktionen wie etwa die Belegung einer Abblendtaste muss man sich etwas mühselig aus den Tiefen des Menüs hervorholen. Auch die Belichtungskorrektur ist etwas unbequem erreichbar – vielleicht gibt es da aber einen versteckten Trick. Vermisst haben wir beim manuellen Fokussieren eine automatische Lupe, die sich zuschaltet, sobald man am Fokusring dreht. So kennt man das von anderen spiegellosen Kameras.

Erste Bilder mit der Canon EOS R

Canon EOS R Beispielbilder (19 Bilder)

Canons erste Vollformat Spiegellose EOS R mit dem neuen Standard-Zoom eignet sich für Porträts mit knackigen Details. Das nächste Bild zeigt einen Detailausschnitt.
Canon EOS R | ER 24-105mm f/4L USM IS | 81 mm | ISO 100 | f/4.0 | 1/80 s
(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Für die Beispielaufnahmen standen zwei der neuen ER-Objektive zur Verfügung: das ER 24-105mm f/4L IS USM sowie das ER 50mm f/1.2L USM. Beide Objektive hinterlassen einen sehr guten Eindruck und beide sind im Vergleich zur Kamera gewichtig. Das Gespann liegt aber jeweils gut in der Hand. Vor allem die 50-Millimeter-Linse beeindruckt durch ihre enorme Lichtstärke, ihre knackige Schärfe und ein ausgewogenes Bokeh. Die gezeigten Beispielbilder wurden großenteils bei einer Art Zirkusveranstaltung aufgenommen, bei der schwierige Lichtverhältnisse herrschten. Es entstanden Aufnahmen bis ISO 12.800. Der Autofokus reagierte mit den beiden Objektiven bei diesen Lichtverhältnissen erstaunlich schnell und zuverlässig. Nach dem offiziellen Programm gab es die Gelegenheit, die Artisten unter Tageslichtbedingungen abzulichten. Die Bilderstrecke beginnt mit diesen Aufnahmen. Alle Bilder zeigen die unbearbeiteten JPEG-Dateien aus der Kamera.

Canon EOS R ISO-Reihe (11 Bilder)

Canon EOS R Testmotiv ISO-Reihe

Unser ISO-Testmotiv für die Canon EOS R. Der Rahmen kennzeichnet die 100%-Ausschnitte für die ISO-Stufen.
Canon EOS R | ER 50mm f/1.2 | ISO 100 | f/5.6 | 1/40 s

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Eine weitere Bilderstrecke verdeutlicht in einer ISO-Reihe das Verhalten der Kamera bei unterschiedlichen Empfindlichkeitsstufen. Der Bereich der EOS R reicht normal von ISO 100 bis ISO 40.000. Er lässt sich noch auf Werte von ISO 50 bis ISO 102.400 erweitern. Die Bilderstrecke zeigt den Standardbereich.

Canon EOS R mit ER 50mm f/1.2 Blendenreihe (9 Bilder)

Blende f/1.2

Blendenreihe mit Bambus

Canon EOS R | ER 50 mm f/1.2 | ISO 200 | f/1.2 | 1/500 s
(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Die dritte Bilderstrecke demonstriert als Blendenreihe schließlich das Schärfeverhalten des ER 50mm f1.2L im Bereich von f/1.2 bis f/16. Insgesamt hinterließen die Canon EOS R und auch die neuen R-Objektive einen ausgereiften Eindruck. Die Kamera bewegt sich qualitativ auf Augenhöhe mit der EOS 5D Mark IV. Wie sich die neue Spiegellose unter Studio- und Laborbedingungen und im Vergleich zur Konkurrenz wie die Nikon Z6 und Z7 schlägt, werden wir in einem Beitrag in der Printausgabe der c't Fotografie untersuchen. Die EOS R wird voraussichtlich zeitnah nach der Photokina erhältlich sein. (pen)