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Erster Eindruck: Profi-DSLR Canon EOS-1D X Mark III mit mächtigem Autofokus

Kompromisslos: Die Canon EOS-1D X Mark III ist auf Robustheit und Geschwindigkeit getrimmt. Wir konnten erste Bilder mit der Profi-Spiegelreflexkamera schießen.

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(Bild: Canon)

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Die endgültigen technischen Daten der Canon EOS-1D X Mark III liegen nun auf dem Tisch und mit den ersten Vorserienmodelle konnten wir uns während einer Presseveranstaltung bereits einen ersten Eindruck von der Profi-Spiegelreflexkamera verschaffen. Offizieller Marktstart ist Februar, dann soll sie für knapp 7300 Euro über die Ladentheke wandern.

An der Rückseite hat die Canon EOS-1D X Mark III ein neues Bedienelement erhalten, den Smart Controller. Damit können Fotografen zum einen den Autofokus aktivieren und zugleich das AF-Messfeld auswählen.

(Bild: Canon)

Bereits bekannt war, dass sich gegenüber der Vorgängerin äußerlich kaum etwas ändern würde. Ein kleines Geheimnis hatte der Hersteller allerdings um ein neues Bedienelement auf der Rückseite gemacht – Canon tauft es "Smart Controller". Es ersetzt die alte AF-C-Taste und übernimmt dessen Funktion: Auf Druck löst sie eine AF-Messung aus. Die Oberfläche ist obendrein berührungssensitiv. Bewegt man seinen Daumen in eine Richtung, wechselt der Cursor im Sucher oder auf dem Display synchron das AF-Messfeld. Auf diese Weise lässt sich blitzschnell zwischen den 191 Messfeldern (155 sind als Kreuzsensoren ausgelegt) wechseln.

Canon EOS-1D X Mark III - Trailer (Quelle: Canon)

Der Controller übernimmt damit dieselbe Funktion, wie der darunter liegende Cursor oder eine Touch-Bewegung auf dem Display. Die anwesenden Fotografen Richard Walch (Sport- und Actionfotograf) und Radomir Jakobowski (Tier- und Landschaftsfotograf), die die Kamera als Canon-Botschafter ausgiebig im Einsatz hatten, waren beide sehr angetan von dem Konzept und bestätigten die Praxistauglichkeit. Als Neuling muss man sich jedoch erst mit der Funktionsweise vertraut machen. Man kann sich das vorstellen wie eine umgedrehte optische Maus, bei der sich der Daumen über den Sensor bewegt.

Alle weiteren Veränderungen spielen sich im Innern der Kamera ab – laut Canon handelt es sich um mehr als einhundert. Da ist zunächst einmal der neue Dualpixel-CMOS-Sensor, dessen Auflösung mit 20,1 Megapixeln geringfügig niedriger ist als die der Vorgängerin (20,2 MP). Trotzdem soll sich die Detailwiedergabe verbessert haben. Grund dafür ist ein neuer Tiefpassfilter vor dem Sensor, der für eine geringere Moiré-Neigung sorgen soll. Bislang handelte es sich um einen herkömmlichen Typ mit Duallayer-Technik. Der Neue wird nun in Quadlayer-Technik gefertigt, was zu einer detaillierteren Auflösung bei der Verarbeitung von Mikrokontrasten führen soll. Die maximale Empfindlichkeit beträgt ISO 102.400 (erweitert ISO 819.200).

Die äußere Erscheinung der Canon EOS-1D X Mark III hat sich nur in Details verändert. Die Taste für die Displaybeleuchtung sorgt nun auch dafür, dass die wichtigsten Tasten beleuchtet werden. Das vereinfacht das Fotografieren im Dunkeln.

(Bild: Canon)

Des Weiteren hat sich die Geschwindigkeit und Performance an diversen Stellen wie Autofokus, Motiverkennung und Datenverarbeitung erhöht. Verantwortlich dafür sind unter anderem der neue Phasen-Autofokussensor mit 28-fach höherer Auflösung. Zudem hat er ein verändertes Design bekommen, das Vorteile bei unterschiedlichen Motivstrukturen (vertikal, horizontal, diagonal) bringt und zusätzlich einen höheren Dynamikbereich bietet. Er arbeitet im Bereich von -4 LW bis +21 LW (Mark II von -3 LW – +21 LW). Diese Erweiterung bringe nicht nur Vorteile bei der Erfassung von dunklen Motiven, sondern zusätzlich bei extrem hohen Kontrasten wie ein dunkel gekleideter Ski-Rennfahrer im Gegenlicht der Sonne oder ein dunkler Rennwagen mit grellen Scheinwerfen bei einem Nachtrennen. Alle Phasensensorelemente arbeiten bis zu einer Anfangsblende von f/8.0. Diese entsteht beispielsweise bei der Kombination eines Teleobjektivs mit Anfangsblende f/4.0 (z.B. EF 500mm 1:4L IS II USM) mit einem 2x-Konverter.

Unterstützt wird der Autofokus von dem neuen Digic X-Prozessor. Er soll 380 Mal schneller takten als der Digic 6+ und die Bildverarbeitung um den Faktor 3,1 beschleunigen. Zudem gibt es einen neuen Sensor für die Belichtungsmessung, der eine Auflösung von 400.000 Punkten bietet. Wie ein zweiter Bildsensor hilft er dem Autofokus bei der Motiverkennung und -verfolgung (Gesichter, Farbe, Defocus, Hervorhebungen). Für diese Aufgabe ist ihm ein eigener Digic 8-Prozessor an die Seite gestellt.

Die hohe Serienbildrate der EOS-1D X Mark III von bis zu 20 Bildern pro Sekunde im LifeView lässt sich durchaus auch im Studio etwa bei solchen Splash-Aufnahmen sinnvoll einsetzen.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Die Serienbildrate hat sich bei Verwendung des optischen Suchers von zwölf auf 16 Bilder pro Sekunde erhöht. Man kann sich kaum vorstellen, dass sich dabei Haupt- und Hilfsspiegel – letzterer versorgt AF- und Belichtungssensor mit Licht – hin- und herbewegen, um so zwischen den einzelnen Belichtungen dem Fotografen die Verfolgung des Motivs zu ermöglichen. Wurde der Hilfsspiegel zuvor durch einen Federmechanismus betätigt, bewegt er sich nun wie der Hauptspiegel motorisch. Ermöglicht wurde das durch eine zweite "Pleuelstange". Die neue Mechanik sorgt zudem für eine noch kürzere Dunkelphase zwischen zwei Aufnahmen, die der Fotograf nur noch als Flimmern des Sucherbilds wahrnimmt. Im Liveview-Modus, also bei hochgeklapptem Spiegel kommt die EOS-1D X Mark III auf 20 Bilder pro Sekunde bei mechanischem Verschluss. Dabei arbeitet der Sensor-Autofokus kontinuierlich einschließlich Motiv-/Augenverfolgung. Der Sensor-AF bietet 3869 Messpunkte und deckt horizontal 100 Prozent und vertikal 90 Prozent der Bildfläche ab.

Die neue EOS-1D X setzt bei den Speichermedien nun auf CFexpress. Der Bus verarbeitet Daten mit bis zu 150 GByte pro Sekunde. Damit ist die Kamera in der Lage, im Serienbildmodus über 1000 Bilder (Raw + JPEG, oder 700 Bilder bei Raw + HEIF) in Folge abzuspeichern. Auch hier also ein deutlicher Performance-Gewinn. Gleichzeitig soll sich die Reichweite des Akkus (LP-E19) verbessert haben. Nach DIN soll er mit einer Ladung 2850 Aufnahmen (zuvor 1210 Aufnahmen) ermöglichen. Der Verschluss ist auf 500.000 Auslösungen ausgelegt.

Das neue Format für komprimierte Bilddateien HEIF (High Efficiency Image File Format) basiert auf dem HEVC/H.265 Video Codec und bietet im Unterschied zum seit rund 25 Jahren verwendeten JPEG-Format eine höhere Bildqualität bei praktisch gleicher Dateigröße – die Bilder werden mit 10 Bit Farbtiefe pro Farbkanal und hohem, der visuellen Wahrnehmung angepassten Dynamikumfang (HDR PQ) gespeichert und sind weitgehend frei von Kompressionsartefakten. Bislang gibt es bis auf den Canon-eigenen Raw-Konverter DPP (Digital Photo Professional ab Auslieferung EOS-1D X Mark III) noch keine Bildbearbeitungssoftware, die dieses Dateiformat liest. Canon geht aber davon aus, dass zumindest Adobe und einige andere Anbieter schnell reagieren werden und dieses Format, für das es frei verfügbare Codecs gibt, in sein Repertoire aufnehmen wird.

Schon im Oktober hatte Canon bekannt gegeben, dass der Autofokus bei der Motiverkennung und Verfolgung auf Künstliche Intelligenz (KI) setzt. Dazu hat der Hersteller unzählige Aufnahmen seiner Botschafter analysiert, um per Deep Learning unterschiedlichste Motive in unterschiedlichsten Situationen zu erkennen und die Autofokus-Algorithmen damit zu füttern. Neben den bisherigen sogenannten Autofokus-Cases (1-4) gibt es somit nun noch eine automatische, KI-basierte Motiverkennung. Diese benötigt (allerdings) eine Aufnahme für die grobe Einordnung und verfeinert seine Treffsicherheit mit jeder weiteren Aufnahme. Der Fotograf muss also seine Arbeitsweise daran anpassen, wenn er die Automatik optimal nutzen möchte, kommentierte Richard Walch die neue Automatik.

In der EOS-1D X Mark III integriert Canon erstmals außerhalb seiner Cinema EOS Serie eine Video-RAW-Aufzeichnung, die einen besonders großen Farbumfang bietet. Die RAW-Videos werden als 12-Bit-CRM-Datei mit 5,5K (5472 × 2886) aufgezeichnet. Parallel kann ein 4k Proxy über eine zweite CFexpress-Speicherkarte für einen bequemen Workflow aufgezeichnet werden. Die CRM-Dateien lassen sich mit Canons DPP und Bearbeitungssoftware von führenden Drittanbietern verarbeiten. Die Mark III ist die erste Kamera der EOS-1D-Serie mit der 5-achsigen Movie Digital IS Stabilisierung für Videoaufnahmen, die Verwacklungsunschärfen bei der Aufnahme aus freier Hand verhindert.

Mit dem neuen Wireless File Transmitter WFT-E9 (hier ein Bild des Vorgängers) überträgt die Canon EOS-1D X Mark III ihre Bilder noch schneller zu Agenturen oder ähnlichen Auftraggebern als zuvor.

(Bild: Canon)

Mit der Mark III verfügt die Profikamera erstmalig über WLAN und Bluetooth zur Datenübertragung zum Smartphone, per FTP oder zur Verbindung über die EOS Utility Software. Die permanente Kopplung per Bluetooth Low Energy hält eine kabellose Verbindung zwischen Kamera und Smartphone oder Tablet aufrecht, ohne dabei den Akku der Geräte zu belasten. Beim Start der "Canon Camera Connect"-App verbindet sich die Kamera automatisch mit dem Smartphone und unterstützt darüber auch ferngesteuerte Live-View-Aufnahmen. Wie ihre Vorgängerin bietet die Mark III eine integrierte LAN-Schnittstelle und mit dem neuen, optionalen Wireless File Transmitter WFT-E9 für 740 Euro überträgt die Kamera die Daten noch schneller. Zudem will Canon das Netzwerksetup sowie den Workflow verbessert und an die Bedürfnisse von Bildagenturen angepasst haben.

Im Rahmen einer Presseveranstaltung konnten wir ein Vorserienmodell der Canon EOS-1D Mark III in der Praxis bei zwei verschiedenen Sets ausprobieren. Sport- und Actionfotograf Richard Walch hatte ein Set aufgebaut, in dem der bekannte Parkour-Sportler Amadei Weiland einige spektakuläre Sprünge zum Besten gab. Ausgeleuchtet wurde die Szene von einem Hensel Cito 500 Blitz, der bis zu 40 Blitze pro Sekunde schafft, also mit der Serienbildrate von 16 Bilder pro Sekunde der EOS-1D X Mark III gut zurechtkommt. Die Bilderstrecke zeigt, in welchen feinen Abstufungen die Kamera den Bewegungsablauf erfassen kann.

Canon EOS-1D X Mark III - Parkour (23 Bilder)

Parkour 1, Sequenz 1-9
(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Der Kölner Produkt-, Werbe- und Industriefotograf Eberhard Schuy hatte für die zweite Session eine Konstruktion aufgebaut, die es erlaubte ästhetische Wasser-Splashs einzufangen.

Canon EOS-1D X Mark III - Splash (29 Bilder)

Splash-Sequenz Aufnahme 1
Canon EOS-1D X Mark III mit EF 100mm 1:2.8L Macro | ISO 500 | f/3.5 | 1/250 s | Blitz | Stativ

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Sobald die Canon EOS-1D X Mark III erhältlich ist, werden wir sie in einem ausführlichen Labor- und Praxistest genau unter die Lupe nehmen und mit anderen Modellen wie etwa Sonys A9 Mark II vergleichen. Vielleicht ist dann ja auch schon Nikons D6 in Sicht. Beim ersten Kontakt hinterließ die Canon-DSLR einen sehr guten Eindruck. An die neue AF-On-Taste muss man sich sicherlich erst gewöhnen. In dem Preis von 7300 Euro für den Body ist bereits eine CFexpress-Speicherkarte einschließlich Lesegerät enthalten.

(pen)