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Foto-Praxis: So gelingen bessere Sommerfotos

Der Sommer bietet eine Fülle an reizvollen Motiven. Doch so schön die Szenerie während der Fototour auch sein mag – beim Sichten der Bilder am Rechner stellt sich oft Ernüchterung ein. Wir geben Tipps von der Kameratechnik bis zur Bildgestaltung.

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Bessere Sommerfotos

(Bild: Jana Mänz)

Was macht Sommerfotografie so einzigartig, spannend und doch manchmal schwierig? Wir kennen es alle: Wir sind bei schönstem Sommerwetter unterwegs. Die Sonne scheint aus allen Knopflöchern, der Himmel strahlt in einem wunderschönen Blau. Wir sind beim Wandern, Fahrrad fahren, Schwimmen, Eis essen und halten diesen schönen Tag im Bild fest.

Aber voller Freude und Erinnerung werden wir später beim Sichten am PC enttäuscht: Die Farben hatten wir knalliger in Erinnerung – das Rot oder das Blau war kräftiger. Stattdessen ist es auf den Fotos matschig und flau. Das lachende Kinderportrait liegt halb im Schatten und die andere Hälfte ist völlig überstrahlt – jetzt wirkt es gar nicht mehr so voller Lebensfreude wie wir es vor Ort empfunden haben. Es passiert schnell, dass wir enttäuscht von unseren Fotos sind und nicht verstehen, warum sich dieser wundervolle Sommertag nicht in unseren Bildern widerspiegelt.

Die Autorin

(Bild: 

privat

)

"Fotografie aus Leidenschaft" ist das Motto der 1976 in Halberstadt geborenen Fotografin und Buchautorin Jana Mänz. In ihren Natur- und Landschaftsaufnahmen zeigt sie die Welt auf ungesehene Weise. Jana Mänz unterrichtet Fotografie und Bildbearbeitung, aktuell bietet sie den Workshop "Bildersommer - dein Onlinekurs für kreative Fotoideen" an.

Spiel mit dem Sommerlicht

Was wäre die Fotografie ohne Licht? Es gäbe sie nicht. Das Licht ist der essenzielle Bestandteil der Fotografie, denn erst Licht macht das Motiv sichtbar, formt Schatten und damit Tiefe und Räumlichkeit. Gleichzeitig gibt das Licht der Fotografie eine Stimmung, eine emotionale Aussage. Für uns Landschafts- und Naturfotografen ist vor allem das natürliche Licht von Bedeutung. Dabei präsentiert sich das Licht grell, wenn die Sonne im Zenit steht, oder weich und pastellfarben unter Morgen- und Abendlichtbedingungen.

Es gibt viele verschiedene Lichtsituationen, für die wir in unserem Sprachgebrauch unterschiedliche Begriffe benutzen: diffuses Licht, Gegenlicht, weiches Licht, direktes Licht. Es gibt kein Licht, das es nicht wert ist, in die Fotografie integriert zu werden. Selbst das verpönte Mittagslicht im Sommer mit seinen harten Schatten kann durchaus genutzt werden, wenn es die Aussage des Motivs unterstützt. Wie oft wird geschrieben, dass man niemals in der Mittagsstunde fotografieren sollte. Was heißt überhaupt Mittagsstunde? Der eigene Standpunkt spielt eine Rolle. Es ist ein Unterschied, ob ich mich in den nördlichen Breiten befinde oder am Äquator, ob es Sommer oder Winter ist, ob es bewölkt oder der Himmel strahlend blau ist, ob ich mich im Wald oder auf einem Marktplatz befinde. Sehen Sie, wie absurd dieser Pauschalsatz von "der Mittagsstunde" ist? Und auch wenn die Mittagsstunde im heißen Mittelmeerraum gemeint ist, in der zwischen 10 und 15 Uhr die Sonne unbarmherzig auf die Erde scheint, heißt das nicht, dass es unmöglich ist, in dieser Zeit ein interessantes Foto zu machen.

So gelingen bessere Sommerfotos (10 Bilder)

Wasserkugeln am Naunhofer See

In diesem Bild wurden Gegenlicht, Wasser, Seifenblasen und eine Glaskugel miteinander kombiniert. Durch die weit geöffnete Blende entstanden wunderbare Bokehs, die Seifenblasen leuchten im Gegenlicht und die Glaskugel spiegelt die Sommerlandschaft an einem heißen Badetag wieder. Die kühlen Blautöne des Wassers unterstreichen die Frische und Leichtigkeit des Motivs.

Nikon D750, 50 mm, f2.2, 1/4000 s, ISO 100 (Bild: Jana Mänz)

Es kommt eher darauf an, wie wir das Licht in der jeweiligen Situation einsetzen. Darauf, wie wir mithilfe des Lichts Strukturen, Linien und Schatten modellieren. Das Sehen des Lichts ist dabei von entscheidender Bedeutung: Welche Objekte absorbieren Licht, welche reflektieren? Wo befinden sich die Schatten? Aus welcher Richtung kommt das Licht? Wie beeinflusst es die Stimmung im Bild?

Licht spielt ebenfalls eine Rolle, wenn wir an die Technik der Aufnahme denken: Öffnen wir die Blende und lassen viel Licht ins Objektiv einfallen, oder schließen wir die Blende und verlängern stattdessen die Belichtungszeit? Das perfekte Zusammenspiel der Faktoren, das Erkennen des natürlichen Lichts, die Kameraeinstellungen, das Motiv und seine jeweilige Wirkung in der Lichtsituation gemeinsam mit der individuellen Intention des Fotografen: Das alles gemeinsam macht das Geheimnis hinter einer Fotografie, die wir als besonders ästhetisch empfinden, aus.

Was kann man im Sommer besser machen?

Warum sieht der Himmel so matschig trüb aus?

Es gibt Sommertage, an denen zeigt sich keine einzige Wolke am Himmel. Aber es ist sehr schwül und oft heiß. Jetzt heißt es genau hinschauen. Ist der Himmel wirklich so blau wie wir ihn sehen? Meistens nicht. Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man durch die hohe Luftfeuchtigkeit einen leichten Schleier über der Landschaft liegen. Dieser ist etwas diffus und trüb. Die Folge: Später wird der blaue Himmel auf den Bildern bleiern-grau aussehen. An diesen Tagen braucht man kein Landschaftsfoto zu machen. Stattdessen sollte man sich auf kleine Details am Wegesrand konzentrieren.

Farben an trüben Tagen verstärken

An trüben Sommertagen, wenn der Himmel stark bewölkt ist oder es sehr dunstig ist, werden die Farben förmlich verschluckt. Die Bilder sehen dann genauso matschig aus. Der Grund dafür ist, dass alle Oberflächen reflektieren. Ist der Himmel mit grauen Wolken bedeckt, werden diese wiederum von den einzelnen Oberflächen der Landschaften, zum Beispiel auch von Blättern oder Blüten reflektiert. Farben werden deshalb nicht nicht so intensiv leuchten, wie an einem strahlend blauen Sommertag. Abhilfe kann hier ein Polfilter, genauer gesagt ein zirkularer Polfilter, schaffen. Dabei sollte man aber beachten, dass der Polfilter nichts bringt, wenn man gegen das Licht fotografiert. Und man sollte bedenken, dass ein Polfilter die Belichtungszeit verlängert und das Bild deshalb schneller verwackelt.

In diesem Beispiel trägt neben der Sonne selbst auch die Spiegelung von Licht und Segelboot zum stimmigen Gesamteindruck bei.

(Bild: Jana Mänz)

Gegen die Sonne fotografieren

Kennen Sie noch den Hinweis, dass man nicht in die Sonne fotografieren sollte? Nach wie vor hält sich dieser Fotografiegrundsatz, obwohl er so nicht stimmt. Weder geht die Kamera, der Sensor, noch das Objektiv dadurch kaputt. Dabei kann die Fotografie gegen die Sonne Motive besonders stimmungsvoll einfangen. Man kann mit Schattenbildern spielen, Lichtreflexe einfangen und je nach Objektiv und Blendenöffnung Lichtkreise (Bokehs) oder Blendensterne erzeugen. Dazu später mehr.

Möchte man ein Porträt im Gegenlicht fotografieren, würde das Gesicht normalerweise zu dunkel beziehungsweise unterbelichtet werden. Die Belichtung auf das Porträt würde zwar das Gesicht aufhellen, aber dafür würde der stimmungsvolle Hintergrund überbelichtet und verloren gehen. Daher sollte man bei Porträts im Gegenlicht entweder einen Reflektor oder einen Blitz einsetzen: Je nachdem was Sie persönlich bevorzugen. Für den Reflektor spricht, dass dieser das Licht sanft streut und keine harten Schatten erzeugt. Der Einsatz eines Blitzes kann die Stimmung zerstören und viele Menschen schließen beim Blitzen reflexartig die Augen.

Offene Blende und Gegenlicht

Haben Sie schon einmal die Blende ganz weit geöffnet und das Motiv im Gegenlicht fotografiert? Probieren Sie es mal aus. Das spannende daran ist, das je nach Hintergrund spannende Bokehs entstehen. Als Motiv können Bäume dienen, zwischen dessen Blättern die Sonne hindurchscheint, auch Wasserflächen und -tropfen bieten sich für die Gestaltung an. Je nach Lichtsituation und Motiv zaubern diese Lichtkreise eine Leichtigkeit ins Bild. Probieren Sie es mit ihrem Objektiv mal aus, denn Bokehs haben je nach Objektivart unterschiedliche Ausprägungen, mal sind sie rund, mal haben sie eine Form des Hexagons. Grundsätzlich unterstreichen sie den Sommerlook in Ihren Fotografien und sind ein interessantes Gestaltungsmittel.

Der Vorteil einer Offenblende ist ebenso, dass die Bilder sehr hell und freundlich werden. Wenn man das geschickt in die Bildgestaltung einbaut und viel mit Leeraum arbeit, bekommen die Fotos eine sommerhafte Leichtigkeit.

Wie entstehen Bokehs?

Das ist an sich ganz einfach, wenn Sie die Blende öffnen (z. B. 1,4 bis 2,8) und auf ein Motiv im Vordergrund fokussieren. Der Hintergrund wird dadurch unscharf, und die vorhandenen Lichter, sogenannte Zerstreuungskreise, werden nun als Lichtkreise (oder Scheiben) dargestellt. Dabei variiert die Darstellung je nach Anordnung der Lamellen zwischen reinen Kreisen und bis zu sechs- oder achteckigen Punkten. Sie müssen nun darauf achten, dass im Hintergrund auch Lichter vorhanden sind. Tagsüber können Sie wunderschöne Bokehs im Gegenlicht im Wald fotografieren, wenn sich im Hintergrund eine Wiese mit vielen Blumen oder ein Baum mit vielen Blättern befindet. Auch Wellen auf dem Meer, inklusive Gischt, die das Licht brechen, zaubern wunderschöne Bokehs.

Ein Tokina 100-mm-Makro von der Rückseite fotografiert. Hier sieht man die Anordnung der 7 Lamellen.

(Bild: Jana Mänz)

Geschlossene Blende und Gegenlicht

Wenn Sie ihr Objektiv schon mal weit geöffnet haben, dann können Sie es im Gegenlicht auch ganz weit schließen. Das macht vor allem Sinn, wenn Sie direkt in die Sonne fotografieren und aus der runden Sonne einen Blendenstern gestalten möchten. Gerade bei weiten Landschaftsbildern ist der Blendenstern ein wunderschönes Gestaltungsmittel. Beachten Sie bei der Komposition des Bildes darauf, dass Sie den Blendenstern aber nicht mittig fotografieren. Integrieren Sie ihn in ihr Sommerbild im Goldenen Schnitt. Das macht den Blendenstern zu einem Hingucker, zu dem berühmten i-Tüpfelchen in einem besonderen Bild.

Wie entstehen Blendensterne?

Ab Blende 11 bis Blende 16 beziehungsweise bei größeren Blendenzahlen entstehen die schönsten Sternchen. Die Form und die Ausprägung der Sterne hängen von mehreren Kriterien ab: zum einen von der Anzahl der Blendenlamellen (7 Lamellen = 14-armige Sterne) und zum anderen von der Form. Nur eckige Lamellen erzeugen spitze Sternchen-Ecken. Welche Anzahl und welche Form die Lamellen Ihres Objektivs haben, ist manchmal schwer herauszufinden. Entweder halten Sie ihr Objektiv mit der Unterseite ins Licht oder Sie fragen direkt beim Hersteller an. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist das Vorhandensein von Sonne beziehungsweise einer anderen direkten Lichtquelle. Neben der Sonne selbst können auch Lichtbrechungen an Wassertropfen oder Wasserflächen als Vorlage für Blendensterne dienen.

Tipps für die Motivgestaltung

Bei diesem Foto stimmt sowohl der Gesichtsausdruck des Kindes als auch die Beleuchtung. Auch der Farbkontrast aus Rot, Grün und Blau trägt zur sommerlichen Stimmung des Bildes bei.

(Bild: Jana Mänz)

Was macht Sommerbilder attraktiver?

Stimmung und Emotionen sind wichtig. Die Stimmung können Sie über das Licht beeinflussen. Helle Bilder mit viel Sonnenlicht und warmen Farben erzeugen eine leuchtende Sommerstimmung. Winterbilder sind dagegen in ihrer Grundstimmung eher kühl, Frühlingsbilder leben von Pastellfarben und Herbstbilder sind tendenziell eher dunkel und zeigen gedeckte Farben.

Kombinieren Sie am besten zwei kräftige Farben: Blau und Rot, Gelb und Blau, Rot und Grün. Setzen Sie eine Farbe des Motivs davon in den Goldenen Schnitt und arbeiten Sie mit Seiten- oder Gegenlicht. Die schönsten Bilder entstehen aus der Kombination von Farbe, Licht und Blende. Spielen Sie dabei mit Leerräumen. Nach dem Motto "Weniger ist Mehr" versuchen Sie am besten mit homogenen Hintergründen zu arbeiten, sodass die Motive für sich stehen und das Bild ruhig wirkt. Das erreichen Sie mit einer geöffneten Blende. Verstärken können Sie den Effekt unter Hinzunahme eines Teleobjektivs. Das verdichtet den Hintergrund optisch.

Romanik pur: Eine abendliche Lichtstimmung mit warmen Farben und die idyllische Natur lassen den Betrachter in seiner Vorstellungskraft mit allen Sinnen in das Motiv eintauchen.

(Bild: Jana Mänz)

Motivideen für Sommerbilder

Sommerbilder zeigen Erlebnisse die Draußen stattfinden. Ob in der Natur oder in der Stadt. Rad fahren, schwimmen, zelten, wandern, Drachen steigen lassen, am Strand in der Sonne liegen, Wassermelone essen. Sommerbilder stehen für Treffen mit Freunden und Familie. Zusammen essen und feiern. Ausflüge gemeinsam unternehmen. Sommerbilder sind bunt und aktiv – sie zeigen das pralle Leben. Sie sind üppig wie die Pflanzenwelt. Sommerzeit ist Erntezeit. Sommer ist aber auch Ferien- und Urlaubszeit. Es ist lange hell und man ist dementsprechend lange draußen unterwegs. Sommerzeit ist die Zeit der blauen Stunde. Kerzenbeleuchtung im Garten und auf der Terrasse. Glühwürmchen und Sternschnuppen in der Nacht.

Versuchen Sie, alle ihre Sinne einzufangen: Den Tastsinn, wenn der Sand am Strand durch die Hände rieselt, Schmetterlinge die auf ihrer Hand landen. Der Geruchssinn: wenn Rosen und Lavendel blühen oder wenn Heu gemacht wird. Der Geschmackssinn von frisch geernteten Erdbeeren, Kirschen und Pfirsichen. Und der Hörsinn: Grillen, die in der lauen Sommernacht zirpen, Schwalben, die um die Häuser ziehen, das Rauschen des Meeres. (Jana Mänz) / (msi)