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Fotografin verklagt Getty Images auf Zahlung von einer Milliarde Dollar

Das könnte teuer für Getty Images werden: Eine Fotografin, der die US-amerikanische Bildagentur eine Abmahnung geschickt hatte, hat den Spieß umgedreht und verlangt nun ihrerseits sehr viel Geld von Getty Images.

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(Bild: Carol M. Highsmith)

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Die bekannte US-amerikanische Fotografin Carol M. Highsmith, die sich auf Landschaftsaufnahmen in den USA spezialisiert hat, hat die Bildagentur Getty Images auf Zahlung von einer Milliarde US-Dollar verklagt. Die Agentur hatte den Stein selbst ins Rollen gebracht, als sie Highsmith wegen der Verwendung eines Fotos auf ihrer Webseite kostenpflichtig abmahnte.

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Diese Aufnahme war aber von der Fotografin selbst erstellt worden. Sie hatte sie zusammen mit mehr als 100.000 weiteren Fotografien, die sie im Laufe ihres Lebens aufgenommen hatte, der Library of Congress vermacht. Die öffentlich zugängliche Forschungsbibliothek des US-Kongresses darf die Aufnahmen unter einer "Public-Domain"-Lizenz verwenden. Über diesen Umweg dürften die Bilder auch in die Hände von Getty Images gekommen sein.

Highsmith hatte sich aber nie von den Urheberrechten an ihren Fotos getrennt. Ohne ihre Zustimmung darf die Bildagentur deswegen keine Lizenzgebühren für ihre Bilder verlangen. Die 70 Jahre alte Fotografin hat nun gegen Getty Images und mehrere andere Unternehmen und Einzelpersonen Klage vor einem Gericht in New York erhoben. Die Anklageschrift ist bei Scribd zu finden.

Getty Images reagierte bereits und kündigte an, die Vorwürfe zu prüfen. Es sei aber bereits deutlich, dass sie auf einer Reihe von Missverständnissen beruhten, die hoffentlich bald mit dem Kläger geklärt werden können. Getty selbst habe nur im Auftrag der Stockphoto-Agentur Alamy gehandelt. Wie Petapixel schreibt, soll Getty auch weitere Abmahnungen an andere Website-Betreiber verschickt haben, die Fotografien von Highsmith verwendet haben.

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Die gewaltige Summe von einer Milliarde Dollar, die Highsmith einklagt, basiert auf der Klage des Fotografen Daniel Morel, der vor drei Jahren 1,2 Millionen Dollar für die missbräuchliche Verwendung einer vergleichsweise kleinen Zahl von Fotos erhalten hat. Morel hatte von dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 eindrucksvolle Fotos auf Twitter veröffentlicht, die dann von der Agentur AFP (Agence France-Presse) und Getty Images an Medien in den USA verkauft wurden.

Die amerikanische Bildagentur Getty Images wurde 1995 von Mark Getty und Jonathan Klein gegründet. Das Archiv soll mehr als 80 Millionen Bilder und Illustrationen sowie mehr als 30.000 Stunden Filmaufnahmen umfassen. Seit etwa 2008 wird Getty Images immer wieder kritisiert, weil die Agentur bis zu 2.000 Euro für jedes angeblich missbräuchlich verwendete Foto abmahnt. Getty Images gehört seit 2012 zur amerikanischen Beteiligungsgesellschaft The Carlyle Group und damit zu einer der internationalen Firmen, die von Franz Müntefering vor einiger Zeit als "Heuschrecken" bezeichnet wurden.

[Update 29.7.2016, 12:59: Link im dritten Absatz korrigiert] (Andreas Th. Fischer) / (keh)