Fotomarkt: Wachstum bei Objektiven und Fotoprodukten

Klassische Digitalkameras finden immer weniger Abnehmer. Besser läuft es für analoge Exoten und Zubehör.

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Fotomarkt: Wachstum bei Objektiven und Vollformatkameras
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  • Sophia Zimmermann

Die Deutschen kauften im vergangenen Jahr gut zwei Millionen Digitalkameras (inklusive Actioncams). Das zeigen die Zahlen für den Foto- und Imagingmarkt, die der Photoindustrie-Verband (PIV) veröffentlicht hat. An den Abwärtstrend, der bereits seit 2011 anhält, hat sich die Branche längst gewöhnt. Damals wanderten noch knapp 8,5 Millionen Kameras über die Ladentheken, knapp eine Million davon entfielen auf Spiegelreflexkameras (DLSR). Für spiegellose Systemkameras lagen die Zahlen mit 130.000 Stück noch deutlich darunter.

Dieses Verhältnis ist längst gekippt. Doch ein Grund zum Jubeln dürfte das kaum sein, denn insgesamt konnten die Spiegellosen den Rückgang bei DSLR stückmäßig nicht kompensieren. So verkauften Nikon, Pentax und Co. im vergangenen Jahr nur noch etwa 274.000 DSLR. Demgegenüber stehen 316.000 verkaufte spiegellose Systemkameras.

Letztere Kameraklasse wächst stückmäßig und beim Umsatz allerdings leicht und so kamen die Hersteller mit ihnen insgesamt auf einen Wert von 343 Millionen Euro (DSLR: 187 Millionen Euro). Im Durchschnitt gaben die Deutschen für ihre neue Spiegellose also gut 1085 Euro aus. 2018 lag der durchschnittliche Preis noch bei knapp unter 1000 Euro. DSLR-Käufer sind da deutlich knauseriger und legten 2019 lediglich 680 Euro auf die Ladentheke (2018: 806 Euro).

Für die hohen Preise bei den spiegellosen Systemkameras dürften auch die Vollformatmodelle verantwortlich sein, die Ende 2018/ Anfang 2019 am Markt eingeführt wurden. Das günstigste Gehäuse einer aktuellen Gerätegeneration kostet ohne Objektiv bereits etwa 1500 Euro. Doch auch Systeme mit kleinerem Sensor professionalisieren sich weiter und wenden sich vom Einsteigerbereich ab und hin zu ambitionierten, erfahrenen Fotografen. Selbst das von Olympus und Panasonic betriebene Micro-Four-Thirds-System (MFT), das für seine kompakten Gehäuse bekannt ist, stockte 2019 vor allem im gehobenen bis Semi-Profi-Bereich auf. Seither bietet es mit der E-M1X sogar eine Spiegellose mit integriertem Handgriff. Unverbindliche Preisempfehlung: 3000 Euro ohne Objektiv.

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"Ohne Objektiv" ist das Schlüsselwort, denn die Optiken für spiegellose Systemkameras sorgten für ein leichtes Wachstum in diesem Bereich des sogenannten "Aftermarket". Von 255.000 verkauften Objektiven im Jahr 2018 ging es 2019 rauf auf knapp 320.000 verkaufte Optiken für Systemkameras ohne Spiegel. Damit kompensierten sie sogar den Rückgang bei den klassischen DSLR-Objektiven.

Leichtes Wachstum verzeichnet der Photoindustrie-Verband auch bei den Sofortbildkameras, von denen die Hersteller im vergangenen Jahr etwa neun Prozent mehr als 2018 verkaufen konnten – nämlich 500.000 Stück. Und auch der Umsatz mit diesen Geräten stieg um 14 Prozent.

Weiterhin auf Wachstumskurs sind ebenso Fotoprodukte. So wurden 2019 circa 9,24 Millionen Fotobücher gedruckt und damit ein Wert von 338 Millionen Euro generiert. Ebenso leicht nach oben gingen die Zahlen für Wandbilder und Kalender.

Trotz einiger positiver Ausreißer muss auch der Photoindustrie-Verband eingestehen, dass sich "der Markt seit der Einführung des Smartphones zum Nachteil für die Kameraindustrie entwickelt hat." Die positiven Zahlen etwa bei den Fotoprodukten und die steigenden Durchschnittspreise für Kameras spiegelten allerdings auch wider, dass heute "tatsächlich mehr Menschen als jemals zuvor fotografieren".

"Die große Aufgabe der Branche bleibt in 2020, den Konsumenten vor Augen zu führen, dass das Fotografieren mit einer Kamera, eine andere Dimension von Kreativität ermöglicht und eine entsprechende Ausrüstung die Wertigkeit des Moments beziehungsweise der Aufnahme unterstreicht“, sagt PIV-Vorstandsvorsitzender Kai Hillebrandt. (ssi)