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Fotoprojekt: Flüchtlinge und ihr wichtigster Gegenstand

Fotoprojekte mit Geflüchteten, die nicht nur fotojournalistisch wirken, sondern auch einen ästhetischen Anspruch erfüllen, sind selten. Gabriel Hill legt mit ImPortraits ein Beispiel dafür vor.

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Fotoprojekt ImPortraits: Flüchtlinge und ihr wichtigster Gegenstand

Jeder der Portratierten sitzt am selben kargen Tisch, vor ihm der wichtigste Gegenstand während der Flucht: Ein kleiner Papierzettel etwa mit der Nummer der Eltern, das Mobiltelefon, die goldene Halskette des verstorbenen Vaters, ein Plüschhase. Fotografisch wirken die Aufnahmen durch starke Kontraste und ausdrucksvolle Gesichter, die Pose ist nicht streng vorgegeben.

Gabriel Hill gibt in seinem Fotoprojekt ImPortraits den Flüchtlingen ein Gesicht, indem er Einzelschicksale aufgreift und darstellt. Zwar ist die Flüchtlingskrise bei uns medial omnipräsent, jedoch kommen viele im realen Leben kaum bis gar nicht in Kontakt mit Flüchtlingen. Wir sehen meist nur Bilder von Massen von für uns namenlosen flüchtenden Menschen. Letzteres ändert ImPortraits, indem den Porträtierten Raum gegeben wird, die Geschichte des Gegenstands zu erzählen (siehe Bilderstrecke).

Fotoprojekt ImPortraits (4 Bilder)

Shireen, 21 geflüchtet aus dem Afghanistan, 2010

Ich bin seit zwei Jahren in der Schweiz. Meine Familie hatte nur genug Geld, um meine Flucht zu bezahlen.
Ich bin alleine hier. Da eine Flucht sehr viel Geld kostet, wird es meiner Familie auch nicht möglich sein hierher zu kommen. Als ich aufgebrochen bin, hat mein Vater mir ein Mobiltelefon mitgegeben. Mehr als das Mobiltelefon und die Kleider, die ich trug, konnte ich nicht mitnehmen. Das Mobiltelefon war für mich auf der Flucht die einzige Möglichkeit, mit meiner Familie in Kontakt zu treten und ihnen Bescheid zu geben, dass ich wohlauf bin. Auch gab es mir das Gefühl nicht völlig alleine zu sein.Es hat mir alles bedeutet.
(Bild: http://importraits.ch/)

Die größte Herausforderung des Projekts besteht darin, erzählt Gabriel Hill heise Foto, das Vertrauen der Menschen zu bekommen. Mindert das Fotogarafieren die Chance auf die Aufenthaltserlaubnis? Hat das andere Konsequenzen? Immer wieder geht der Baseler in die Aufnahmelager, um für sein Projekt zu werben und es umzusetzen.

ImPortraits steht noch in den Startlöchern, Gabriel Hill plant eine Ausstellung und ein Fotobuch, zum Teil finanziert durch Crowd Funding. Das Projekt ist zu 100 Prozent Non-Profit (der Fotograf verdient sein Geld mit Headshot-Aufträgen). Über die Kontaktseite des Projekts kann man sich aktuell infomieren lassen.

Garbiel Hill hat ImPortraits auf Facebook, Twitter und Instagram erweitert als eine Art Schwarmkunstprojekt: Was ist denn Ihr wichtigster Gegenstand, lieber Leser, den Sie mitnehmen würden, wenn Sie flüchten müssen? Alle Posts vie Twitter, Instagram oder direkt auf der Facebook-Seite des Projekts mit #importraits werden auf die Webseite www.importraits.ch/media gestreamt und an separater Stelle im geplanten Bildband publiziert. (jr)