Menü

Fringer-Adapter ausprobiert: EF-Objektive von Canon an Fujifilm-X-Kameras

Der Adapter EF-FX Pro II von Fringer bringt Canons EF-Objektive an Systemkameras von Fujifim. Wir zeigen, was geht.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 13 Beiträge
Von

Die spiegellosen Systemkameras der Fujifilm-X-Familie stehen in dem Ruf, dass sie sich nur schlecht mit aktuellen Objektiven anderer Systeme kombinieren lassen. Das liegt mitunter an der Blendensteuerung der meisten modernen Objektive, die über ein Einstellrad an der Kamera geschieht. Fujifilm-Objektive besitzen hingegen in Anlehnung an die Prä-Autofokus-Ära einen Blendenring am Tubus, der anderen Optiken fehlt.

Will man also solche Objektive an das Fujifilm-X-System adaptieren, muss man die Blendensteuerung in den Griff bekommen. Das Unternehmen Fringer hat sich dieser Herausforderung angenommen. Es bietet diverse Adapter für Fujifilm und Sony E-Mount an. Zwei davon eignen sich dazu, die EF-Objektive des Vollformat-Spiegelreflexsystems von Canon an Fujifilms X-Kameras zu verwenden: Der Fringer EF-FX nutzt für die Blendensteuerung eines der Kamerarädchen. Der Fringer EF-FX Pro II besitzt einen Blenden-Einstellring. Letztere Version haben wir uns näher angesehen.

Der Fringer EF-FX Pro II verbindet Fujifilms spiegellose X-Kameras mit Canon EF-Objektiven für Spiegelreflexkameras. Per Blendenring am Adapter steuern Fotografen die Blende in 1/3-Schritten.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Der Adapterring kommt in einer ansprechend gestalteten, hochwertigen Verpackung. Und genau diesen Eindruck vermittelt auch der Adapter selbst. Die Montage ist simpel, da man ihn einfach mittels der beiden Bajonette zwischen EF-Objektiv und X-Kamera flanscht. Die Spiegellose – in unserem Fall das Modell Fujifilm X-T2 (ab 869,90 €) – verhielt sich nach dem Einschalten wie immer. Beim Testobjektiv Canon EF 70-200mm F4.0L IS USM reagierte der Autofokus in gewohnter Geschwindigkeit und Präzision.

Im Sucher erscheint ein sehr klares helles Bild. Per Einstellring lässt sich die Blende in 1/3-Schritten öffnen und schließen. Am Ende der kleinsten Blende wechselt die Kamera in den Automodus. Das alles fühlt sich fast so an, als würde man mit einer Hersteller-eigenen Optik fotografieren. Allerdings wird man sich angesichts der Vollformatoptik erst wieder bewusst, was man sonst stets durch die Gegend geschleppt hat. Beim Standardzoom sind das auf einen Schlag gute 500 Gramm mehr.

Um manuell zu fokussieren, reicht es den Schalter an der Kamera umzulegen. Bei Optiken ohne USM oder Ultrasonic-AF-Motor, die im AF-Betrieb keine manuelle Einstellung zulassen, muss man zusätzlich den Schalter am Objektiv betätigen.

Anders als bei Fujifilm-Objektiven springt die Lupe nicht automatisch an, sobald man den Ring zum Schafstellen bewegt. Die Detailansicht erscheint erst, wenn man auf das hintere Drehrad drückt. Das kann in manchen Situationen sogar praktischer sein.

Mit vier unterschiedlichen EF-Objektiven haben wir den Fringer-Adapter an einer Fujifilm X-T2 getestet.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Wir konnten den Adapter mit vier verschiedenen EF-Objektiven ausprobieren: EF 70-200/4L IS, EF24-105mm/4L IS, EF 50mm/1.4, EF 100mm/2.8 Macro. Die modernen L-Objektive verhielten sich komplett unauffällig. Je nach Einstellung im Kamera-Menü werkelt der Image-Stabilizer permanent oder erst, nachdem man den Auslöser antippt. Laut Fringer soll die Bildstabilisierung im Objektiv auch zusammen mit der kamerainternen Stabilizer-Funktion (IBIS) der X-H1 klappen.

Wer nicht möchte, dass der Autofokus ständig mitläuft, sobald man den Ausschnitt wechselt, sollte den Pre-Autofokus im AF-Menü ausschalten. Auch das EF 50mm/1.4 verhielt sich normal. Lediglich der AF reagierte etwas langsamer als an einer EOS 5D Mark IV.

Vergleichsaufnahme mit einem EF 100mm/2.8 Macro an einer Fujifilm X-T2 (Detail oben) und an einer EOS 5D Mark IV (Detail unten). Auch wenn sich das Objektiv aus dem Jahr 1990 mit dem Fringer-Adapter an der X-T2 nur manuell betreiben lässt, bleibt Bildqualität an beiden Kameras tadellos.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Auffälliger war das Autofokusverhalten beim EF 100/2.8 Macro. Es handelt sich dabei um einen Oldtimer aus dem Jahr 1990, der weder einen modernen AF-Antrieb noch eine Innenfokussierung besitzt. Hier fährt die vordere Linsengruppe vor allem im Makrobetrieb um bis zu 45 Millimeter aus. Dieses Objektiv befindet sich auch (noch) nicht auf der Kompatibilitätsliste des Herstellers. Hier lag der Autofokus der Fujifilm fast immer daneben und pumpte ohne Ende zwischen nah und weit. Bei manuellem Betrieb klappte hingegen alles tadellos, und das Fujifilm-Canon-Gespann lieferte gestochen scharfe Bilder wie an der EOS 5D Mark IV.

➤ Weiterlesen: Bewusst ohne Autofokus: So stellen Sie richtig manuell scharf

Bei Objektiven, die in der Kompatibilitätsliste aufgeführt sind, übergibt der Fringer-Adapter Hersteller, Modellbezeichnung und Blendenwert der EF-Optik an die Kamera für die Exif-Daten.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Der Adapter wertet die EXIF-Daten des angeschlossen Objektivs aus und sorgt dafür, dass sie mit in die Bilddatei geschrieben werden. Adobe Photoshop zeigte bei unseren Testaufnahme Objektivhersteller, Objektivbezeichnung sowie die eingestellte Blende und Brennweite korrekt an. Bei noch nicht unterstützten Objektiven wie dem alten EF 100mm F2.8 Makro erkennt der Ring zwar den Objektivtyp ergänzt aber als Hersteller "Fringer".

Der Fringer EF-XF-Pro II besitzt eine USB-Buchse (rechts), über die sich die Firmware des Adapters updaten lässt. Die aktuelle Version (hier 1.20) steht in der Datei VERSION.TXT.

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Der Hersteller entwickelt den Adapter technisch ständig weiter und ergänzt die Kompatibilitätsliste nach und nach um bislang noch nicht unterstützte Objektive. Um die Firmware zu aktualisieren, ist der Adapter mit einer USB-Buchse ausgestattet. Am PC meldet sich der Adapter als externes Laufwerk an. Der Dateiordner listet eine Datei namens VERSION.TXT mit auf. Darin findet man unter anderem die aktuelle Versionsnummer der Firmware. Für das Update kopiert man die neue Firmware-Datei in diesen Ordner und meldet das Laufwerk ab, ohne das Kabel abzuziehen (die Elektronik benötigt jetzt noch die USB-Stromversorgung). Nach einer halben Minute startet man das Laufwerk neu und findet in der Textdatei die neue Versionsnummer.

Mit dem Fringer EF-XF Pro II können Fujifilm-X-Fotografen ihren Objektivpark um Canon-EF-Linsen erweitern, egal, ob sie noch ein altes Makro-Schätzchen in der Schublade haben oder auf die modernen Optiken ihres Vollformatsystems zurückgreifen wollen. Unsere Tests haben gezeigt, dass das weitgehend ohne Abstriche funktioniert. Lediglich EF-Modelle mit älterer Technik reagierten etwas langsamer oder ließen sich nur mit manuellem Fokus betreiben. Die modernen, hochwertigen Optiken mit USM-Antrieb und Imagestbiliszer (IS) funktionierten bei unseren Tests reibungslos. Die rund 300 Euro sind sicher gut angelegt, wenn man dadurch das Geld für mehrere neue Linsen sparen kann. Übrigens soll der Adapter auch mit EF-kompatiblen Sigma- und Tamron-Objektiven arbeiten.

➤ Weiterlesen: Second-Hand-Guide: So klappt der Gebrauchtkauf von Kameras und Objektiven

(pen)