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Gegen das Digicam-Einerlei: Leica M9 und X1

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Leica M9 mit Vollformat-Sensor

(Bild: Leica)

Wie schon länger im Internet spekuliert, hat Leica jetzt eine neue Messsucherkamera aus der M-Serie vorgestellt, etwas überraschend aber auch eine Kompaktkamera für Puristen, die mit einer Festbrennweite ausgestattete X1. Eine weltweite Live-Videoübertragung der Präsentation geriet allerdings zum Desaster: Die mit Stolz vermeldeten 15.000 Zuschauer waren sicher nur ein kleiner Teil der Interessenten, der Rest erhielt vom Leica-Server nur Timeout-Fehler wegen Überlastung.

Die M9 ist derzeit die kompakteste Kamera mit einem CCD-Bildaufnehmer im Kleinbildformat (24 × 36 mm, "Vollformat") – die Gehäuseabmessungen haben sich gegenüber der M8 bzw. M8.2 nicht geändert (139 × 37 × 80 mm). Ebensowenig die rein manuelle Fokussierung, die aber durch das Messsucher-Prinzip sehr genau und bequem erfolgen kann, auch bei miserablen Lichtverhältnissen. Laut Leica wurde der 18-Megapixel-Sensor speziell für die M9 entwickelt, seine Empfindlichkeit reicht von ISO 80 bis ISO 2500, Leica verspricht selbst in den höheren Einstellungen sehr rauscharme und fein durchgezeichnete Bildergebnisse.

Beim Bildsensor der M9 kommen speziell gestaltete Mikrolinsen mit geringer Brechkraft zum Einsatz. Diese sind an den Rändern zur Bildmitte hin verschoben und auf die Charakteristik der M-Objektive abgestimmt: Sie sollen auch schräg einfallendes Licht bündeln und eine Vignettierung (Verringerung der Bildhelligkeit zum Rand) verhindern. Die aktuellen M-Objektive werden mit einer 6-Bit-Kodierung (nachrüstbar) am Bajonett ausgeliefert, die von der M9 optisch abgetastet wird. Auf Wunsch kann die M9 anhand dieser Informationen eine systembedingte Restvignettierung kompensieren.

Auf einen Moiré-Filter (Tiefpass), der feine Bilddetails optisch herausfiltert, wurde wie bei den Vorgängermodellen verzichtet, um die Auflösung der M-Objektive voll auszunutzen. Auftretende Moiré-Muster werden stattdessen in der digitalen Signalverarbeitung der Kamera eliminiert. Die Kamera verfügt über einen neuen, mikroprozessorgesteuerten und besonders leisen Lamellen-Schlitzverschluss, der Belichtungszeiten bis zu 1/4000 Sekunde ermöglicht. Die kurze Blitz-Synchron-Zeit von 1/180 Sekunde erlaubt auch Tageslicht-Blitzaufnahmen mit selektiver Schärfe. Interessant ist das Lichtmessverfahren, das vor dem ersten Verschlussvorhang das von den mittleren Verschlusslamellen reflektierte Licht auswertet.

Das 2,5"-Display wird dem hohen Anspruch der Marke nicht ganz gerecht: 230.000 Pixel gibt das Datenblatt an – sollte Leica wie in der Branche üblich in Subpixeln zählen, läge die Auflösung auf Kompaktkamera-Niveau. Anderenorts findet man bereits Displays mit 460.000 oder gar 920.000 Subpixeln (volle VGA-Auflösung).

Die Kamera speichert ihre Bilder auf SD/SDHC-Karten. Adobe Photoshop Lightroom für Apple Mac OS X und Microsoft Windows gehört zum Lieferumfang. Lightroom bietet umfangreiche Funktionen zur Verwaltung, Bearbeitung und Ausgabe der digitalen Bilder, unabhängig davon, ob diese im platzsparenden JPG- oder im DNG-Rohdatenformat gesichert wurden. Bei letzterem bleiben die vom Bildsensor mit 14 Bit Auflösung pro Kanal gelieferten Farbinformationen durchgängig bis zur Ausgabe erhalten.

Deckkappe und Bodendeckel der M9 werden aus massiven Messingblöcken gefräst, was zur typischen Leica-"Anfassqualität" beiträgt; der Rest des Gehäuses besteht aus einer Magnesium-Legierung. Die M9 ist ab sofort in zwei Ausführungen erhältlich: schwarz oder stahlgrau lackiert, mit etwas unterschiedlichen Belederungen. Die unverbindliche Preisempfehlung in Deutschland beträgt für beide Ausführungen 5495 Euro.

Die Leica X1 ist mit einem CMOS-Bildsensor mit 12 Megapixeln im APS-C- Format ausgestattet, wie er auch in vielen Spiegelreflexkameras zum Einsatz kommt. Als Objektiv ist ein Elmarit 1:2,8/24 mm fest verbaut, das den gleichen Bildwinkel wie ein 36-mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera liefert (leichtes Weitwinkel). Die Sensor-Empfindlichkeit reicht hier bis ISO 3200.

Leica X1 mit APS-C-Sensor

Als Monitor der sucherlosen Kamera (ein Aufstecksucher ist separat erhältlich) kommt ein 2,7"-LCD zum Einsatz, der 230.000 Subpixel auflöst (QVGA). Die X1 verfügt über einen versenkbaren Blitz, der bei längeren Belichtungszeiten auch auf den zweiten Verschlussvorhang gezündet werden kann. Für mehr Leistung können über den Blitzschuh auch die Leica-Systemblitzgeräte SF 24D und SF 58 genutzt werden. Blende und Verschlusszeit lassen sich über Wahlräder auf der Kamera-Oberseite auch manuell einstellen, dem Anschein nach ist der Ring am Objektiv aber nur Zierrat.

Die Kamera misst 124 × 60 × 32 mm und wiegt ohne Akku 286 g. Ab Januar 2010 soll die X1 für 1550 Euro beim Händler stehen, auch hier wird Adobe Lightroom mitgeliefert. Der optische Aufstecksucher für den Blitzschuh kostet 279 Euro, ein Handgriff 99 Euro.

(cm/c't) (rst)