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Geschlechtsneutrale Brustwarzen: Neuer Account "genderless_nipples” provoziert Instagram

Instagram hat sich zu einer der beliebtesten Fotografie-Webseiten entwickelt. Das ändert aber nichts daran, dass manche der Richtlinien des sozialen Netzwerkes stark umstritten sind. "Geschlechtsneutrale Brustwarzen" sollen das nun ändern.

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Micol Hebron ärgerte Instagram mit einer satirischen Anleitung zum Austausch weiblicher Brustwarzen.

(Bild: Facebook)

Die Richtlinien zur Veröffentlichung von Fotos auf den Seiten von Instagram und der Muttergesellschaft Facebook sind seit Jahren ein Zankapfel. Insbesondere das weitgehende Verbot der Abbildung weiblicher Brustwarzen hat immer wieder zu Protesten geführt, weil männliche Brustwarzen ohne Beschränkungen gezeigt werden dürfen.

Der Standpunkt von Instagram lautet: "Aus verschiedenen Gründen ist die Darstellung von Nacktheit auf Instagram jedoch nicht zulässig." Das ist aber keine generelle Einschränkung, die für alle Geschlechter gilt: "Dazu zählen auch einige Fotos, auf denen Brustwarzen von Frauen zu sehen sind." Sie sind nicht erwünscht und werden von den Mitarbeitern von Instagram rigoros gelöscht, wenn sie entdeckt werden. Erlaubt sind nur Fotos von Brustamputationen und wenn sie "aktiv stillende Mütter" zeigen. "Auch Nacktheit in Fotos, die Gemälde und Skulpturen abbilden", ist in der Welt von Instagram & Co. "in Ordnung".

Diese Regelungen wurden immer wieder kritisiert oder nicht selten auch ins Lächerliche gezogen. So hat etwa die amerikanische Künstlerin Micol Hebron vor einiger Zeit eine "Anleitung" auf Facebook veröffentlicht, wie man einen (verbotenen) weiblichen Nippel gegen einen (erlaubten) männlichen Nippel ersetzt. Der Erfolg war allerdings bescheiden. Zunächst interessierte sich kaum jemand für Hebrons Beschreibung, erst nachdem sie von der Band La Sera aufgegriffen wurden war, fand sie eine größere Beachtung. Das änderte aber nichts an der Haltung von Instagram beziehungsweise Facebook: Weibliche Brustwarzen sind und bleiben dort weiterhin unerwünscht.

Micol Hebron ärgerte Instagram mit einer satirischen Anleitung zum Austausch weiblicher Brustwarzen.

(Bild: Facebook)

Das musste auch das Starlet Chrissy Teigen erfahren, dass auf Instagram ein Oben-Ohne-Foto veröffentlichte. Nachdem es gelöscht worden war, versuchte es Teigen mit verschiedenen Photoshop-Filtern, um das Bild als Ölgemälde und als Bleistiftzeichnung zu tarnen. Aber ebenfalls ohne Erfolg. Instagram löschte auch diese Versionen. Chrissy Teigen hatte aber das, woran ihr vermutlich am meisten gelegen war: Publicity.

Was Putin darf, ist Chelsea Handler nicht erlaubt: Oben ohne auf einem Pferd zu posieren. Nur eine halbe Stunde nach dem Veröffentlichen eines Nacktfotos war es schon wieder von Instagram verschwunden. Ihr Bild zu löschen bezeichnete Handler als "sexistisch". Sie habe jedes Recht zu zeigen, dass sie einen schöneren Körper als Putin habe, kommentierte die amerikanische Komödiantin ihre Aktion auf Twitter.

Was Putin darf, darf Chelsea Handler noch lange nicht auf Instagram. Ihr Oben-Ohne-Bild wurde gelöscht.

(Bild: Twitter)

Einen weiteren Anlauf hat vor einigen Wochen "genderless_nipples" auf Instagram unternommen. Der unbekannte Aktivist hinter dem Instagram-Account hat es sich zum Ziel gesetzt, die Richtlinien von Instagram zu ändern. Dazu postet er oder sie "geschlechtsneutrale" Brustwarzen von Männern und Frauen aus nächster Nähe. "genderless_nipples" veröffentlichte ebenfalls eine Anleitung und empfiehlt dort unter anderem, eventuell vorhandene Haare um die Brusthaare vor der Aufnahme zu rasieren, um Rückschlüsse auf das Geschlecht der Person zu verhindern. Mittlerweile hat der Account fast 73.000 Abonnenten und mehr als 80 Nippel gepostet. Dennoch bleibt Instagram bei den kritisierten Richtlinien.

Der Account "genderless_nipples" versucht Instagram mit "geschlechtsneutralen Brustwarzen" zu einer Änderung der Richtlinien zu bringen.

(Bild: Instagram)

Nur ein einziger Post wurde bislang nach Angaben des Account-Erstellers allerdings tatsächlich von dem sozialen Netzwerk gelöscht. Laut "genderless_nipples" handelte es sich dabei um einen männlichen Nippel. Das zeigt auch die Problematik der Richtlinien von Instagram und anderen sozialen Netzen: Wo liegen die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Brustwarzen? Aus der Nähe betrachtet sehen sie sich sehr ähnlich. Warum sind die einen also erlaubt, die anderen nicht? Die Chancen, dass Facebook und seine Tochtergesellschaften ihre umstrittenen Richtlinien ändern, dürften allerdings weiterhin minimal sein. (Andreas Th. Fischer) / (keh)