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Google Kamera: Schärfentiefe nachträglich verstellbar

Google hat die bisher den Nexus-Geräten vorbehaltene Kamera-App jetzt in den Play-Store gestellt. Das interessanteste neue Feature ist der Fokuseffekt (aka Lens Blur) mit dem sich die Schärfentiefe auch nach der Aufnahme noch verändern läßt.

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Google hat die bisher den hauseigenen Nexus-Smartphones vorbehaltene Kamera App nun auch in den Play Store gestellt. Die App können nun auch Besitzer anderer Smartphones herunterladen, Voraussetzung ist allerdings Android 4.4. Das wichtigste Feature der neuen Anwendung ist der Fokuseffekt, der auch unter der englischen Bezeichnung Lens Blur bekannt ist.

Das Spiel mit der Schärfentiefe gehört zum Standardrepertoire jedes ambitionierten Fotografen, allerdings braucht man dafür eine Kamera bei der sich die Blende auch entsprechend verstellen lässt. Bei Handy-Kameras mit fester Blende kann man diese nicht verstellen – Ausnahmen wie das Nokia N86 8MP bestätigen die Regel. Damit ist wird bei Smartphones die Schärfentiefe von der Hardware vorgegeben. Bedingt durch die sehr kleinen Sensoren und die recht kurze Brennweite ist der Schärfentiefebereich bei Smartphones generell sehr groß. Das Freistellen von Objekten vor einem unscharfen Hintergrund ist also nicht möglich.

Google Kamera - Fokuseffekt (10 Bilder)

Extrabreite Auslösefläche

Die extrabreite Auslösefläche der neuen Kamera-App wird in der Community kontrovers diskutiert.

Wie die meisten Smartphonehersteller versucht auch Google diese Hardware-Beschränkung mit der Kamera-Software zu umgehen. Beim Fokuseffekt nimmt die Kamera nicht ein, sondern gleich mehrere Bilder auf und rechnet diese per Software zu einem Bild zusammen. Man muss während der Aufnahme das Handy langsam und möglichst gleichmäßig nach oben bewegen und dabei das Objekt immer in der Mitte halten. Ein Icon im Sucher zeigt die Bewegungsrichtung an und weist auch darauf hin, wenn man zu schnell war.

Bei unserem Testhandy reduzierte sich die Kamera-Auflösung dadurch von 2048×1536 auf 1024×768 Pixel. Die Auflösung schrumpft also von 3,1 auf 0,8 Megapixel. Für einen Ausdruck oder auch nur für etwas größere Bildschirme taugen die so gewonnene Bildchen nicht mehr. Bei Aufnahmen mit Fokuseffekt kann man nach der Aufnahme per Schieberegler die Schärfezone beliebig oft verstellen. Das Bild wird dann jeweils aus der Bildserie neu gerendert. Speziell bei Motiven mit klaren Strukturen sind sichtbare Artefakte jedoch keine Seltenheit. Es handelt sich beim Fokuseffekt mehr um ein interessantes Gimmick, als um eine fotografisch brauchbare Funktion. Die ohnehin schon geringe Bildqualität eines Smartphones verschlechtert sich durch den Fokuseffekt weiter.

Außerdem kann man mit der App via Photo Sphere Panoramaaufnahmen erstellen. Der Sucher soll 100 Prozent der Sensorauflösung abdecken. Weil der Kamerasensor das Seitenverhältnis 4:3 hat und der Bildschirm das Format 16:9 hat, ist damit Platz für eine extragroße Auslöserschaltfläche. Wenn man ein Nexus-Handy hat, installiert sich Google Kamera als Standard-App für die Fotografie. Bei anderen Fabrikaten installiert sich die Anwendung parallel zur vorhanden Fotografie-App. Solange Android 4.4 selbst bei aktuellen Smartphones noch nicht flächendeckend verfügbar ist, ist der potenzielle Nutzerkreis der Software noch überschaubar.

Google Kamera - Beispielbilder zum Fokuseffekt (4 Bilder)

Aufnahme im Standard-Modus

Das mit Standardeinstellungen aufgenommene Foto zeigt eine große Schärfentiefe und eine insgesamt gute Bildqualität.

(Sascha Steinhoff) / (sts)