Hasselblad XCD 4/45P: Leichtes Pancake im Mittelformat

Mit dem neuen XCD 4/45P bringt Hasselblad für die X1D-Serie ein kompaktes, leichtes Objektiv auf den Markt. Auch der Preis kann sich sehen lassen.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 6 Beiträge

(Bild: Hasselblad)

Von

Hasselblad fügt seiner spiegellosen X1D-Linie ein neues Objektiv hinzu. Das XCD 4/45P (KB 35 Millimeter) ergänzt die Objektiv-Reihe als zehnte und mit einem Preis von 1200 Euro günstigste Linse. Im Sortiment befindet sich zwar bereits eine 45-Millimeter-Festbrennweite mit Offenblende f/3.5. Der Unterschied liegt allerdings in Größe und Gewicht. Klein, kompakt und reisetauglich soll die Neue sein. Dabei soll sie mit einer hohen Auflösung bis in die Ecken glänzen und außerdem deutlich leiser auslösen als andere Objektive mit Zentralverschluss. Wir haben die Linse in Labor und Praxis unter die Lupe genommen.

Optisch sind die Hasselblad X1D II und das XCD 4/45P ein harmonisches Team. Die Linse passt sich perfekt an das aufgeräumte Design der Kamera an. Die X1D II liegt mit der 45-Millimeter-Festbrennweite gut in der Hand und ist nicht kopflastig. Hätte man nicht den Preis im Hinterkopf, könnte man die Kamera beruhigt in die Umhängetasche stecken, denn das Gewicht hält sich mit 320 Gramm für das Objektiv in Grenzen.

Der Fokusring ist griffig gummiert. Er läuft weich, ohne zu locker zu wirken. Dabei gibt es in beiden Richtungen eine Art Anschlag, den man zwar überfahren kann, aber nur gegen Widerstand. Beim Fokussieren fährt sich das Objektiv um rund einen Zentimeter aus. Es kommt ohne Knöpfe oder Schalter. Alle Parameter werden über die Kamera gesteuert.

Lesen Sie auch

Einen Bildstabilisator gibt es nicht, dafür ermöglicht der interne Zentralverschluss Blitzsynchronzeiten von bis zu 1/2000 Sekunden. Die Auslösung ist wie versprochen leiser als bei anderen Objektiven mit Zentralverschluss, beispielsweise dem XCD 2,8/65, allerdings ist sie immer noch zu hören. Selbst beim Fokussieren entsteht eine deutlich wahrnehmbare Geräuschkulisse.

Der Autofokus reagiert im Hellen recht gut, ein Geschwindigkeitsprofi ist er jedoch nicht. In etwas dunkleren Räumen hatten wir längere Fokussierzeiten, auch die Treffsicherheit ließ hier nach. Er konnte die per Touchdisplay ausgewählten Motive gelegentlich nicht scharfstellen oder erst nach ein bis zwei Versuchen. Gut fanden wir jedoch die Naheinstellgrenze von 35 Millimetern.

Hasselblad XCD 4/45P (8 Bilder)

Testszene Übersicht

Übersicht der c't Testszene mit markierten Ausschnitten

(Bild: heise)

Die Hasselblad X1D II besitzt eine hohe Auflösung von 8272 × 6200 Pixeln. Davon messen wir mit dem 45-Millimeter-Objektiv den Bestwert bei Blende f/5.6. Er liegt zentral bei 96 Prozent, an den Ecken immerhin bei 92 Prozent.

Das Objektiv verzeichnet geringfügig, wir messen rund 0,3 Prozent zu den Ecken hin. Auch Farbsäume spielen kaum eine Rolle, durchschnittlich weniger als 0,1 Pixel. Die Vignette ist bei Blende f/4.0 jedoch mit 0,8 Blendenstufen deutlich sichtbar, geht mit Abblenden zwar auf 0,5 zurück, bleibt aber bei diesem Wert.

Die Auslöseverzögerung mit Autofokus messen wir aus vollständiger Defokussierung heraus. Dort benötigt das Team aus Kamera und Objektiv rund 1,4 Sekunden um scharf zu stellen.

Die Detailauflösung der Bilder bis in die Ecken ist wirklich einen Blick wert. Erst ab Blende f/16 entstehen Unschärfen. Fein violette Farbsäume entdecken wir lediglich an sehr feinen kontrastreichen Kanten wie den Auflösungscharts unserer Testszene. Auch die Plastizität der Aufnahmen hält sich in den Blendenstufen f/16 und f/22 trotz reduzierter Schärfe noch gut.

Die Farben sind kräftig und satt. Die Hasselblad X1D II belichtet etwas dunkler. Durch die Vignette des Objektives geraten die Bilder dadurch teilweise zu dunkel. Je nach Motiv und Lichtsituation empfiehlt es sich daher, etwas überzubelichten.

Das XCD 4/45P ist für einen Preis von 1200 Euro eine gelungene Ergänzung zum Objektivpark der Hasselblad X1D II 50C. Über die Blendenstufen f/5.6 bis f/11 löst das Objektiv sehr gut auf und das bis in die Ecken. Wir messen kaum Aberrationen, lediglich die Vignette ist auffällig. Dazu erhält der Fotograf auch noch ein sanftes Bokeh mit weichen Übergängen.

Größe und Gewicht bieten sich für alle an, die viel unterwegs sind, zum Beispiel für Street-, Reise- oder Landschaftsfotografen. Aber auch für die Produktfotografie lässt sich das Objektiv gut einsetzen. Hier ist besonders die geringe Naheinstellgrenze interessant. Weniger schön ist die Geräuschkulisse. Bei Gottesdiensten, Hochzeiten und überall dort, wo es still sein sollte, bleibt die 45er Festbrennweite besser zuhause.

(cbr)