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Instagram: Die neuen Profi-Fotografen der Photokina

Hashtags, Feeds und Insta-Walks - das Kollektiv "German Roamers" zeigt, wie sich Profi-Fotografen heute finanzieren. Dafür gehen sie ungewöhnliche Wege.

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Instagram: Die neuen Profi-Fotografen der Photokina

Die German Roamers auf der Photokina 2018

(Bild: Torsten Kleinz)

Viele Profi-Fotografen dürften zu sozialen Netzwerken ein zwiespältiges Verhältnis haben. Von Likes allein können sie schlecht leben und manche Nutzer bedienen sich allzu gerne bei den Bildern umsonst. Doch insbesondere auf Instagram hat sich eine junge Avantgarde herausgebildet, die die Fotografie neu für sich entdeckt. Auf der Photokina in Köln stellen sich die neuen Fotografen vor.

Für besondere Furore sorgte in den vergangenen Jahren das Foto-Kollektiv German Roamers, das inzwischen 14 Mitglieder umfasst und deren Instagram-Kanal von fast 300.000 Nutzern abonniert wird.

"Bei uns geht es weniger um das technisch perfekte Foto, sondern mehr darum, den Moment und die Stimmung einzufangen", erklärt Johannes Höhn, der auf Instagram unter dem Pseudonym @pangea postet. So haben die German Roamers das Fotografieren als Teamsport entwickelt. Die ursprünglich lose Gruppe hatte sich auf Instagram-Events gefunden und Freundschaften geschlossen. Seit 2015 treten sie unter dem gemeinsamen Namen auf und entwickeln seitdem sowohl ihre Foto-Technik als auch ihre Community weiter.

Kamerahersteller Olympus gehört aktuell zu den Kooperationspartnern der German Roamers.

(Bild: Olympus)

Die German Roamers haben sich von Anfang an auf Landschaftsaufnahmen spezialisiert. Dabei rücken sie ab von dem perfekt inszenierten Bild. Sie inszenieren vielmehr das Fotografieren an sich als Event. So ziehen die Jungfotografen im Alter von 17 bis 34 Jahren am liebsten gemeinsam durch die Berge – organisieren gemeinsame Fotospaziergänge und längere Reisen. Auf den Bildern sind deshalb auch nicht immer nur die Landschaften zu sehen, die Fotografen nehmen sich gerne gegenseitig ins Bild.

Dabei setzen sie auch im Genre eher ungewöhnliche Mittel ein: Statt auf die Nebelstimmung zu warten, zünden sie mitunter Rauchbomben, um das Motiv zu inszenieren. Geschwindigkeit ist Trumpf: Um der update-hungrigen Followerschaft möglichst ein Bild pro Tag präsentieren zu können, bleibt wenig Zeit für Nachbearbeitungen – in einer Stunde muss das Bild zur Veröffentlichung bereit sein.

Haupt-Einkunftsquelle der Gruppe ist Werbung: Tourismusverbände, Autohersteller und Kleidermarken engagieren die Fotografen als Influencer, um ihre Produkte möglichst ideal zu präsentieren. "Wir haben eine große Reichweite, aber es ist nicht so, dass wir stumpf Produkte in die Kamera halten", erklärt Johannes Höhn. Stattdessen setzen die Roamers auf langfristige Projekte.

Die Zusammenarbeit des jungen Kollektivs hat sich in den vergangenen Jahren professionalisiert – so können heute acht der 14 Mitglieder ihren Lebensunterhalt als Fotografen verdienen. Neben den Einnahmen aus dem gemeinsamen Instagram-Kanal haben sie jeweils ihre eigenen Instagram-Präsenzen und andere Einnahmequellen – beispielsweise als Werbefotografen.

Das gemeinsam vermarktete Portfolio lockt inzwischen auch Weltmarken an. So organisierten die German Roamers mit Mercedes-Benz und The North Face eine zehntägige Foto-Tour nach Kanada. Jüngster Kooperationspartner ist der Kamerahersteller Olympus, der einen Pop-Up-Space sponsort, in dem die German Roamers ab Freitag in Köln ihre Arbeiten präsentieren werden. (Torsten Kleinz) / (ssi)