Menü
c't Fotografie

Interview: So geht Copytrack auf die globale Jagd nach Bilderdieben

Wenn die eigenen Fotos plötzlich auf fremden Websites auftauchen, kann die Durchsetzung der Bildrechte mitunter schwierig werden. Was man in solchen Fällen unternehmen kann, erklärt Marcus Schmitt, Gründer des Berliner Portals Copytrack.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 2 Beiträge

(Bild: Pixabay/CC0 )

Inhaltsverzeichnis

Bilderdiebstahl festzustellen ist dank immer besserer Bildersuchfunktionen in den einschlägigen Suchmaschinen gar nicht mehr so schwer. Aber zu wissen, dass die eigenen Bilder unerlaubt kopiert wurden, ist die eine Sache, seine Rechte durchzusetzen jedoch ein deutlich schwierigeres Unterfangen – vor allem auf internationaler Ebene. Hier setzt die Berliner Firma Copytrack an. Im Gespräch mit c't Fotografie erklärt Gründer und Geschäftsführer Marcus Schmitt, wie sein Unternehmen unerlaubt genutzte Fotos aufspürt und Ansprüche weltweit geltend macht. Der einzelne Fotograf kommt dabei mitunter schnell an seine Grenzen, denn mit dem bloßen Auffinden der Bilder ist es nicht getan. Er muss nachweisen können, dass es sich um Kopien der eigenen Aufnahmen handelt.

Marcus Schmitt, Gründer und Geschäftsführer von Copytrack

(Bild: Copytrack)

c't Fotografie: Herr Schmitt, warum ist die Bilderkennung so wichtig, um die eigenen Rechte an Fotos durchzusetzen?

Marcus Schmitt: Mit einer bloßen Bildersuche erhält man zwar viele Treffer, ein Großteil ist jedoch entweder gar nicht relevant oder nicht akkurat. Bei uns laufen alle Funde durch einen Bildabgleich, der das gefundene Bild anhand des Originals überprüft – einstellbar in Prozent der Übereinstimmung. Somit müssen sich die Kunden nicht durch Berge von falschen Treffern arbeiten. Das spart Zeit. Hinzu kommt, dass wir auch in der Lage sind, Bildausschnitte oder farblich veränderte Bilder zu fast einhundert Prozent zu erkennen.

c't Fotografie: Wenn das Bild als illegale Kopie identifiziert ist, wie werden die Rechte Ihrer Auftraggeber durchgesetzt?

Schmitt: Als bislang einziger Anbieter bieten wir einen vierstufigen Prozess in 140 Ländern an. Im ersten Schritt versucht man, Kontakt mit dem illegalen Nutzer aufzunehmen. Man bietet ihm eine nachträgliche Lizenzierung an, sofern er keine gültige Lizenz nachweisen kann. Danach folgt ein kaufmännisches Mahnverfahren. Zeigt sich der Bilderdieb davon unbeeindruckt, folgt eine anwaltliche vorgerichtliche Durchsetzung. Ist diese nicht von Erfolg gekrönt, kommt schließlich die gerichtliche Durchsetzung zum Zuge.

c't Fotografie: Und das funktioniert weltweit?

Schmitt: Na ja, nicht immer so leicht und elegant wie in Europa. Aber wir kennen uns inzwischen mit dem jeweils gültigen Urheberrecht, den lokalen Steuergesetzen und auch mit den jeweiligen kulturellen Gegebenheiten aus. Wir sind da inzwischen ganz schön "multi-kulti". Das hilft uns im täglichen Geschäft.

c't Fotografie: Und das machen Sie alles von Berlin aus?

Schmitt: Wir haben inzwischen neben dem Büro in Berlin ein weiteres in New York und eines in Tokio. Darüber hinaus haben wir Partnerschaften mit Rechtsanwälten und Inkassounternehmen in den jeweiligen Ländern. Unsere Opponentenkommunikation beherrscht derzeit zwölf Sprachen und in unserer Zentrale arbeiten Mitarbeiter aus sieben Nationen.