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Keine Edelkompakten mit Typ-1-Zoll-Sensor: Nikon sagt DL-Serie ab

Nikons Edelkompakte der DL-Serie kommen wohl doch nicht mehr. Nikon veröffentlichte nun eine Erklärung und sagt darin die Einführung der Kameras ab.

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Keine Edelkompakten mit Typ-1-Zoll-Sensor: Nikon sagt DL-Serie

(Bild: Nikon)

Sony hat sie, Panasonic hat sie, Canon hat sie und Nikon wollte sie einführen: Edelkompaktkameras mit Typ-1-Zoll-Sensor (13,2 mm × 8,8 mm). Doch die Nikon-DL-Kameras werden wohl nun doch nicht mehr am Markt auftauchen.

Pünktlich zum 100-jährigen Firmenjubiläum sagt der Hersteller die Serie erst einmal ab, in einer Erklärung heißt es: "However, it has been decided that sales of the DL series will be canceled due to concerns regarding their profitability considering the increase in development costs, and the drop in the number of expected sales due to the slow-down of the market." Weil sie sich aufgrund des schrumpfenden Kameramarktes nicht rentieren könnten, lässt Nikon also ganz von seinen DL-Plänen ab.

Nikon DL-Familie (14 Bilder)

Die Nikon ist mit einem lichtstarken Nikkor-Objektiv ausgestattet.
(Bild: Nikon)

Schon im Juni 2016 wollte der Hersteller die Edelkompakten eigentlich anbieten, verschob die Markteinführung aber dann auf unbestimmte Zeit. Grund: Ernste Probleme mit dem Bildprozessor. Auch das Erdbeben in Kumamoto, das auch Nikon-Zulieferer traf, dürfte sein Übriges dazu getan haben.

Die Nikon-DL-Serie adressierte ambitionierte Fotografen, die eine kompakte Alles-in-einem-Lösung als Zweitkamera für unterwegs suchen. Nikon orientierte sich bei der Handhabung an den eigenen Spiegelreflexkameras und stellte die Modelle in Abgrenzung zu den herkömmlichen Kompaktkameras unter das Motto "Don't call it Coolpix". Der Name DL leitet sich von "DSLR" und "Lens" ab. Mit lichtstarken Objektiven sollten die drei ersten Modelle die Brennweiten 24 bis 85 Millimeter, 18 bis 50 Millimeter und 24 bis 500 Millimeter abbilden.

Außerdem sollten die DL-Kameras auch eine Kehrtwende sein, denn der Typ-1-Zoll-Sensor arbeitet bei Nikon bisher ausschließlich in den spiegellosen Systemkameras der Nikon-1-Familie. Diese konnte sich am Markt allerdings bisher nicht wie gewünscht durchsetzen, neue Geräte scheinen nicht in Sicht.

Andere Hersteller – allen voran Sony – haben die Typ-1-Zoll-Kompakten bereits seit Jahren als Reaktion auf den Niedergang des Kompaktsegments im Programm. Mit einer hochwertigen Ausstattung und Preisen jenseits der 500 Euro sollen sie den Stückzahlenrückgang bei den günstigen Einsteigermodellen abfedern.

Grundsätzlich scheint Nikon zum 100-Jährigen nicht in Höchstform: Aktuelle Konzernzahlen zeigen, dass Nikon in den ersten drei Quartalen 2017 mit seinem größten Bereich "Imaging Products" noch gut 300 Milliarden Yen (2,5 Milliarden Euro) umgesetzt hat – im Vorjahreszeitraum waren es noch 423 Milliarden Yen (3,5 Milliarden Euro). Auffällig außerdem: Für das Geschäftsjahr, das am 31. März 2017 endet, erwartet der Hersteller in seinem Imaging-Bereich nur noch einen Umsatz von insgesamt 380 Milliarden Yen (3,2 Milliarden Euro) – eine vorangegangene Prognose rechnete noch mit 415 Milliarden Yen (3,4 Milliarden Euro). Insgesamt erwartet der Hersteller für dieses Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von 750 Milliarden Yen (6,2 Milliarden Euro).

Für die schlechten Zahlen der Imaging Sparte macht der Hersteller auch die schleppenden Absätze der Action Cams der Key Mission verantwortlich sowie die gesamte Marktlage. Als Gesamtkonsequenz kündigte der Hersteller bereits Ende 2016 an, sich neu zuordnen. Außerdem will man sich von mehr als 1000 Mitarbeitern trennen.
(ssi)