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Kommentar: Kameraindustrie im Updatewahn

Mit jeder Kamerageneration steigt die Komplexität der Technik, Fehlfunktionen sind die logische Folge. Mit nachgeschobenen Updates beheben die Hersteller zwar bekannte Mängel, für den Anwender ist das aber eine Zumutung.

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Kommentar: Kameraindustrie im Updatewahn

(Bild: fotolia - dimosha, Bearbeitung: Martina Bruns)

Moderne Kameras sind kleine Computer, und genau wie diese strotzen sie im Auslieferungszustand häufig vor Fehlern. Oft fehlen auch noch Funktionen, die Kamera ist noch gar nicht fertig. Das Allheilmittel: Firmware-Updates. Für den Hersteller sind sie praktisch, für die Anwender sind sie eine wachsende Zumutung. Die Fotoindustrie leidet nämlich unter pathologischer Updateritis: für praktisch alles, was ein Fotograf in seiner Kameratasche transportiert, gibt es Updates. Selbst Netzteileinschübe für Blitzanlagen sind inzwischen updatefähig.

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Ein Kommentar von Sascha Steinhoff

Sascha Steinhoff ist Redakteur bei c't Digitale Fotografie und schreibt seit 2008 regelmäßig über techniklastige Fotothemen. Privat ist er seit analogen Zeiten bekennender Nikon-Fanboy, beruflich ist er da flexibler. Als Softwarespezialist kümmert er sich insbesondere um die Themen Raw-Konvertierung, Bildbearbeitung und Bildarchivierung.

In früheren Zeiten hat man mit einer neuen Kamera sofort fröhlich drauflos fotografiert. Heute geht man erst ins Internet, bevor man sich traut, das erste Mal den Auslöser zu drücken. Erst mal gucken, ob es ein Firmware-Update gibt. So lief beispielsweise die 7000 Euro teure Leica SL erst mit dem Firmware-Update 2.0 zur Höchstform auf. Lästige Bluetooth-Pairing-Probleme bei der Samsung NX1 und der Samsung NX500 behoben erst die Firmware-Updates 1.41 (NX1) und 1.12 (NX500). Wie man an den Revisionsnummern schon sehen kann, bleibt es selten bei einem Update für eine Kamera.

Updates für das Update

Das sieht man am Beispiel der Panasonic GH4: Zuerst per Update auf Version 1.1 aktualisieren, dann war das Update auf Version 2.0 fällig. Hierauf folgten eine Reihe kleinerer Updates (2.1>2.2>2.4), derzeit ist die Version 2.5 aktuell. Das macht immerhin sechs Updates in gerade einmal zwei Jahren.

Es kostet Nerven und Zeit, eine Kamera stets up-to-date zu halten. Jedes Update muss man manuell herunterladen und einspielen. Was nebenbei gesagt auch nicht ganz risikolos ist, ein fehlgeschlagenes Update kann eine Kamera komplett außer Gefecht setzen.

Aktualisierungen für Zubehör

Auch Objektive lassen sich updaten. Für das Sigma 5-6,3/150-600 mm DG OS HSM-Objektiv gibt es beispielsweise ein Update, welches die AF-Geschwindigkeit erhöhen soll. Manche Objektiv-Updates ermöglichen überhaupt erst den Betrieb an bestimmten Kameras. Selbst für die Objektiv-Adapter wie beispielsweise von Metabone gibt es inzwischen entsprechende Software.

Ähnlich stellt sich die Situation bei Blitzgeräten dar, viele sind aus gutem Grund schon seit Jahren mit einer USB-Schnittstelle versehen. Selbst Akku-Blitzgeneratoren für den Studiobetrieb wie der Hensel Porty L600 verlangen ab und an nach frischer Firmware. Fun Fact: Es gibt zusätzlich ein separates Update nur für den AC-Netzteileinschub des Porty L!

Bei Belichtungsmessern wie dem Gossen Digisky, lässt sich per Update der “Bedienkomfort bei der Werteverstellung durch eine dynamische Repeater-Funktion im Ringcontroller” verbessern. Strobisten, so sagt es jedenfalls die Gossen-Pressemitteilung, sollen das zu schätzen wissen.

Beta-Tester wider Willen

Kurz gesagt: Wenn ein Gerät ein bisschen Elektronik und eine Schnittstelle hat, ist früher oder später höchstwahrscheinlich ein Firmware-Update fällig. Das ärgert mich: In meiner Freizeit möchte ich fotografieren und nicht den unbezahlten Beta-Tester für die Kameraindustrie spielen! (sts)