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Kontraste beherrschen: Fotografieren im Untergrund 33 Kommentare

Kontraste beherrschen: Fotografieren im Untergrund

Die SW-Umsetzung hebt Strukturen und Linien hervor. Weil ein leichter Schärfeverlauf gewünscht war, wurde eine größere Blende gewählt. Die Aufnahme entstand wegen eines ungünstigen Standpunkts für das Stativ aus der Hand, deshalb wurden die ISO angehoben und die Verschlusszeit verkürzt. Canon EOS 5D Mark IV I 35mm I f/7.1 I 1/5s I ISO 1600 I SW-Umsetzung mit Silver Efex Pro 2

Schattenspiel: Städte bieten unterirdisch spannende Motive. Wie Sie in den Untergrund kommen und was Sie beim Fotografieren beachten müssen, verrät Hans Sterr.

Wer an Kanalisation denkt, dem fällt zunächst schlicht die Abwasserentsorgung ein – ein vermeintlich anrüchiges Thema. Die etwas älteren Semester haben vielleicht noch "Der dritte Mann" und seine berühmte Verfolgungsjagd nach Harry Lime im Wiener Untergrund im Sinn. In diesem Film ist sehr deutlich zu beobachten, was die Kanalisation für Kameraleute und Fotografen interessant macht: wenig, dafür spezielles Licht, die Kontraste, die Licht-Schatten-Spiele, die visuellen Fluchtpunkte, die ausgeprägten Strukturen. Für Fotografen sind das mehr als genug Gründe, sich mit der Kamera auf die Spuren von Harry Lime zu begeben…

Führungen durch die Kanalisation gibt es mittlerweile in vielen Städten, so zum Beispiel in Hamburg [1], Köln [2] oder anderswo. Dieser Artikel bezieht sich auf München, wo Führungen über die Volkshochschule [3] oder direkt bei der Stadtentwässerung [4] gebucht werden können.

Anders als gedacht, ist es in den Teilen des Untergrunds, die für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, weder besonders dreckig noch ist die Geruchsbelästigung hoch. Es riecht etwas muffig-modrig und man sollte eher unempfindliche Kleidung und festes Schuhwerk tragen, aber sonst ist das Ganze eher unproblematisch. Die Temperatur beträgt durchgängig etwa sechs bis zehn Grad.

Zentrale Anforderung für das Fotografieren im Untergrund ist eine weitwinkelige Brennweite. Der Autor empfiehlt mindestens 24 Millimeter (KB-Äquivalent) oder weiter, wobei sich ab und an auch eine etwas längere Brennweite anbieten kann. Zweite Anforderung ist ein stabiles Stativ: Längere Belichtungszeiten sind schon deshalb notwendig, weil die Ausleuchtung nur recht spärlich ist und man durchgängig mit verfügbarem Licht ("Available Light") fotografiert. Alternativ muss man mit hohen ISO-Zahlen zu Werke gehen, was die Bildqualität beeinträchtigt. In München ist das Blitzen streng untersagt: Im Untergrund können sich entzündliche Gase bilden, für die schon ein elektrischer "Funke" genügen könnte (man wird deshalb auch immer von einem städtischen Angestellten mit Gasprüfgerät begleitet).

Ansonsten ist jede Art von Kamera möglich, wobei wegen der besseren ISO-Performance Spiegelreflex- oder Systemkameras mit Wechselobjektiven zu bevorzugen sind.

Fotografieren im Untergrund mit Hans Sterr (0 Bilder) [5]

[6]

Vor welche fotografischen Herausforderungen Sie ein Untergrund-Shooting stellt, hängt natürlich von Größe und Art der besuchten Anlage ab. Im speziellen wird man sich fotografisch um diese Themen kümmern:

Wer an einer Führung im Untergrund teilnimmt, eröffnet sich so einen Blick auf eine wenig bekannte Welt. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass bei "normalen" Führungen der Fokus auf den Erläuterungen zu Funktion und Geschichte der Anlagen liegt und es meist nur wenig Platz, Zeit und Möglichkeiten für die ausgiebige Fotografie gibt.

In eigener Sache: Einen reinen Fotoworkshop bietet der Autor am 14. Mai [7] im Regenrückhaltebecken unter dem Hirschgarten in München an. (Hans Sterr) / (ssi [8])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4399944

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.hamburgerunterwelten.de
[2] http://www.colonia-prima.de/koeln-unterirdisch
[3] https://www.mvhs.de/
[4] https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/baureferat/mse.html
[5] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4399962.html?back=4399944
[6] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4399962.html?back=4399944
[7] http://www.alpinbilder.de/koken/pages/programm/
[8] mailto:ssi@heise.de