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Kurzinterview: Outgesourcte Bilderjagd, eine Einnahmequelle für Fotografen

Das Start-Up Photoclaim überwacht für Fotografen die Bildnutzung im Internet. In Fällen von Bilderklau unterstützen die Berliner bei der Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen.

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Kurzinterview: Outgesourcte Bilderjagd, eine Einnahmequelle für Fotografen

Maurice Sigleur und Gründer Nico Trinkhaus vom Berliner Start-up Photoclaim.

(Bild: Sebastian Arackal)

In der sogenannten Futurezone der Photokina trafen wir Nico Trinkhaus, den Gründer von Photoclaim. Im Gespräch erläutert er, wie sein Team illegale Bildnutzung aufgedeckt und wie Fotografen an der Durchsetzung ihrer Urheberrechte verdienen können. Denn der Bedarf an guten Fotos ist weiterhin riesig, das Angebot auch. Dass für die kommerzielle Nutzung einer Fotografie, beispielsweise auf einer Website oder in einer Firmenbroschüre, die Genehmigung des Fotografen nötig ist, sollte allgemein bekannt sein. An diese einfache Regel halten sich allerdings nicht alle. Hier setzt das Geschäftsmodell von deutschen Start-ups wie Lapixa oder Photoclaim an.

c't Fotografie online: Herr Trinkhaus, viele Fotografen klagen darüber, dass ihre Bilder ohne Genehmigung verwendet werden. Wie wollen Sie mit ihrem Unternehmen Photoclaim bei diesem Problem eingreifen?

Nico Trinkhaus: PhotoClaim durchsucht das Internet nach Bildnutzungen, filtert diese nach kommerziellen Verwendungen und teilt den Fotografen diese Verwendungen mit. Wenn die Fotografen hierbei eine illegale Nutzung feststellen, sichern wir die Beweise und können bei Bedarf auch als Zeugen auftreten. Die Fotografen haben dann die Möglichkeit mit von uns getesteten Anwälten europaweit gegen die Urheberrechtsverletzungen vorzugehen und Schadensersatz zu verlangen

Ist es kompliziert, den Bilderklau aufzudecken? Wo suchen Sie?

Nico Trinkhaus: Letztlich kann ein Fotograf mit der Rückwärtssuchfunktion der Google-Bildersuche selbst feststellen, wo seine Bilder genutzt werden. Dies ist jedem zu empfehlen! Ähnlich machen auch wir es und zudem filtern wir für den Fotografen die zahlreichen Fundstellen, so dass der Fotograf sich nicht mit aussichtslosen oder unkommerziellen Nutzungen auseinandersetzen muss.

Gehen Sie auch gegen Privatpersonen vor, die fremdes Bildmaterial nicht genehmigt verwenden?

Nico Trinkhaus: Wir gehen ausschließlich gegen kommerzielle Bildnutzungen vor.

Was waren bisher die größten Erfolge?

Nico Trinkhaus: Ich möchte weniger einzelne Fälle hervorheben, als das, was wir wirklich für die Fotografen machen können. Wir haben einige Fotografen, bei denen wir den Unterschied zwischen Hobby und Beruf ausmachen. Durch das Verfolgen von Urheberrechtsverletzungen können durch die Einholung der entgangenen Lizenzgebühren regelmäßige, monatliche Zahlungen zustandekommen, die zu dem normalen Einkommen hinzukommen. Das wir Fotografen somit helfen können, sich selbst zu verwirklichen, sehen wir als unseren größten Erfolg an.

Welche Kosten fallen für einen Fotografen an, der sein Portfolio von Photoclaim überwachen lassen will?

Nico Trinkhaus: Es gibt keine Basiskosten, lediglich im Erfolgsfall erhält PhotoClaim 35 Prozent vom erhaltenen Schadensersatz. Die Kosten für den Anwalt müssen von den Gegenseiten getragen werden.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung ihres Geschäftes?

Nico Trinkhaus: Fokus liegt zunächst darauf, auch die gerichtliche Durchsetzung in allen europäischen Staaten zu ermöglichen. Anschließend wollen wir Schritt für Schritt auch in Nicht-EU Ländern helfen können. (sea)