Leica bringt eine Monochrom-M9 und die X2

Leica hat bei einem großen Event zwei neue alte Bekannte vorgestellt – eine Graustufen-M9 namens M9-M, und eine überarbeitete Version der Festbrennweiten-Kompakten X1. Die von vielen ersehnte M10 war kein Thema.

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  • Jobst-H. Kehrhahn

Das Ambiente war Kult, die Gäste international, die Moderation prominent: Leica hatte am Donnerstagabend ins C/O Berlin im ehemaligen Postfuhramt geladen, um Neues zu präsentieren. Durch den Abend führte der Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers, für kurze musikalische Einlagen sorgten unter anderem die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker und der Star-Trompeter Till Brönner, der – für manchen überraschend – auch eine kleine aber beeindruckende Serie großformatiger Schwarzweiß-Portraits ausstellte.

Außerdem wurde die persönlich anwesende Barbara Klemm mit dem "Leica Hall of Fame Award" ausgezeichnet. Sie war langjährige Redaktionsfotografin der FAZ und habe „wie keine andere Fotografin das oft kurzlebige Tagesgeschehen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mit ihrem einzigartigen Blick für das Wesentliche dokumentiert“, begründete Dr. Andreas Kaufmann, Leica-Aufsichtsratsvorsitzender und Mehrheitseigner, die Entscheidung.

Erst später am Abend folgten dann die Produktvorstellungen.

Die M9-M mit dem ebenfalls neu vorgestellten Leica APO-Summicron-M 1:2/50 mm ASPH

(Bild: Leica)

An einem 9. Mai wurde die M9 vorgestellt, der gestrige Donnerstag war der 10. Mai – Grund genug für viele, auf eine M10 zu hoffen. Die gab es zwar nicht, dafür aber eine andere, wenn auch schon durchgesickerte Sensation: Leica wird ab Ende Juli 2012 eine reine Schwarzweiß-Kamera im Angebot haben – die M9-M.

In ihrem Grunddesign unterscheide sie sich kaum von einer M9, so Leica. Doch anstelle der Rot-, Grün- und Blaufilter verwende die Kamera optisch klare Filter. Die Folge: Da der Sensor keine Farbe "sieht", lägen nun für jedes einzelne Pixel reale Helligkeitswerte vor – so entstünden "echte" Schwarzweiß-Bilder, und dies sogar mit gesteigertem Dynamikumfang.

Denn die Filter eines RGB-Sensors sieben rund die Hälfte der Photonen aus (nicht ein Drittel, da sich die Transmissionskurven der drei Filtertypen teilweise überschneiden). Ohne diese Farbfilter erhält der Sensor damit seine eigentliche Grundempfindlichkeit zurück – bei der M9-M also ISO 320. Die maximale Empfindlichkeit der M9-M liegt sogar bei ISO 10 000 statt bei ISO 2500.

Minimiertes Rauschen sei ein weiterer Vorteil des Monochrom-Sensors. Denn der produziere nicht nur weniger, sondern auch qualitativ anderes Rauschen als sein RGB-Pendant, schreibt Leica in einer eigens für das gestrige Event herausgebrachte Sonderausgabe der LFI. Dieses Rauschen sei überwiegend sehr fein, selbst feine Strukturen würden nicht ausgelöscht, solange ihr Kontrast ausreicht, um sie vom Rauschen abzuheben. Zudem sei bei einem Monochrom-Sensor Demosaicing überflüssig und nur wenig Rauschunterdrückung erforderlich.

Die Leica M Monochrom soll in einer schwarz verchromten Ausführung ab Ende Juli 2012 für 6800 Euro in den Fotofachhandel kommen, also rund 800 Euro teurer sein als die „herkömmliche“ M9. Außerdem fehlt der rote Punkt, lediglich eine Gravur auf dem schwarzen Zubehörschuh verrät den Produktnamen.

Die Leica X2 mit dem optionalen Aufstecksucher. Der ist bis 90 Grad schwenkbar und hat eine Auflösung von 1,4 Megapixel

(Bild: Leica )

Version 1 von Leicas Festbrennweiten-Kompakten hatte seinerzeit durch den APS-C-großen Sensor und durch die Bildqualität auf Quasi-DSLR-Niveau überrascht, war aber – zumindest in der Urfassung der Firmware – durch seinen langsamen Autofokus und den nur schwer präzise zu bedienenden Manuellfokus unangenehm aufgefallen. Dies hat man sich bei Leica zu Herzen genommen und nun Version 2 der Reportagekamera auf den Markt gebracht. Dabei wurde die Optik unverändert gelassen – immer noch ist ein Elmarit 1:2,8/24 mm fest verbaut – aber der Sensor überarbeitet. Er löst statt 12 nun 16 Megapixel auf.

Die wichtigste Verbesserung gibt es aber beim Thema Fokussieren: Der Autofokus arbeitet jetzt tatsächlich auch bei schwierigen Lichtverhältnissen deutlich schneller als beim X1-Vorgängermodell – ein kurzer Hands-on-Test mit einer ausliegenden Kamera (Serienmodell) machte ebenso einen guten Eindruck, wie der Manuellfokus. Ebenfalls positiv: Die maximale Empfindlichkeit der X2 wurde von ISO 3200 auf ISO 12.500 gesteigert.

Neu ist ein hochauflösender elektronischer Viso-Flex Aufstecksucher mit 1,4 Megapixeln und 90°-Schwenkfunktion für Aufnahmen aus ungewöhnlicher Perspektive.

Die Leica X2 ist ab sofort im Fotofachhandel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung in Deutschland beträgt 1750 Euro. Der EVF2 kostet 400 Euro, der Aufstecksucher 299 Euro und der Handgriff ist für 99 Euro erhältlich. Außerdem gibt es Kamerataschen, die je nach Modell, zwischen 70 und 150 Euro kosten.

Der französische Luxusgüterkonzern Hermès ist wahrlich kein Unbekannter für Leica: Diverse exklusive und hochpreisige Sondermodell-Editionen hat Leica bereits mit dem ehemaligen Anteilseigner auf den Markt gebracht. Jetzt folgt die Leica M9-P "Edition Hermès", die es in zwei Editionen und nur in streng limitierter Auflage geben wird.

Set 1 erscheint ab sofort in einer Gesamtauflage von 300 Exemplaren. Neben der Kamera enthält es das silbern eloxierte Objektiv Leica Summilux-M 1:1,4/50 mm ASPH. Der Preis: 20.000 Euro.

Ab Juni 2012 kommt dann die Leica M9-P "Edition Hermès" - Série Limitée Jean-Louis Dumas in einer Gesamtauflage von 100 Exemplaren. Neben der Kamera umfasst dieses Set insgesamt drei Objektive: Ein Leica Summicron-M 1:2/28 mm ASPH., ein Leica Noctilux-M 1:0,95/50 mm ASPH. sowie ein Leica APO-Summicron-M 1:2/90 mm ASPH., alle mit silbern eloxierter Oberfläche. Preis: 40.000 Euro.

Das Objektiv der Leica V-Lux 40 - ein DC-Vario Elmar 1:3,3 - 6.4/4.3 - 86 mm Asph. ist vollständig im Gehäuse versenkbar.

(Bild: Leica )

Last, not least: Auch eine Nachfolgerin der V-Lux 30 wurde vorgestellt. Haupt-Neuerung: Das Objektiv wurde neu gerechnet und in Richtung Tele "aufgebohrt" – jetzt erreicht die V-Lux 40 immerhin 480 mm (KB-äquiv.). Deshalb sei auch der Bildstabilisator verbessert worden, so Leica. Außerdem besitze die Kamera jetzt einen anderen CMOS-Sensor, der deutlich weniger rausche und einen verbesserten Dynamikbereich aufweise. (keh)