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Lesetipp: Architektur in Schwarzweiß

Das Buch ist kein Standardwerk über Architektur, auch keines über Schwarzweiß-Fotografie, sondern eine Mischung aus Praxis, Planung und Portfolio, gewürzt mit Geschichte und Geschichten, Philosophie und Psychologie.

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(Bild: dpunkt.verlag)

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Thomas Brotzler

Architektur in Schwarzweiß

Industrieruinen, Sakralbauten und Stadtlandschaften fotografieren

dpunkt.verlag, Heidelberg 2016

351 Seiten

25,5 cm × 21 cm

40 Euro

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Im Mittelpunkt des Buches Architektur in Schwarzweiß von Thomas Brotzler stehen Portfolios und Studien des Autoren und künstlerisch arbeitenden Fotografen. Drum herum strickt er in rhythmischer Abfolge praktische und theoretische Hintergrundinformationen zu seinen Fotoprojekten. In den eingeschobenen Praxisteilen geht es um Fragen wie: Wie stelle ich meine Ausrüstung für die Architekturfotografie zusammen? Welche Kameras, Objektive und welches Zubehör sind dabei von Nutzen? Wie bereite ich mich vor, wie suche ich nach geeigneten Objekten, was gilt es im Vorfeld zu recherchieren? Wie finde ich Vorort die Motive und wie nähere ich mich ihnen – Stichwort Komposition. Gerade diesem Bereich räumt Brotzler einen großen Platz ein. Er beschreibt die Einflüsse des Bildformats, die Grundelemente der Gestaltung, die Gliederung des Raums und erklärt die unterschiedlichen Arten von Spannungsbögen im Bild.

Architektur in Schwarzweiß (10 Bilder)

Der Geschmack der Erinnerung. Studie54. Ein Blick in das Obergeschoss des ehemaligen Druckgussbereichs. Die Absperrungen der metertiefen Bodenöffnungen sind eher symbolischer Natur. Im Hintergrund (etwa in Bildmitte, in dieser Auflösung freilich schwer zu erkennen) zeigt sich eine Gedenktafel. Ein Mitarbeiter war an dieser Stelle bei einem Arbeitsunfall zu Tode gekommen.
(Bild: Thomas Brotzler)

Reichlich Platz gönnt der Autor auch dem Thema Nachbearbeitung. Er beschränkt sich dabei jedoch darauf, seinen eigenen Workflow für Architekturaufnahmen aufzuzeigen. Ins Besondere geht er darauf ein, wie sich HDR-Techniken sinnvoll nutzen lassen, um extrem kontrastreiche Lichtsituationen in den Griff zu bekommen. Ebenso spricht er die Themen geometrische Korrekturen, die Schwarzweißkonvertierung sowie die nachträgliche Tonwertanpassung an.

Und schließlich, wie erarbeite ich ein Konzept für meine fotografischen Intentionen? Brotzler dazu: "Erst durch die Absicht des Fotografen wird das Motiv zum Bild und als solches in der Deutung des Betrachters erfassbar." Bei seinen Ausführungen unternimmt der Autor immer wieder Ausflüge in die Bereiche Geschichtliches, Philosophisches und auch Psychologisches. Der Leser erhält dadurch zusätzliche Aspekte und Anregungen für seine eigenen konzeptuellen Fotoprojekte.

(Bild: dpunkt.verlag)

Zum Buch gehören auch Beiträge in Wort und Bild von drei Gastautoren: "Über das Fotografieren von Industriedenkmälern" von Andre Kurenbach, "Stürzende Linien, fliehende Bauten" von Wolfgang Mothes sowie "L'Espirit de Venise" – eine Venedig-Serie – von Jean Marc Deltombe.

Das Buch bereitet nicht nur Freude beim Lesen, sondern es bietet darüber hinaus Schwarzweißaufnahmen des Autors zu den Titelthemen Industrieruinen, Sakralbauten und Stadtlandschaften mit erzählenden Bildunterschriften, die schon allen die Anschaffung des Buches rechtfertigen. (pen)