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Lily-Camera-Projekt endet mit einer Klage

Vor drei Jahren als vielversprechendes Projekt gestartet, haben die Entwickler der Selfie-Kameradrohne Lily jetzt aufgegeben. Zeitgleich erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen das Start-up.

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Lily-Camera-Projekt endet mit einer Klage

Das kalifornische Startup Lily ist mit seinem Projekt zur Entwicklung einer fliegenden Selfie-Kamera gescheitert. In einer E-Mail an die Lily-Community kündigten die beiden Gründer Antoine Balaresque und Henry Bradlow am Mittwoch allen Vorbestellern die Rückzahlung ihres Geldes binnen 60 Tagen an. In dem Schreiben, das sie am Donnerstag auch auf ihrer Website veröffentlichten, erklärten sie, dass sie alles gegeben hätten. Trotzdem sei es ihnen nicht schnell genug gelungen, den Sprung von der Betaphase in die Massenproduktion zu schaffen. In den vergangenen Monaten hätten sie vergeblich versucht, für den Start der Produktion und Auslieferung weitere Sponsorengelder aufzutreiben.

Gestern wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft für die Region San Francisco bereits seit Monaten ermittelt und nun Anklage wegen irreführender Werbung und unfairer Geschäftspraktiken erhoben haben soll. Mehrere US-Medien berichten, dass die auf der Website gezeigten Fotos nicht von der Lily-Kamera stammen sollen. Auch soll ein viel beachtetes Werbe-Video ein Fake sein – es zeigt, wie die fliegende Selfie-Kamera aus der Hand startet und dem Träger des zugehörigen Trackers folgt. Die Staatsanwaltschaft habe jetzt die erhaltenen Vorauszahlungen eingefroren, um die Rückzahlungen sicherzustellen.

Das strittige Demo-Video der Lily Camera

Damit endet ein vielversprechendes Projekt, das auf großes Interesse gestoßen war: Anfang 2016 verzeichnete Lily rund 60.000 Vorbestellungen mit insgesamt 34 Millionen US-Dollar Vorauszahlungen.

Die Ziele waren hochgesteckt: Lily wollte die Kameraentwicklung auf eine neue Stufe heben.

(Bild: Lily)

In den letzten Monaten hatte Lily seine Kunden mehrfach vertröstet. Das letzte Update zu den Fortschritten bei der Entwicklung der Lily-Camera stammt vom 13. Dezember. Nach dem Produktionsplan vom August 2016 wäre im Dezember und Januar schon die Lieferung an alle US-Kunden fällig gewesen. Dabei war der Lieferbeginn Im Dezember 2015 schon einmal verschoben worden – auf Sommer 2016. Bei dieser Gelegenheit berichtete Lily, dass sie inzwischen 37 Mitarbeiter hätten und 200 Exemplare im Beta-Test seien, um sie unter allen denkbaren Extremsituationen auszuprobieren.

Auf seiner Website haben die Macher immer betont, dass sie die Entwicklung ausschließlich über die 15 Millionen US-Dollar finanzieren, die ihnen 15 Sponsoren zur Verfügung gestellt haben. Das mit den Vorbestellungen eingenommene Geld werde hierfür nicht angetastet und könne von den Kunden deshalb jederzeit zurückgefordert werden. (anm)