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Nach Stagnation kommt Sturzflug: Kameramarkt 2014

Der klassische Kameramarkt steht weiter unter Druck: Zu den großen Verlierern gehören 2014 auch erstmals die Spiegelreflexkameras – und das sogar sehr deutlich.

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Nach Stagnation kommt Sturzflug: Kameramarkt 2014

Photoindustrie-Verband und Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben die Kennzahlen für den deutschen Fotomarkt 2014 veröffentlicht. Für die Branche sind es deprimierende Zahlen, aufbereitet in schlichten roten und grauen Grafiken. Um positiv einsteigen zu können, hebt der Photoindustrie-Verband in seiner Meldung zum Fotomarkt zunächst die Actioncams hervor. Mit ihnen haben die Hersteller im vergangenen Jahr einen Wert von knapp 130 Millionen Euro erwirtschaftet. 540 000 dieser Geräte wanderten dafür über die Ladentheken, Durchschnittspreis 240 Euro. Das war es dann aber auch schon mit den guten Nachrichten.

Der Abwärtstrend am Kameramarkt setzt sich 2014 fort – und zwar sehr deutlich. Noch 4,6 Millionen digitale Kameras fanden 2014 einen Käufer – inklusive Actioncams. 2013 waren es noch 6,1 Millionen. 2012 verkauften Canon, Nikon, Pentax, Sony und Co. etwa 7,36 Millionen Digitalkameras.

Den schwarzen Peter kann der Photoindustrie-Verband diesmal nicht nur den Kompaktkameras zuschieben. Dramatisch hat auch der Absatz klassischer Spiegelreflexkameras gelitten. 2013 verkauften die Hersteller noch mehr als einer Million dieser Geräte. 2014 brachten sie nur 720.000 an den Mann und die Frau. Weiter aufwärts ging es für die spiegellosen Systemkameras: von 230.000 auf 270.000 Stück. Immerhin ein Wachstum von mehr als 17 Prozent.

Rein mengenmäßig bewegen sie sich damit aber noch immer auf niedrigem Niveau und vermögen es nicht, den Abwärtstrend bei ihren Verwandten mit Spiegel zu kompensieren – entgegen den Prognosen des Verbands: Der rechnete noch im September 2014 damit, dass 2014 insgesamt mehr Systemkameras mit und ohne Spiegel verkauft werden als im Jahr zuvor. Dabei überschätzte er das Wachstum der Spiegellosen und unterschätzte den Abwärtstrend bei den DSLR.

Spiegellose Systemkameras im Überblick (35 Bilder)

Sony A7R II

Die A7R II ist die zweite Generation der Sony A7R. Sie löst sie allerdings nicht ab. Beide Modelle bleiben am Markt. Tatsächlich legt der Hersteller noch einmal bei den Megapixeln nach: von 36 geht es hoch auf 42. Damit gibt Sony die erste Antwort auf Canons 50 Megapixel in der Profi-Spiegelreflexkamera 5DS. Zusätzlich führt Sony nun auch erstmals bei den Vollformat-CMOS-Sensoren die rückseitige Verdrahtung ein, was für rauschärmere Bilder bei hoher ISO-Empfindlichkeit und einen verbesserten Dynamikumfang sorgen dürfte. (Bild: Sony)

Für 2015 rechnet der Photoindustrie-Verband verstärkt mit neuen Spielern neben den klassischen Kameras: "Auszumachen ist, dass die Vielfalt an Aufnahmegeräten weiter an Breite gewinnt – dieser Trend wird sich in 2015 unter anderem mit den Wearables oder auch rund um die Luftbildfotografie mit Multicoptern weiter fortsetzen."

Auch der Zubehörmarkt zeigt sich 2014 eher durchwachsen. Erstmals fallen auch Objektive in der Gunst der Käufer. 2013 verkauften die Hersteller noch 1,9 Millionen Stück. Im vergangenen Jahr waren es nur 1,6 Millionen. Das macht sich auch im Wert bemerkbar. 2013 nahmen Sigma, Zeiss und Co. noch 567 Millionen Euro mit Objektiven ein, 2014 kamen sie nur noch auf 501 Millionen Euro. 80 Prozent der verkauften Objektive gehen dabei auf das Konto der klassischen Spiegelreflexkameras.

Auch hier haben die Spiegellosen also noch Potenzial nach oben: Tatsächlich bieten die Hersteller deutlich weniger Wechseloptiken für die junge Kameraklasse an als für die klassischen Spiegelreflexbajonette mit ihrer langen Historie. Fremdhersteller wenden sich dieser Kameraklasse bisher nur zögerlich zu. Dazu kommt, dass viele spiegellose Modelle eher unter emotionalen Aspekten beworben werden. Der Systemgedanke wird dabei vernachlässigt.

Stative und Video-Rigs konnten am Markt gewinnen, während es für Blitzgeräte leicht bergab ging. Positiv entwickelten sich erneut die Fotobücher, von denen 2014 insgesamt 8,5 Millionen verkauft wurden. Im Jahr zuvor waren es noch 7,9 Millionen. (ssi)