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Perseiden: Sternschnuppen richtig fotografieren

Schnell arbeiten, Technik beherrschen: Der Alpinfotograf Hans Sterr zeigt seine Perseiden-Ausbeute und erklärt, wie er bei den Sternschnuppen in der Nacht zum Donnerstag vorgegangen ist. Eine weitere Gelegenheit: Die Geminiden im Dezember.

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Perseiden: Auf Sternschnuppenjagd im Mangfallgebirge

(Bild: Hans Sterr)

Sternschnuppen? Nicht nur etwas für Menschen, die noch Wünsche offen haben. Die Perseiden-Zeit ist Jagd-Zeit für Fotografen, denn der Meteoritenschauer erreicht nur an wenigen Tagen sein Maximum. Das zunächst Schwierigste dabei ist, einen einigermaßen dunklen Ort für die Aufnahmen zu finden – denn so superhell sind die Perseidenschwärme nicht, dass sie sich gegen viel Streulicht durchsetzen könnten. In Städten ist es beispielsweise sehr schwierig bis unmöglich, zu guten Ergebnissen zu kommen. Ländliche Gebiete mit wenig Umgebungslicht sind gute Aufnahmestandorte, noch besser sind unbeleuchtete Bergspitzen.

Perseiden: Auf Sternschnuppenjagd im Mangfallgebirge (8 Bilder)

15 mm Ultraweitwinkel mit Blick auf die Milchstraße

Dieses Foto wurde auf dem Gipfel des Taubensteins mit Blickrichtung Nord aufgenommen. Im Hintergrund ist die Milchstraße zu sehen. Wie bei allen Bildern dieser Serie kam die Canon 5D Mark III zum Einsatz. Nachbearbeitet wurde mit Lightroom und der Nik Collection. Das Objektiv war ein Sigma Fisheye 15mm f/2.8. Fotografiert wurde mit ISO 800. Es handelt sich um eine Langzeitbelichtung mit 30 Sekunden bei Blende f/2.8. (Bild: Hans Sterr)


Das Maximum der Sternschnuppen trifft man in der Zeit zwischen zwei und vier Uhr morgens an; das fällt zusammen mit der dunkelsten und damit besten Nachtzeit.

Eine wunderbar klare Nacht bietet beste Voraussetzungen für die Sternschnuppenfotografie. Die meisten Sternschnuppen wird man in östlicher bis nordöstlicher Richtung sehen.

Als Equipment gefordert ist ein stabiles Stativ, eine halbwegs gute Kamera (insbesondere in Bezug auf die Rauscharmut) mit dezidierten Einstellmöglichkeiten, dazu lichtstarke Weitwinkelobjektive. Größere Bildsensoren wie die von uns eingesetzte Vollformatkamera Canon 5D Mark III sind bei der Nachtfotografie im Vorteil.

Ein großer Bildwinkel des Objektivs erhöht die Chancen, einen Treffer zu landen. Mit längeren Brennweiten und den damit einhergehenden kleineres Bildwinkeln bräuchte man schon irrsinniges Glück. Ausgelöst wird die Kamera auf Verdacht. Ob und wo sich während der Langzeitbelichtung Sternschnuppen zeigen werden, weiß der Fotograf zu dem Zeitpunkt nicht.

Eine große Hilfe bei der Bedienung der Kamera ist ein Timer, mit dem man Belichtungszeit, Bildfrequenz und Intervall festlegen kann. Wir haben für unsere Vollformat-Spiegelreflex einen TC-80N3 verwendet. Das erspart einem mühseliges manuelles Auslösen nach jedem Bild. Auch lange Bildfolgen lassen sich per Timer komfortabel automatisch produzieren.

Grundsätzlich fotografieren wir im Modus M, um alle Eingriffsmöglichkeiten in der Hand zu haben. Die ISO-Zahl legen wir nach Testaufnahmen fest – meine Empfehlung: Lieber länger belichten als die ISO zu pushen. Je nach Brennweite gibt es aber eine Maximalzeit, bis zu der belichtet werden kann, ohne dass die Sterne Streifen statt Punkte werden. Faustregel: Bleiben Sie unter einem Sekundenwert von 500/Brennweite (bei Vollformatkameras) beziehungsweise 300/Brennweite (bei APS-C).

Die Objektive werden per manuellen Fokus auf unendlich eingestellt (für Autofokus ist definitiv zu wenig Licht). Da die Kamera auf einem Stativ steht, sollten Sie den Bildstabilisator – falls vorhanden – ausschalten. Damit viel Licht auf den Sensor fällt, wählt man möglichst die Offenblende.

Einige Objektive sollten zugunsten der Randschärfe allerdings doch eher etwas abgeblendet werden. Die Vignettierung kann man vernachlässigen, wenn man in Raw fotografiert: Die Software rechnet sie bei der Entwicklung per Profil ohnehin heraus. Bei der Kamera sollte für verwacklungsfreie Bilder die Spiegelvorauslösung eingeschaltet sein; ist das nicht möglich, sollte mit Selbstauslöser gearbeitet werden. Wer mit Timer oder Fernauslösung arbeitet, hat dieses Problem ohnehin nicht.

Für die Fotos selbst ist es gut, wenn man auch etwas Vordergrund mit aufnimmt statt nur reine Himmelsfotos – das versetzt den Betrachter in die Lage, das Bild zu verorten und es macht auch die Proportionen sichtbar und somit oft spannender und interessanter. In unserer Bilderstrecke finden Sie eine Reihe stimmungsvoller Perseiden-Fotos und die Informationen über ihre Aufnahmeparameter.

Das Maximum hat der diesjährige Sternschnuppenschauer zwar schon in der Nacht auf den Donnerstag erreicht. Aber auch in den folgenden Nächten wird es voraussichtlich noch Perseiden zu sehen geben. An weiteren Gelegenheiten für schöne Sternschnuppenfotos sollte es in dieser Woche also nicht mangeln. Immer vorausgesetzt natürlich, dass das Wetter mitspielt und nicht Wolken die Sicht verdecken.

Und die nächste Gelegenheit gibt es dann im Dezember: der Sternschnuppenschwarm der Geminiden erreicht sein Maximum am 14. Dezember 2015. (Hans Sterr) / (sts)