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Peter Lik: Rekordfoto oder Rekordschwindel?

Einer Pressemeldung zufolge hat Peter Lik für sein Foto "Phantom" einen Spitzenpreis erzielt. Diese Meldung wurde vom Fotografen selbst lanciert. Es gibt eine Reihe von Ungereimtheiten, die auch einen früheren Rekorderlös von Peter Lik betreffen.

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Peter Lik: Rekordfoto oder Rekordschwindel?

(Bild: Peter Lik)

Der australische Panoramafotograf Peter Lik hat über eine PR-Agentur verbreiten lassen, dass er sein Foto "Phantom" für 6,5 Millionen US-Dollar an einen anonymen Käufer verkauft habe. Bei der Gelegenheit soll der Käufer auch gleich die Bilder "Illusion" für 2,4 Millionen US-Dollar und "Eternal Moods" für 1,1 Millionen US-Dollar erworben haben. Für drei Bilder sind 10 Millionen US-Dollar ein ungewöhnlich hoher Preis. In der Liste der teuersten Fotoverkäufe aller Zeiten katapultiert sich der bisher nur Fachkreisen bekannte Peter Lik durch diesen Rekordverkauf mit komfortablem Abstand zum Zweitplatzierten Andreas Gursky (Rhein II, 4,3 Millionen US-Dollar) auf Platz 1.

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Es gibt bisher keine unabhängige Quelle, die diesen Rekordverkauf belegt. Der einzige der Öffentlichkeit bekannte mögliche Zeuge ist der Rechtsanwalt Joshua Roth der Kanzlei Glaser Weil Fink Howard Avchen & Shapiro, welcher eigenen Angaben zufolge den unbekannten Käufer vertritt. Er ist damit selbst aktiv Beteiligter dieser Transaktion und taugt als unabhängige Quelle eher nicht.

Üblicherweise werden Rekordpreise nur auf Auktionen erzielt, wenn sich verschiedene Interessenten gegenseitig hochbieten. Fast alle Bilder anderer Fotogafen in der erwähnten Liste der Rekordverkäufe haben im Rahmen von Auktionen den Besitzer gewechselt. Damit sind die gebotenen und gezahlten Kaufpreise öffentlich und damit nachprüfbar. Auch dann, wenn der Bieter anonym bleiben möchte. Die einzige Ausnahme war ein Bild von Jeff Wall, welches direkt von einer Galerie erworben wurde. Bei Jeff Wall war aber der Erwerber namentlich bekannt.

Peter Lik war mit seinem Bild "One" für 1 Million US-Dollar der erste Fotograf, dem im Jahr 2010 von einem Käufer eine derart hohe Summe direkt bezahlt wurde. Schon in 2010 wollte der Käufer anonym bleiben, es gab auch hier außer dem Fotografen und einem angeblich vom Käufer beauftragten Rechtsanwalt keine Zeugen der Transaktion. Die Vertriebsmethode hatte sich offensichtlich bewährt. Die aktuelle Transaktion mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen US-Dollar wurde von Peter Lik wieder nach dem gleichen Strickmuster abgewickelt. Nach bisherigem Stand gibt es keine Möglichkeit, die vom Fotografen selbst kolportierten Summen unabhängig zu überprüfen. Alle vier Transaktionen hat Peter Lik also auf ungewöhnlichem Wege so abgewickelt, dass sie sich jeder Nachprüfbarkeit entziehen.

Peter Lik läßt mit seinem Coup auf der prestigeträchtigen Liste der teuersten Fotoverkäufe aller Zeiten nun wesentlich bekanntere Fotokünstler wie beispielsweise Andreas Gursky, Cindy Sherman, Jeff Wall, Richard Avedon und Robert Mapplethorpe mit großem Abstand hinter sich. Es wäre für die Öffentlichkeit sicher interessant zu erfahren, warum ein Käufer für Fotos eines eher unbekannten Fotografen derartige Summen zahlen sollte. Auch bei wohlwollender Betrachtung lässt sich hierfür kein vernünftiger Grund finden. (Sascha Steinhoff) / (sts)