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Photocircle: Helfen mit Fotos

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Fotos drucken mit sozialem Mehrwert: Die Macher hinter Photocircle wollen, dass Geld dahin zurückfließt, wo ein Bild entsteht. Mit ihrer Fotoplattform unterstützen sie deshalb gemeinnützige Projekte unter anderem in Brasilien, Mali oder Bangladesch.

Für den Fotografen gibt es ein Honorar. Für die einfachen Menschen hinter einem Motiv gibt es oft nichts. Sie bleiben anonym, wissen nicht einmal, dass dramatisch bearbeitete Fotos von ihnen auf einer Fotoplattform zum Verkauf angeboten werden. Photocircle will das ändern.

Übersichtlich auf einer Weltkarte präsentiert Photocircle die Projekte, die die Fotografen und Kunden unterstützen können.

(Bild: screenshot)

Der Anbieter für Fotokunst macht es Fotografen möglich, ihren Profit zu teilen – den Kreis zu schließen. Ein Teil der Verkaufserlöse eines Fotos geht hier an gemeinnützige Projekte – aber nicht irgendwo: "Idealerweise fließt das Geld dahin zurück, wo das Bild entstanden ist", sagt Thomas Heinrich, Gründer von Photocircle.

Anzahl der Projekte noch gering

Dieser Idealvorstellung entspricht insbesondere der Fotograf Jakob Berr, so Heinrich. Seine Schwarweiß-Fotos zeigen Fischer in Bangladesch, die Boote zu Wasser lassen, ihre Netze einholen und ihren Fang an Land bringen. Mit ihnen unterstützt Berr das NETZ-Projekt "Schulen für die Ärmsten in Bangladesch". 230 Euro haben er und Photocircle mit dem Verkauf seiner Fotos insgesamt gesammelt und damit fünf Mädchen in Bangladesch die Grundschulbildung finanziert.

Doch ein Jahr nach dem Start im Juli 2012 funktioniert dieser Kreislauf noch längst nicht für alle Fotos auf Photocircle: "Gerade halten wir die Anzahl der Projekte gering, damit sie schneller zu einem Abschluss kommen können." Es fehlen beispielsweise noch Projekte in Europa. Und so passiert es, dass die Fotos von Lars Jacobsen, die teilweise aus Island stammen, Flüchtlinge aus Mali unterstützen.

Zehn Projekte im ersten Jahr

Wer Ailine Liefelds Fotos "Ein Sommer in Berlin" kauft, kann damit das Projekt "Schülerpaten für Berlin" unterstützen. Er hilft mit seinem Geld, drei weitere Paten für Nachhilfe und kulturellen Austausch an Kinder mit Migrationshintergrund zu finden.

(Bild: Ailine Liefeld)

Zehn Projekte konnte Photocircle in seinem ersten Jahr finanzieren, darunter 500 Flyer für die Kulturloge Berlin, Unterrichtsmaterial für Roma-Kinder und -Jugendliche in Bijeljina und eine Patenschaft für den Orang-Utan-Waisen Miko in einer der Rettungsstationen von Borneo Orangutan Survival (BOS). Mehrere Tausend Euro sind bisher zusammengekommen. Aktuell sind 13 Projekte aktiv.

Anfangs hat das Team um Heinrich noch selbst aktiv gesucht, mittlerweile schlagen die Fotografen die Projekte vor. "Das ist das Schönste für uns", so Heinrich. Ausgewählt werden sie anhand ihrer Transparenz. Außerdem soll es einen Mix aus großen Projekten wie der UNO Flüchtlingshilfe und kleineren geben. Heinrich ist besonders wichtig, dass die Ziele so konkret wie möglich formuliert sind, "so dass unsere Kunden wissen, wohin ihr Geld geht – zum Beispiel 100 Euro für zehn Wasserfilter in Myanmar." Auch die an Photocircle angeschlossene Community kann über die Hilfsmaßnahmen abstimmen.

Hobbyfotografen können Fotos drucken lassen

350 Fotografen sind derzeit bei Photocircle aktiv. Ausgewählt werden die von ihnen eingereichten Bilder von einer Fotoredaktion, die das Angebot für die Kunden filtert. Die Fotografen verzichten auf mindestens 30 Prozent ihres eigenen Gewinns. Photocircle spendet noch einmal sechs Prozent des Nettoverkaufspreises eines Fotos.

Auch Hobbyfotografen können ihre Fotos über Photocircle drucken. Die Plattform-Betreiber spenden dann trotzdem 6 Prozent des Nettoverkaufspreises eines Bildes.

(Bild: screenshot)

Doch Photocircle richtet sich nicht nur professionellen Fotografen. Laien können hier ganz klassisch ihre eigenen Urlaubsbilder hochladen und drucken lassen – ohne sie zum Verkauf anzubieten. Das Photocircle-Team spendet dann trotzdem sechs Prozent des Nettoverkaufspreises. "Wer bei uns bestellt, soll nicht nur gute Qualität zu einem fairen Preis bekommen, sondern vor allem auch einen sozialen Mehrwert", so Heinrich. Dem Fine-Art-Anspruch will er mit zwei Labors in Berlin und Sachsen gerecht werden.

Photocircle mit Ausstellungen bekannter machen

Bis zum Jahresende wird Photocircle noch unter anderem vom Europäischen Sozialfonds und der Berliner Senatsverwaltung gefördert. Noch könnte das Start-up nur schwer darauf verzichten: "Das würde schon eng werden", sagt Heinrich, der auch seine Ersparnisse in Photocircle investiert hat.

Steffen Rothammels Foto "Zusammenkommen" enstand in Kuba. Nun unterstützt das Bild gemeinnützige Projekte in Brasilien, Kolumbien und Guinea-Bissau.

(Bild: Steffen Rothammel )

Er weiß, dass die Konkurrenz am Markt groß ist, denn "wir sind nicht die einzigen die Fotos drucken". Das erste Ziel ist es deshalb, sich dauerhaft am Markt zu etablieren, mehr Käufer und Fotografen zu gewinnen.

Derzeit planen die Macher dafür unter anderem einen Relaunch, der den Community-Gedanken weiter vorantreiben soll. So soll es den Kunden möglich werden, einzelnen Fotografen zu folgen. Schon jetzt gibt es exklusive Angebote für die Mitglieder wie den kostenlosen Versand von Fotos oder Rabattaktionen. Außerdem will Heinrich Ausstellungen und Events mit aktiven Fotografen organisieren, um Photocircle bekannter zu machen. (ssi)