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Polaroid OneStep+: Eine Sofortbildkamera mit App 19 Kommentare

Polaroid OneStep+, eine Sofortbildkamera mit App

(Bild: Heise Medien, Andreas Wodrich)

Viel Geheimniskrämerei gab es bei Polaroid Originals um die neue Kamera OneStep mit dem kleinen Plus. Was sich dahinter verbirgt, konnten wir vorab testen.

Light-Painting mit der Polaroid OneStep+

Für erste Light-Painting-Aufnahmen können OneStep+-Fotografen die Taschenlampe im Smartphone nutzen.

(Bild: Christine Bruns)

Die Polaroid OneStep+ ist das jüngste Mitglied der Polaroid Originals Familie, eine Sofortbildkamera mit Plastikgehäuse und dem typischen regenbogenfarbenen Sticker. Obwohl das kleine Plus auf der Vorderseite es vermuten lässt, ist die Kamera kein Hybrid mit eingebautem digitalen Bildsensor. Wie ihre Vorgängerinnen belichtet sie rein analog auf die bekannten Chemiebildchen.

Trotz allem hält auch hier die moderne Technik Einzug – langsam, aber sicher. Denn das, was sich hinter dem kleinen Plus verbirgt, ist eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone und der eigens dafür entwickelten App. Darüber kann die OneStep+ ferngesteuert werden. Die Smartphone-App ist stylisch designed und in den knalligen Polaroid-Farben gehalten. Es gibt vier Menüpunkte. Der erste – "OneStep+" – führt zur Fernsteuerung der Kamera. Der zweite Punkt "Scanner" hilft dabei, Polaroid-Sofortbilder abzufotografieren, die man unter dem dritten Punkt als "Galerie" mit dem Namen "My photos" wiederfindet. Im letzten Menü erhält der Fotograf Tipps, wie er die Kamera nutzt und pflegt. Dazu gibt es Videoclips und Bilder, die zu eigenen Aufnahmen inspirieren sollen.

Doppelbelichtung mit Polaroid OneStep+

Per Button kann der Fotograf bei der Polaroid OneStep+ entscheiden, ob das belichtete Bild ausgeworfen werden soll oder nicht. So sind Mehrfachbelichtungen möglich.

(Bild: Christine Bruns)

Neben der Bedienung per Funk bietet die App einen Selbstauslöser mit einer einstellbaren Verzögerung von einer bis zwölf Sekunden. Doppelbelichtungen und Light-Painting sind mit der App ebenso einfach zu realisieren. Bei letzterem lässt sich sogar die Smartphone-Taschenlampe nutzen. Für erste Versuche benötigt der Fotograf also nicht einmal eine zusätzliche Lichtquelle.

Bei unserem Test mussten wir jedoch einige Fehlversuche in Kauf nehmen, bis wir herausgefunden hatten, wie lange wir belichten müssen. Über einen sogenannten Noise-Trigger löst die Kamera auch per Geräusch aus. Dabei kam es in unserem Test allerdings zu einer leichten Zeitverzögerung, das Wunschmotiv "Redakteurin im Sprung", konnten wir per Noise-Trigger nicht realisieren. Ein anderes Bild wurde unerwünscht belichtet und ausgeworfen, weil ein lautes Umgebungsgeräusch die Aufnahme startete.

Es steht außerdem noch ein manueller Modus zur Verfügung. Hier ändert der Nutzer die Belichtungszeit zwischen 1/125 und 30 Sekunden. Auch ein Bulb-Modus ist vorhanden. Die Blende ist in fünf Stufen zwischen f/12 und f/64 einstellbar. Nach Bedarf lässt sich der interne Blitz aktivieren oder deaktivieren. Per Button entscheidet der Nutzer darüber, ob das Bild nach der Belichtung ausgeworfen oder mehrfach belichtet wird. Dabei sind mehr als zwei Belichtungen möglich.

Die App zur Polaroid OneStep+ (0 Bilder) [1]

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Die OneStep+ hat noch ein weiteres Extra an Bord, denn das Objektiv lässt sich wechseln. Dafür gibt es oben auf der Kamera einen Hebel, über den zwei Linsen ausgetauscht werden können. Mit der Standardlinse liegt die Naheinstellgrenze bei 60 Zentimetern, mit der Nahlinse verringert sich der Schärfebereich auf 30 bis 90 Zentimeter.

Polaroid OneStep+ (0 Bilder) [3]

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Die Kamera nutzt i-Type-Filme, kann aber auch das 600er Filmformat belichten. Die OneStep+ benötigt jedoch keine Filmkassetten mit Batterien, sondern besitzt einen eingebauten Akku, der per Mini-USB geladen wird. Eine Akkuladung soll für 15 bis 20 Filmkassetten reichen. Das schont die Umwelt und ist preiswerter, denn Filme mit Batterien, wie sie in den älteren Polaroid-Kamera-Modellen üblich sind, kosten rund drei Euro mehr.

Nahaufnahme mit der Polaroid OneStep+

Per internem Objektivwechsel lässt sich bei der Polaroid OneStep+ der Schärfebereich für Nahaufnahmen auf 39 bis 90 Zentimeter eingrenzen.

(Bild: Christine Bruns)

Wie bereits bei der Vorgängerin befinden sich auf der Oberseite der OneStep+ acht kleine LEDs, die entweder die verbleibende Anzahl an Bildern in der Filmkassette anzeigen oder den Ladezustand des Akkus. Eingeschaltet wird das Gerät auf der Rückseite, dort befinden sich auch die Ladebuchse und der Taster, der den Blitz unterdrückt.

Vorn an der Kamera wird das Fach geöffnet, das die Filmkassetten aufnimmt. Darüber drängt sich der rote Auslöser Polaroid-typisch ins Blickfeld. Auf der rechten oberen Seite sitzt der Sucher, unter ihm ein kleiner Schieberegler, über den die Helligkeit der Bilder eingestellt werden kann.

Polaroid-Kameras sind wie die Modelle von Fujifilm überwiegend Spaßprodukte. Unser kleines Testshooting im Heise-Fotostudio war jedenfalls sehr lustig. Privat hätten wir uns den Spaß in diesem Umfang eher nicht gegönnt. Zwar ist die Polaroid OneStep+ mit 160 Euro noch erschwinglich – die OneStep2 liegt derzeit bei 130 Euro –, aber mit Preisen von rund zwei Euro pro Aufnahme landen die Bildchen schon im Bereich Luxus oder Kunst. Dabei gibt es keine Garantie, dass jedes Bild gelingt. Doch gerade dieser Überraschungseffekt sorgt für die Faszination von Sofortbildern: Bild grob einstellen, abdrücken und warten, wie das Bild geworden ist. (cbr [5])


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