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Powermanagement in Arbeit: Warum sich Hasselblads Spiegellose verspätet

Hasselblads neue Systemkamera X1D soll ab kommendem November an die Kunden ausgeliefert werden. Später als geplant. Die erste spiegellose MF-Kamera von Hasselblad verspätet sich wohl unter anderem auch, weil das Powermanagement noch nicht final ist.

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Powermanagement in Arbeit: Warum sich Hasselblads Spiegellose verspätet

(Bild: Hasselblad)

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Die Auslieferung der spiegellosen Hasselblad X1D verzögert sich. Nach aktuellen Informationen soll sie nun ab November 2016 erfolgen. Ursprünglich kündigte der Hersteller die Spiegellose schon für August an. Über die Gründe, die für die Verzögerung verantwortlich sind, gab es zahlreiche Vermutungen und Gerüchte. Daher hat c‘t Fotografie bei Hasselblad nachgefragt.

Die spiegellose Mittelformatkamera steckt in einem sehr kompakten und schlanken Gehäuse. Im November soll sie nun ausgeliefert werden. Ursprünglich wollte Hasselblad sie im August auf den Markt bringen.

(Bild: Hasselblad)

Für die Verspätung sind in der Hauptsache zwei Vorgänge verantwortlich: Der Erste war das Erdbeben im japanischen Kumamoto im Frühjahr dieses Jahres. Damals war nach vorliegenden Informationen in dem Reinraum, in welchem die großen Sensoren verarbeitet werden, die Decke eingestürzt und hat die Produktion unterbrochen. Einen alternativen Fertigungsstandort gibt es nicht mehr, denn das Packaging in Pathum Thani/Thailand wurde nach der Flut im Jahre 2011 nach Kumamoto verlagert.

Die durch die Fertigungsunterbrechung in Kumamoto verursachten Verzögerungen wirken sich bis heute aus und sorgen für Verzögerungen bei der Auslieferung zahlreicher Kameras. Die verspätete Verfügbarkeit der Bild-Sensoren führte bei der X1D konkret zu Verzögerungen bei der Fertigstellung von Teilen der Kamerafirmware. Hierbei war insbesondere die Entwicklung des Powermanagements betroffen, das sich nur im realen Zusammenspiel der einzelnen Komponenten fertigstellen lässt.

In den vergangenen Wochen wurde vielfach gemunkelt, dass die X1D Temperaturprobleme hätte und beim Fotografieren zu warm würde. Für die bislang verfügbaren Demomodelle trifft diese Aussage sicher zu. Als Grund dafür nannte Hasselblad, dass das Powermanagement der Kamera noch nicht fertig entwickelt ist. Bis November wolle man dies aber nachgeholt haben.

Eine Digitalkamera wie die X1D hat drei Hauptwärmequellen. Die eine Wärmequelle ist der Bildsensor, der sich zum Zeitpunkt des Auslesens deutlich erwärmt. Zusätzliche Wärme kommt vom hinterleuchteten Display des Monitors, das bei spiegellosen Kameras Rücken an Rücken mit dem Bildsensor eingebaut ist. Die dritte Wärmequelle findet sich im Akku der Stromversorgung. Dieser erwärmt sich beim Laden und Entladen, also beispielsweise auch gerade dann, wenn sich der Sensor erwärmt. Da Akkus für eine Nenntemperatur von 20°C ausgelegt sind und jede Temperaturänderung die Kapazität beeinträchtigt, sollte auch bei den Akkus für eine gute Wärmeabfuhr gesorgt sein.

Konnte man bei den voluminösen Digibacks noch einen Ventilator oder zumindest ein größeres passives Kühlelement einbauen, fallen diese Optionen bei einer spiegellosen Kamera aus Platzgründen weitgehend aus. Bei diesen Kameras hilft nur ein optimiertes Powermanagement, das die Wärmequellen koordiniert so steuert, dass eine möglichst geringe Gleichzeitigkeit erzielt werden kann.

Hasselblad X1D in Bildern (5 Bilder)

(Bild: Hasselblad)

Als weitere Ursache für die Verspätung der X1D nennt Hasselblad die so nicht erwartete hohe Nachfrage nach dem neuen Kameramodell. Aus diesem Grund mussten sowohl die Zulieferkette als auch die eigene Produktion komplett überarbeitet werden. Diese Umstrukturierung dauerte länger als erwartet, soll aber in Kürze abgeschlossen sein, so dass die X1D ab November an die Besteller ausgeliefert werden kann.

Hasselblad will allerdings auch im Oktober X1D-Demo-Kits ausliefern, um mehr Interessenten die Möglichkeit für ein Hands-on zu geben und entsprechendes Feedback einzuholen. (Christoph Jehle) / (ssi)