Praxistest: Olympus-60-mm-Makro für Micro Four Thirds

Spezialobjektive sind bei spiegellosen Systemkameras oft noch Mangelware. Olympus bietet mit dem M.Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8 ein Makro-Objektiv an. Wir wollten wissen, wie sich die zierliche Optik für Nahaufnahmen eignet.

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Das Olympus M.Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8 lässt sich über das große Drehrad sehr feinfühlig manuell fokussieren.

(Bild: Olympus)

Bereits bei meinem ersten Kontakt mit dem M.Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8 auf der Photokina war ich von der zierlichen Olympus-Optik angetan. Nun erreichte sie die Redaktion und ich war gespannt, wie sich die Makrolinse zusammen mit einer PEN E-P3 samt Electronic View Finder VF-2 in der Praxis behaupten würde. Es sei erwähnt, dass ich überzeugter DSLR-Anwender bin und den spiegellosen Sytemkameras sowie dem Micro-Four-Thirds-System im Besonderen eher kritisch gesonnen bin.

Das neue Olympus-Makro hat alles, was man von einem solchen erwartet: Typisch in dieser Objektivklasse ist die Lichtstärke von f/2.8. Damit lässt sich nicht nur eine hauchdünne Schärfeebene realisieren, sondern auch bei weniger Licht aus der Hand fotografieren. Nicht ganz selbstverständlich, aber sehr nützlich: Das Objektiv ist robust und spritzwassergeschützt. Schade nur, dass Olympus die Streulichtblende nicht serienmäßig beilegt, sondern für 50 Euro als optionales Zubehör anbietet.

Mit seiner 60-mm-Brennweite entspricht der Öffnungswinkel dem eines 120-mm-Objektivs an einer Vollformatsensor-DSLR. Die Naheinstellgrenze für Abbildungen im 1:1-Maßstab beträgt aber wie bei einem 60-mm-KB-Makro nur etwa 19 Zentimeter. Will man jedoch einen Schmetterling, der bei einem KB-Sensor in 1:1-Darstellung die gesamte Fläche (36 mm × 24 mm) ausfüllen würde, auf dem kleineren MFT-Sensor (17,3 mm × 13 mm) ebenfalls formatfüllend ablichten, so verringert sich automatisch der Abbildungsmaßstab entsprechend. Damit einhergehend erhöht sich automatisch der notwendige Kamera-Motiv-Abstand auf etwa 25 Zentimeter.

Im Unterschied zum Kleinbildsensor füllt eine 1-Cent-Münze bei einer 1:1-Abbildung den MFT-Sensor erheblich weiter aus. Um gleiche Abbildungsverhältnisse zu bekommen, kann man den Abbildungsmaßstab verringern und damit die Entfernung zum Motiv vergrößern.

Gegenüber einem 105-Millimter-KB-Makro sind das jedoch immer noch fünf Zentimeter weniger. Diese vergleichsweise geringere Distanz zum Motiv kann sich etwa bei der Fotografie scheuer Insekten nachteilig auswirken.

Olympus 60mm 1:2.8 – Makroaufnahmen (13 Bilder)

Zaubernuss

Olympus M.Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8: 1/500 s, f/5.6, ISO 200, Stativ (Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Attraktiv ist die im Vergleich zur DSLR-Ausrüstung sehr kompakte Bauweise. Mit 82 Millimetern Länge und 185 Gramm Gewicht ist das Olympus-Makro angenehm klein und leicht. Zusammen mit der E-P3 und dem View Finder hält man nur knapp 600 Gramm in der Hand; so viel wiegt schon ein 100er-KB-Makro alleine. Zum Fokussieren bietet das MFT-Makro einen erfreulich breiten Einstellring und eine gut ablesbare Entfernungsskala. Die verläuft hier untypisch nicht in Drehrichtung, sondern entlang der optischen Achse. Über den mehrstufigen Fokusbegrenzungsschalter lassen sich drei Bereiche festlegen: 0,19 bis 0,4 Meter, 0,4 Meter bis unendlich sowie der gesamte Fokusbereich von 0,19 Meter bis unendlich. Zusätzlich gibt es noch eine 1:1-Einstellung, die sich aber nicht fest arretieren lässt. Befindet sich die Kamera im MF-Modus, stellt das Objektiv bei Antippen von "1:1" den Fokus fest auf 19 Zentimeter ein. Fokussiert wird dann, indem man die Kamera – am besten per Makroschlitten – vor- und zurückbewegt.

Der View Finder VF-2 ist Ein nützliches Zubehör für die Makrofotografie.

Das Olympus-Makro bietet einen Blendenbereich von f/2.8 bis f/22, um die einfallende Lichtmenge aber vor allem auch den Bereich der Schärfentiefe zu steuern. Standardmäßig zeigt die Darstellung auf dem Display bei der Aufnahme das Offenblendenbild, also bei Blende f/2.8. Will man etwa bei Blende f/11 den Schärfebereich beurteilen, macht man mit der PEN E-P3 normal eine Testaufnahme und schaut sich das Ergebnis in der Wiedergabe an. Alternativ gibt es im Kameramenü eine Abblendfunktion – sie heißt hier "Vorschau" –, die man sich auf eine der Funktionstasten Fn1 oder Fn2 legt.

Vor allem beim Fotografieren im nahen Bodenbereich aber auch bei hellem Umgebungslicht empfiehlt sich der elektronische View Finder VF-2, den Olympus zur PEN E-P3 als Zubehör anbietet, – Kostenpunkt 230 Euro. Er zeigt ein helles, scharfes Kontrollbild und lässt sich wie ein Winkelsucher um 90 Grad nach oben neigen. Stellt man per Hand scharf, wechselt die Darstellung in eine Lupenansicht. Der gewünschte Bereich lässt sich zuvor per Cursor festlegen. So macht Makrofotografie Spaß, da man schon vor der Aufnahme das Bild nicht nur sorgfältig komponieren, sondern auch gleich den Schärfebereich beurteilen kann.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Die Außenaufnahmen bieten eine gute Schärfe und einen tollen Kontrast. Der Hintergrund zeichnet sich durch weiche Übergänge ohne harte Kontraste aus. Bei der Schärfentiefenserie erkennt man sehr schön, wie die Optik bei Offenblende aus den Spitzlichtern ein ansehnliches Bokeh bildet.

Olympus 60mm 1:2.8 – Blendenreihe (8 Bilder)

Blende f/2.8

Olympus M.Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8: Blende f/2.8, 1/200 s, ISO 200

Die Optik ist gut korrigiert, optische Verzerrungen und die chromatische Aberration fallen sehr niedrig aus. Bei offener Blende (f/2.8) steigt die Randabschattung (Vignettierung), die Helligkeit verringert sich gegenüber der Mitte um etwa 30 Prozent, bei leicht geschlossener Blende liegt sie bei etwa 17 Prozent. Auch die Schärfe lässt zu den Rändern hin leicht nach. Die kleinste Blende (f/22) sollte man nur in Notfällen verwenden, da die Abbildungsleistung bei dieser kleinen Öffnung aufgrund von Beugungseffekten stark nachlässt.

Olympus 60mm 1:2.8 – Schärfentiefe (7 Bilder)

Blende f/2.8

Olympus M.Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8: f/2.8, 1/50 s, ISO 200

Die getestete Kombination – 60-mm-Makro, PEN E-P2 und VF-2 – hat mich positiv überrascht. Sie wird meinen Anforderungen an ernsthafte Makrofotografie vollkommen gerecht. Die Bedienung ist Dank großzügigem Einstellrad und dem elektronischen Sucher mit Lupenfunktion sehr komfortabel und steht meiner DSLR-Ausrüstung in nichts nach – eher im Gegenteil. Die Abbildungsleistung ist sehr ordentlich, solange man kleinste Blendenöffnungen meidet. Für Insektenfotografie würde ich mir eine etwas größere Distanz zum Motiv wünschen. Der Preis von rund 600 Euro für das M-Zuiko Digital ED 60mm 1:2.8 wäre noch akzeptabler, wenn Olympus die Streulichtblende gleich beilegen würde.

Messungen
Blende f/2.8 f/5.6 f/11 f/16
Auflösung (Mitte) 100 % 87 % 87 % 58 %
Auflösung (Ecken) 91 % 89 % 88 % 61 %
Verzerrung 0,04 % 0,07 %
0,04 % 0,04 %
CA (Pixel) 0,2 0,4 0,4 0,7
Vignettierung 31 % 17 % 17 % 17 %

(pen)