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Schlag gegen den Beruf des Fotografen

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Unter anderem mit dem Hinweis auf die digitale Fotografie hat der Österreichische Verfassungsgerichtshof (VFGH) den Eintrag der Berufsfotografie als reglementiertes Gewerbe in der Gewerbeordnung für verfassungswidrig erklärt.

In der nichtöffentlichen Sitzung vom 27. November 2013 hat der VFGH einem Antrag des Verwaltungsgerichtshofes entsprochen (Entscheidung als PDF). Der Beschwerdeführer hat dagegen geklagt, dass er mit dem Hinweis auf die gesetzlichen Vorgaben ein Gewerbe mit dem Wortlaut "Berufsfotografen" nicht anmelden durfte.

Der VFGH folgte der Beschwerde und begründete die Verfassungswidrigkeit unter anderem damit, dass von der bisherigen Regelung auch die digitale Fotografie erfasst wird. Für die Ausübung der analogen Fotografie waren noch bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse notwendig, um korrekt entwickelte Abzüge zu bringen, so der VFGH. Das trifft im Zeitalter der digitalen Fotografie nicht mehr zu: "Ein Festhalten am Befähigungsnachweis der Berufsfotografen ist vor diesem Hintergrund nicht mehr sachlich zu begründen". Der VFGH ging zudem auch auf die ungleiche Behandlung der Pressefotografen und Fotodesigner ein, die von der Regelung in der Gewerbeordnung, wie sie für Berufsfotografen gilt, ausgenommen waren.

Zukünftig muss man in Österreich keine reglementierte Ausbildung mehr vorweisen, um das Hobby Fotografie zum Beruf zu machen. Entsprechend entsetzt sind die Berufsverbände. In einer Pressemeldung der Wirtschaftskammer Österreich wird der Bundesinnungsmeister der Berufsfotografen Ernst Strauss mit den Worten zitiert: "Ich trete für den Wettbewerb unter Qualifizierten - zum Schutz der Kunden - ein. Mit der Argumentation des VfGH, dass der Konsument ohnehin durch Vorabbegutachtung fotografischer Arbeiten die Qualität der Tätigkeit eines Fotografen einschätzen könne, fällt die Qualitätssicherung für den Kunden."

Seit die Digitaltechnik die analoge Fotografie verdrängt, stehen Berufsfotografen unter Druck. Hobbyfotografen beliefern Mikrostock-Agenturen mit zum Teil erstklassigen Fotos, deren Lizenzgebühren zu niedrig sind, um davon leben zu können. Und Pressefotografen bekommen zunehmend Konkurrenz, wenn digitale Medien schon längst Amateurbilder gezeigt haben, bevor ein Berufsfotograf überhaupt an den Ort des Geschehens kommt. (jr)