zurück zum Artikel

Spiegellose Vollformatkamera Canon EOS RP im Praxistest 155 Kommentare

Canon EOS RP

(Bild: Peter Nonhoff-Arps)

Die EOS RP ist Canons Einsteigerkamera für das spiegellose Vollformat. In einem Praxistest untersuchen wir die Stärken und Schwächen des Modells.

Die EOS RP ist nach der EOS R Canons zweite spiegellose Systemkamera des Herstellers mit Vollformatsensor. Ausgestattet mit einem 26,1-Megapixel-Sensor und einem Preis von 1500 Euro orientiert sie sich weitgehend an der Spiegelreflexkamera (DSLR) 6D Mark II und spricht damit Einsteiger ins Vollformat an. Derzeit ist sie die preisgünstigste vollformatige Spiegellose. Die direkte Konkurrenz, die Z6 von Nikon und Sonys A7 III liegen gleich 500 Euro darüber. Ausgeliefert wird das Gehäuse der EOS RP standardmäßig mit dem Adapter EF-EOS R, mit dem auch die EF-Objektive der DSLR-Schwestern passen.

Das Größenverhältnis von EOS RP und dem Standard-RF-Zoom schein auf den ersten Blick unpässlich. Das Gespann liegt beim Fotografieren aber gut in der Hand.

Wenn man die EOS RP [1] ausgepackt hat, überrascht sie zunächst durch ihre geringen Abmessungen. Für eine Vollformatspiegelose wirkt sie fast zierlich und auf den ersten Blick scheint die Kombination mit dem Standardzoom RF 24-105mm F4 L IS USM unausgewogen. Jedoch liegt das Gespann angenehm in den Händen und lässt sich gut bedienen. Wem die Ergonomie so nicht genügt, der kann zusätzlich den Erweiterungsgriff EG-E1 unter den Body schrauben, der die Kamera um etwa 15 Millimeter verlängert.

Mehr zum Thema: Fotomarkt: Spiegelloses Vollformat überholt Spiegelreflex [2]

Auch bei der EOS RP hat Canon das von der großen Schwester EOS R bekannte Konzept zum Handling beibehalten. Die Bedienung geschieht mittels einer Kombination von Menü- und Einstellrädern sowie Tasten- und Touch-Funktionen. Wer mit Systemkameras von Canon [3] vertraut ist, wird sich in den Menüs schnell zurechtfinden. Es ist ratsam, sich im Vorfeld mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen und sich die Kamera nach eigenen Bedürfnissen zu konfigurieren. So hat sich der Autor beispielsweise die Blendeneinstellung auf den für RF-Objektive typischen zusätzlichen Einstellring gelegt und auf die M-Fn-Taste direkt neben dem Auslöser die Abblendfunktion, so dass er stets die Schärfentiefe im Sucher kontrollieren konnte.

Canon EOS RP Beispielbilder (0 Bilder) [4]

[5]

Es lohnt sich durchaus, mit der Menüeinstellung Fv zu experimentieren. Es handelt sich dabei um eine Programm-Automatik, bei der Fotografen zusätzlich schnellen Zugriff auf die einzelnen Belichtungsparameter haben. Mit dem hinteren Einstellrad wählt man den Parameter, den man variieren möchte (Zeit, Blende, ISO oder Belichtungskorrektur) und mit dem Vorderen den Wert des Parameters selbst. Das ist für viele Situationen praktisch und man kann das Auge am Sucher belassen. Das Fokusfeld lässt sich dabei per Daumen auf dem Touchdisplay an den gewünschten Punkt verschieben. In der Praxis gelang das nicht immer so, wie gewünscht. Ab und zu sprang das Fokusfeld unkontrolliert zurück. Ein zusätzlicher Joystick wäre bequemer.

Die EOS RP bietet im Menü einige attraktive Kreativfunktionen wie HDR, Mehrfachbelichtung sowie Bracketing für Belichtung, Weißabgleich und Fokus. Bei der HDR-Funktion irritierte, dass nach einem aufgenommenen HDR-Bild, das grundsätzlich als JPEG bearbeitet wird, die Kamera vergisst, weiter in Raw zu fotografieren – selbst, wenn dieses zuvor eingestellt war. Die Folgeaufnahmen speichert sie stets nur noch als JPEG ab. Wer die Bracketing-Funktion häufig einsetzt, sollte in den Custom-Funktionen dafür sorgen, dass sie nach dem Abschalten erhalten bleibt, sonst muss man sie jedes Mal neu aktivieren, sobald man die Kamera aus- und wieder eingeschaltet hat.

Canon EOS RP ISO-Reihe (0 Bilder) [6]

[7]

Während eines Fotoworkshops, zu dem Canon nach Riga eingeladen hatte, konnte der Autor die EOS RP ausgiebig in der Praxis ausprobieren. Es gab Gelegenheiten, sie für Architektur, Porträt und Makro einzusetzen. Dabei hat sich immer wieder das sehr flexibel bewegbare Display bewährt, ob für bodennahe Makro- oder Weitwinkelaufnahmen oder für Ansichten aus der Vogelperspektive. Die Bilderstrecken geben einen ersten Eindruck über die Qualität der Kamera bei unterschiedlichen Motiven und Belichtungssituationen, sowie die Funktioneweise des Fokus-Bracketing. Die JPEG-Aufnahmen neigen mit den Standardeinstellungen bei höheren ISO-Werten zum Weichzeichnen. Für die Praxisbilder war die Rauschreduzierung deaktiviert.

Insgesamt hat es Spaß gemacht, mit der EOS RP zu fotografieren. Für Canon-Fotografen, die schon einige EF-Objektive haben, ist sie ein günstiger Einstieg in die spiegellose Vollformatfotografie. Die Kamera lässt sich gut konfigurieren und bietet kaum Schwächen. Ambitioniertere Fotografen würden sich vielleicht noch eine höhere Serienbildrate wünschen, ein paar mehr Direktfunktionstasten und einen höher aufgelösten Sucher. Die Bildergebnisse können sich vor allem sehen lassen, wenn man die Raw-Daten verwendet. Sie bieten genügend Reserven für die individuelle Entwicklung.

Weitere Details und konkrete Messwerte finden Sie in der kommenden Printausgabe der c't Fotografie 03/2019, die ab dem 29. April am Kiosk erhältlich sein wird.

(pen [8])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4400960

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Canon-EOS-RP-Spiegellose-Vollformatkamera-im-handlichen-Format-4308804.html
[2] https://www.heise.de/meldung/Fotomarkt-Spiegelloses-Vollformat-ueberholt-Spiegelreflex-4399785.html
[3] https://www.heise.de/thema/Canon
[4] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4400814.html?back=4400960
[5] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4400814.html?back=4400960
[6] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4400760.html?back=4400960
[7] https://www.heise.de/foto/bilderstrecke/bilderstrecke_4400760.html?back=4400960
[8] mailto:pen@ct.de