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Tod einer Legende: Die letzte Rolle Kodachrome

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(Bild: Kodak)

Die letzte Rolle Kodachrome-Farbfilm, die Kodak in diesem Jahr fertigen wird, soll an den bekannten Fotografen und Bildjournalisten Steve McCurry gehen: Die damit geschossenen Fotos sollen im George Eastman House International Museum of Photography and Film in Rochester ausgestellt werden. McCurry ist mit Bildern auf Kodachrome-Material berühmt geworden, bevor er sich zum Umstieg auf digitales Equipment entschloss.

Der seit 74 Jahren im Prinzip unverändert hergestellte Farbfilm war eigentlich ein Schnellschuss: Die Chemiker hatten Probleme mit der Diffusion von Farbkupplern in benachbarte Schichten und entschieden sich für die Einfärbung im Entwicklungsprozess, wahrscheinlich um schneller mit einem Farbfilm am Markt zu sein als Agfa. Der Kodachrome ist also eigentlich ein dreischichtiger Schwarzweißfilm mit Farbfilter-Zwischenlagen; wohl deshalb waren seine Schärfe und Tiefe sowie seine Haltbarkeit legendär. Zuletzt konnte er nur noch in einem einzigen darauf spezialisierten Kodak-Labor entwickelt werden, da sich der K14-Entwicklungsprozess um einiges aufwendiger als der bei normalen Farbfilmen übliche E6-Prozess gestaltete.

Der Marktanteil lag zuletzt im Promille-Bereich, außerdem machte der Silberhalogenidanteil beim Scannen Probleme – die bei C41- und E6-Filmen mögliche "Entkratzung" durch Auswerten des Infrarotanteils funktioniert hier nicht, und er benötigt spezielle Farbprofile. Trotzdem war der Kodachrome eine Ikone – und deshalb habe man sich mit der Einstellung der Produktion besonders schwer getan, meinte Mary Jane Hellyar, Chefin der Film- und Unterhaltungsabteilung von Kodak. Als Ersatz empfiehlt der Hersteller die Ektachrome-Sorten E100SW und E100VS.

Beeindruckende Beispiele für historische Kodachrome-Aufnahmen, etwa vom Industriefotografen Alfred Palmer, finden sich beispielsweise im Foto-Blog Shorpy, hier sogar in hoher Auflösung. (cm)