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Ungarn: Fotos von Privatpersonen nur noch mit Einwilligung

Privatpersonen dürfen in Ungarn nicht mehr ohne deren Einwilligung fotografiert werden. Dies gilt auch für Fotos, die nicht veröffentlicht werden. Der ungarische Journalistenverband befürchtet nun eine Flut von Zivilklagen gegen Pressefotografen.

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In Ungarn ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das die Arbeit für Fotografen erheblich erschwert. Einem Bericht der dpa zufolge ist es ab sofort strafbar, Privatpersonen ohne deren Einwilligung zu fotografieren, selbst wenn das Bild danach nicht veröffentlicht wird. Bisher habe die Einschränkung nur die Publikation von Fotos betroffen, nicht aber deren Herstellung. Öffentlich aktive Persönlichkeiten wie etwa Politiker dürften aber weiterhin ohne deren Einwilligung fotografiert werden, ebenso Menschenmengen.

Der ungarische Journalistenverband MUOSZ befürchtet nun eine Flut von Zivilklagen gegen Pressefotografen sowie "Selbstzensur", berichtete die ungarische Internetzeitung index.hu laut dpa. Bei derartigen Prozessen seien die Kläger im Vorteil, weil sie nicht beweisen müssten, dass ihnen durch das von ihnen gemachte Foto Schaden entstanden sei, habe MUOSZ bemängelt. Zudem sei der Begriff "Menschenmenge", die ohne Zustimmung fotografiert werden darf, nicht genau definiert. Unklar sei ferner, in welcher Form die Zustimmung der Fotografierten eingeholt werden muss.

Die neue Regelung ist Teil des im Februar 2013 vom Parlament beschlossenen neuen Strafgesetzbuchs. Kritik dagegen äußerten Medienorgane jeder politischen Ausrichtung. (dpa) / (keh)