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Vor 44 Jahren: Das Napalm-Mädchen von Vietnam

Es ist der 8. Juni 1972. Im Dorf von Kim Phuc in Vietnam fällt Feuer vom Himmel. Ein Bild der damals Neunjährigen geht um die Welt – der Schrecken des Krieges hat ein Gesicht.

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Vor 44 Jahren: Das Napalm-Mädchen von Vietnam

(Bild: YouTube )

Die ganze Welt kennt dieses Foto. Ein kleines Mädchen läuft nach einem Napalm-Angriff in Vietnam nackt und mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Kamera zu. Das Bild wurde zu einem Symbol des Vietnamkriegs. Phan Thi Kim Phuc (53) ist das Mädchen auf dem Foto. Seit 44 Jahren begleiten sie die Verletzungen und Narben von jenem Tag im Juni 1972.

Sie habe erkannt, dass sie diesem Foto niemals entkommen könne, sagt Phuc dem Sender CNN im August 2015. "Also wollte ich mit diesem Foto für den Frieden arbeiten. Das ist meine Entscheidung." Als UN-Botschafterin und mit ihrer eigenen Stiftung setzt sie sich seitdem für Kinder aus Kriegsgebieten ein.

Verberennungen dritten Grades

Die südvietnamesische Armee hatte damals fälschlicherweise Phucs Dorf mit Napalm beschossen. Die zähflüssige Brandwaffe klebt am Ziel – auch an menschlicher Haut. Viele Opfer überlebten dies nicht. Phuc, die auf der Hälfte ihres Körpers Verbrennungen dritten Grades erlitt – vor allem an ihrem Rücken und Arm – hat überlebt. 14 Monate lang war sie in einem Krankenhaus in Saigon, in den folgenden Jahren musste sie unzählige Operationen durchstehen. Von den kommunistischen Machthabern Vietnams wurde sie zu Propagandazwecken benutzt, auch sie hatten die Macht dieses eindringlichen Fotos erkannt.

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Nick Ut war jener Mann, der damals auf den Auslöser seiner Kamera drückte. "Ich wusste sofort, ich muss dieses Bild der Welt zeigen", sagt er der dpa. "Ich wollte allen zeigen, wie schrecklich Krieg ist." Er erinnere sich noch deutlich an jene Momente erzählt Ut. Die Explosion, der Rauch. "Wir dachten, da sei niemand, aber dann sahen wir Menschen durch den Rauch laufen." Er konnte es kaum fassen: "Ich erinnere mich, wie furchtbar die Verbrennungen waren und wie schlimm es war, die sterbenden Babys zu sehen."

Kontakt über Jahre

Der Fotograf kippte Wasser über das Mädchen und brachte es in ein Krankenhaus. Das Foto brachte ihm den Pulitzer-Preis, aber auch eine bis heute andauernde Verbindung zu Phuc, die seit 1990 in Kanada lebt. Dorthin ist sie mit ihrem Mann geflüchtet. Zu der ersten Behandlung im September hat er sie nach Miami begleitet.

"Wir blieben über die ganzen Jahre hinweg in Kontakt. Ich bin ein enger Freund und wie ein großer Bruder", sagt Ut (65), der auch als Sprecher von Phuc fungiert. Gemeinsam sind sie auch für die Stiftung des "Napalm-Mädchens" aktiv. Kein Kind solle jemals ihr Schicksal erleiden, dafür setzt sich Phuc ein. "Sie beschwert sich niemals, trotz der dauernden Schmerzen. Sie ist ein Engel", schwärmt Ut.

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(Daniel García Marco, mit Material der dpa) / (keh)