photokina: Neustart bei der weltgrößten Fotomesse

Die photokina wird modernisiert: Unter anderem soll die Fachmesse mit neuem Termin im Mai, weniger Messetagen und jährlichem Turnus attraktiver werden. Für den Veranstalter steht viel auf dem Spiel. Ein Interview mit photokina-Manager Christoph Menke.

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Interview mit photokina-Manager Christoph Menke: Neustart bei der weltgrößten Fotomesse

(Bild: © Koelnmesse GmbH / pen / Montage: Heise )

Von
  • Sebastian Arackal

Die photokina bekommt ein komplettes Makeover verpasst: neuer Turnus, neue Tagefolge, neuer Termin und neue Themen. c't Fotografie hat mit dem verantwortlichen Projektmanager Christoph Menke von der Koelnmesse darüber gesprochen, wie die traditionsreiche Fachmesse fit für die Zukunft gemacht werden soll. Menke (32) ist studierter Volkswirt. Neben seinem Studium hat er zwei Jahre als Reporter für die Kölner Boulevard-Zeitung Express gearbeitet. Nach seinem Studienabschluss ist er 2012 bei der Koelnmesse eingestiegen. Dort sammelte er Erfahrung im Bereich Unternehmensentwicklung, mit dem Fokus auf den Messemanagement-Bereichen "Haus, Garten & Freizeit" sowie "Digital Media, Entertainment & Mobility". Ebenso war er an der Koordination und Umsetzung verschiedener Neugeschäftsprojekte beteiligt. Seit Mai dieses Jahres ist er der Director der photokina.

c't Fotografie: Die photokina wird von 2019 an jährlich stattfinden. Warum geben Sie den bisherigen 2-Jahres-Zyklus auf?

Christoph Menke: Imaging ist längst mehr als Foto und Video. Es gibt eine Reihe von jüngeren Technologien wie Virtual Reality, die einen schnellen Innovationsrhytmus haben. Wir sind überzeugt, dass wir Imaging-Themen sinnvoller und aktueller im Jahresrhytmus abbilden können. Auch die Fotografie hat immer noch sehr viel zu erzählen, was für einen jährlichen Turnus vollkommen ausreicht.

Der bisherige September-Termin wird auf den Mai verschoben. Was erhoffen Sie sich von der Verschiebung der photokina in den Frühlingsmonat?

Der Mai ist der Monat der größten Schnittmenge unter unseren Ausstellern und unseren Besuchern. Wenn wir die maximale mediale Aufmerksamkeit für die photokina möchten, sind wir im Mai besser aufgestellt. Es gab Bedenken, da der September-Termin günstig vor dem Weihnachtsgeschäft liegt. Der Mai-Termin bietet allerdings, kurz vor dem Start der Sommersaison, einen hervorragenden Vertriebs-Ansatz.

Die Laufzeit der Fotomesse wird von sechs auf vier Tage verkürzt. Was ist das Ziel dabei?

Wir haben uns genau angesehen, wie die photokina besucht wird. Am Sonntag war zum Beispiel auf dem Gelände weniger los. Wir haben auch festgestellt, dass die Besucher zwar noch in großer Zahl kommen, die Zeit, die sie auf der Messe verbringen, aber leicht abgenommen hat. Mit der Verkürzung der Laufzeit wollen wir ein intensiveres Erlebnis für Aussteller und Besucher. Mit vier Messetagen wird das sehr gut funktionieren.

Wo sollen in Zukunft die Themen-Schwerpunkte der photokina liegen?

Die photokina tritt mit dem Anspruch an: Wir sind "Imaging Unlimited". Für den Nutzer verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Technologien. Er verwendet das, was er in der jeweiligen Situation gerade am besten gebrauchen kann. Das kann für die Bilderfassung eine hochwertige Kamera, aber auch ein Smartphone sein. Wenn wir unseren Anspruch erfüllen wollen, müssen wir unter anderem Video, Mobile und Virtual Reality prominenter spielen, als es in der Vergangenheit geschehen ist. Das geschieht ausgehend von dem Markenkern der photokina, die sich um die Fotoszene herum entwickelt hat. Wir wollen das Profil "Wir sind die richtige Messe für Fotografen und ambitionierte Anwender" weiter stärken und schärfen. Und auf der anderen Seite auch Dinge herum bauen, die in der Logik schon dazu gehören.

photokina Director Christoph Menke in seinem Büro im Hochhaus der Koelnmesse im Kölner Stadtteil Deutz.

(Bild: Sebastian Arackal)

Zu photokina-Zeiten schießen die Hotelpreise in Köln in die Höhe. Ist das ein Problem für die Attraktivität des Messe-Standortes?

Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. Wir stehen in einem engen Austausch mit der Stadt Köln. Ein Ansatz kann sein, dass mehr Hotels entstehen. Die Nachfrage würde dann nicht mehr so geballt von wenigen Anbietern abgefangen. Im Mai sind die Hotels, zumindest wie unser Messekalender zur Zeit aussieht, nicht so stark frequentiert. Der neue Termin könnte das Problem etwas entschärfen.

Bei vergangenen photokina (2016) gab es eine Befragung. Was wünschen sich die Besucher für die Messe?

Die Besucher wünschen sich, dass sie die Produkte testen, anfassen und wirklich spüren können. Da sind wir und die Aussteller natürlich gefragt, ihnen diese Möglichkeiten zu geben. Die Kameras an unseren Rental Points waren auf der vergangenen photokina "ruckzuck" verliehen. Die privaten Besucher wollen zudem etwas auf dem Gelände erleben. Die Fachbesucher wollen sehr gut aufbereitete Inhalte, Knowhow gewinnen und den Austausch mit ihrer Szene pflegen. Der Handel will Kontakte knüpfen, Geschäfte anbahnen und einen Überblick über Trends und Neuheiten bekommen.

Wenn Sie ins Ausland schauen: Gibt es eine Technikmesse, die Sie als vorbildlich betrachten?

Für uns ist jede Messe interessant, die Begeisterung für Technologie weckt. Und die aus dieser Begeisterung heraus ein Erlebnis für die jeweilige Community schafft. Das ist in den USA beispielsweise die CES oder auch die South by Southwest.

Bitte beschreiben Sie ihr persönliches Verhältnis zum Thema "Fotografie".

Ich fotografieren vor allem auf Reisen, zum Beispiel beim Wandern in den Alpen. Zur tagtäglichen Kommunikation nutze ich Fotografie auch intensiv, meistens mit dem Smartphone.

Sie sind mit Anfang 30 noch relativ jung. Wie haben Sie sich gefühlt als Ihnen das Mammut-Projekt photokina übertragen wurde?

Mir war vorher schon bewusst, dass es eine echte Herausforderung ist, da ich das Thema aus der strategischen Sicht des Unternehmensentwicklers kannte. Ich habe dann aber nicht lange überlegt und zugesagt, weil ich das Thema Imaging extrem spannend finde und es mich auch privat nicht mehr loslässt. Es berührt einfach jeden.

(sea)