Ackern nach Zahlen

Mithilfe gigantischer Datenmengen zu Wetter und Pflanzenwachstum erstellen Agrarfirmen Pläne, wie Landwirte ihre Felder optimal bewirtschaften können. Ob die das überhaupt wollen, muss sich zeigen.

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  • Philipp Hummel

Mithilfe gigantischer Datenmengen zu Wetter und Pflanzenwachstum erstellen Agrarfirmen Pläne, wie Landwirte ihre Felder optimal bewirtschaften können. Ob die das überhaupt wollen, muss sich zeigen.

Juli schön und klar, gibt ein gutes Bauernjahr.“ Um herauszufinden, ob diese Bauernregel zutrifft, mussten Landwirte bislang abwarten, bis sie im Herbst ihre Ernte eingefahren hatten. Einige Unternehmen haben sich nun darauf spezialisiert, den Bauern die Warte-zeiten zu verkürzen, ihnen vielleicht sogar einen Blick in die Zukunft zu ermöglichen. Allen voran die kalifornische Climate Corporation. Das Start-up nutzt eine enorme Menge an Wetter- und Bodendaten, um das Wachstum von Ackerpflanzen zu modellieren. Dazu führt es Angaben zum Ertrag von Pflanzen aus der Vergangenheit mit historischen Aufzeichnungen über das Wetter und den Boden vor Ort zusammen. Sämtliche Informationen fließen in ein Modell, das aus den zurückliegenden Werten Vorhersagen für das Pflanzenwachstum in Zukunft errechnen kann. Diese Computersimulation füttern die Entwickler dann mit örtlich und zeitlich hochaufgelösten Daten aus aktuellen Wettermodellen, um damit Prognosen für die Entwicklung der Pflanzen auf einzelnen Feldern zu erstellen.

Mit ihren Berechnungen will die Firma Bauern helfen, ihre Arbeitsabläufe besser vorauszuplanen und so die Erträge zu optimieren. In Industrieländern wie den USA ist der Landwirtschaftsbetrieb technisch weit fortgeschritten. Um die Produktivität und damit den Profit weiter erhöhen zu können, müssen Bauern an immer feineren Stellschrauben drehen. Eine dieser Stellschrauben könnte ein auf der Grundlage von Wetter-, Böden- und Pflanzendaten möglichst optimal angepasstes Feldmanagement sein. „Die Landwirtschaft ist der wetterabhängigste aller Industriezweige“, begründet der CEO der Climate Corporation David Friedberg den Nutzwert seiner Vorhersagen. Der 33-Jährige hat in Astrophysik promoviert, arbeitete anschließend zunächst im Investment Banking, dann beim Internetkonzern Google. 2006 hängte er seinen Job dort an den Nagel, um sich mit einem Ex-Kollegen mit der Modellierung von Ackerbau selbstständig zu machen.

„Grundsätzlich ist es auf jeden Fall möglich, solche Ernteprognosen zu stellen, wenn man genügend Daten und die geeigneten Modelle hat“, kommentiert Heike Bach, Geschäftsführerin der Vista Geowissenschaftliche Fernerkundung GmbH in München, das Geschäftsmodell. „Wir selbst bieten seit März Ertragsprognosen für Felder mit Winterweizen, Zuckerrüben und Mais an.“ Vista hat in den vergangenen fünf Jahren im Esa-Projekt Talking Fields ein satellitengestütztes System zur feldgenauen Ertragsvorhersage entwickelt. Es soll den Bauern zwei bis vier Wochen vor dem Erntetermin einen Überblick über die zu erwartenden Erträge verschaffen.

Die Fokus-Artikel im Einzelnen:

Seite 66 - Präzision: Maßgeschneiderte Anbautechniken steigern die Effizienz der Landwirtschaft

Seite 70 - Grafik: Hightech auf dem Feld

Seite 72 - Interview: Agrarexperte Mark Rosegrant über den Sinn von Hightech für die Welternährung

Seite 74 - Handy-Apps: Der Mobilfunk revolutioniert Afrikas Agrarwirtschaft

Seite 76 - Big Data: Computermodelle sollen Bauern helfen, ihre Felder optimal zu bearbeiten

Seite 78 - Rinderzucht: DNA-Chips erleichtern die Auswahl von Hochleistungsbullen

Seite 80 - Grüne Gentechnik: Eine neue Methode könnte den Ertrag vieler Pflanzenarten erhöhen

(vsz)