Durchschaut

Der Brite Nick Veasey will die innere Schönheit der Technik zeigen – mit analoger Röntgentechnik.

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Der Brite Nick Veasey will die innere Schönheit der Technik zeigen – mit analoger Röntgentechnik.

Seit rund 20 Jahren durchleuchtet der britische Fotograf und Künstler Nick Veasey, Jahrgang 1962, praktisch alles, was ihm unter die Finger kommt: Blumen, Tiere, Kleidung, vor allem aber Maschinen. Wenn es sein muss, auch eine Boeing 777 mit 61 Metern Spannweite (siehe Seite 32). Die United Airlines hatte bei ihm ein riesiges Röntgenbild des Verkehrsfliegers in Auftrag gegeben, um damit einen Hangar in Boston zu schmücken. Also schickte Boeing ihm kistenweise Einzelteile ins Atelier, die Veasey dann weiter zerlegte, bis maximal zwei mal zwei Meter große Objekte übrig blieben. Diese lassen sich mit zwölf 35 mal 45 Zentimeter großen Röntgenfilmen erfassen, inklusive Überlappungen, um die Einzelbilder später zusammenfügen zu können.

Als Strahlenquelle dienen Veasey Industriegeräte, die etwa Materialfehler in Pipelines aufdecken. Medizinische Anlagen wären zu schwach. Sein Sponsor, der schweizerische Hersteller Comet, hat ihm eine Röntgenquelle mit 225 Kilovolt zur Verfügung gestellt. Außerdem besitzt Veasey selbst noch zwei ältere Röntgenmaschinen sowie einen Entwicklungsapparat von Agfa.

Die fertigen Filme scannt Veasey dann mit einem Trommelscanner aus den 80er-Jahren ein und setzt sie mit Photoshop zusammen. In drei Monaten Arbeit und mit 500 Aufnahmen entstand so etwa das Röntgenbild der Boeing 777.

Die Idee, mit Röntgenstrahlen statt mit Licht zu fotografieren, kam Veasey, als er für einen Werbekunden eine Getränkedose röntgen sollte. Anschließend durchleuchtete er seine Schuhe und sah ein interessantes Wabenmuster in den Sohlen. „Ich zeige nicht die Oberfläche, sondern das Innere der Dinge – woraus sie wirklich sind. Wenn sie gut gemacht sind, zeige ich es. Wenn sie schlecht gemacht sind, auch.“

(grh)