Projekt Maulwurf

Tunnel für autonome Fahrzeuge sollen in der Schweiz den Warentransport umkrempeln. Wirtschaftlich wäre die Idee einem Gutachten zufolge, aber wer wird sie bezahlen?

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Schluss mit langen Lastwagenkolonnen auf den Autobahnen. Tunnel verbinden stattdessen die wichtigsten Städte miteinander. Darin wieseln autonome Transporter hin und her, eine Hängebahn befördert kleinere Pakete. Per Aufzug gelangen die Waren vollautomatisch an die Oberfläche, wo unbemannte elektrische Lieferwagen oder Fahrradkuriere die weitere Verteilung übernehmen.

Schweizerische Händler, Logistikfirmen und Bundesbehörden haben sich im Verein „Cargo sous terrain“ (CST) zusammengetan, um diese Vision zu verwirklichen. 2030 soll das erste Teilstück zwischen Zürich und dem 70 Kilometer entfernten Härkingen fertig sein, einem Standort vieler Logistikzentren. Erweiterungen bis St. Gallen und Genf sollen folgen.

Nichts wäre leichter, als das Vorhaben für einen Traum haltloser Technologie-Optimisten zu halten. Doch im Januar hat der Verein eine Machbarkeitsstudie präsentiert, derzufolge das System realisierbar und wirtschaftlich sei. Beteiligt waren auch mögliche Kunden wie Migros und Coop, die größten Einzelhändler der Schweiz.

Ende Mai konnte der Verein einen schlagzeilenträchtigen neuen Partner begrüßen: Hyperloop One. Die Kalifornier wollen Fracht- und Passagierkapseln dereinst mit mehreren Hundert Stundenkilometern durch Vakuumröhren schießen (siehe TR 7/2016, S. 50). Rob Lloyd, Chef von Hyperloop One, sagt: „Wir sind überzeugt, dass CST die Logistik von Grund auf ändern wird.“

Der Bedarf für ein völlig neues Verkehrskonzept ist vorhanden. Nach Schätzungen des Bundesamts für Verkehr soll das Transportvolumen auf Schweizer Straßen bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2010 wachsen. Die Idee, zumindest einen Teil davon in den Untergrund zu verlagern, ist nicht neu. So geistert seit Jahren die Vision einer „Swissmetro“ durch die Debatte, eines unterirdischen Highspeedzugs zwischen St. Gallen und Genf, ohne dass eine Realisierung in Sicht wäre.

Im Unterschied dazu hat sich CST deutlich realistischere Ziele gesetzt. Das Motto lautet „Menschen oberirdisch – Güter unterirdisch“. Eine kleine Spitze gegen Swissmetro. Statt mit Hochgeschwindigkeit sollen die Fahrzeuge nur mit 30 km/h, die Hängebahn mit 60 km/h verkehren. Das niedrige Tempo erlaubt enge Kurven, wodurch man beim Tunnelbau Hindernissen wie Grundwasserschichten leichter ausweichen kann. Das Ganze soll mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

(grh)