Es wirkt

Die Kosten der erneuerbaren Energien fallen drastisch, die CO2-Emissionen steigen nicht mehr, der ökologische Fußabdruck des Menschen wird kleiner – Anzeichen für den Beginn einer globalen Umweltwende.

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Von
  • Jan Oliver Löfken

Dieser Text-Ausschnitt ist der aktuellen Print-Ausgabe der Technology Review entnommen. Das Heft ist ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich.

Einsam ragt der gigantische Betonstumpf aus der staubigen Einöde nahe der Stadt Ouarzazate im Osten Marokkos. Noch dieses Jahr wird der Solarturm „Noor III“ mit 242 Metern Höhe alle anderen Gebäude Afrikas übertrumpfen und Solarstrom mit einer Leistung von 150 Megawatt liefern. 7400 Heliostaten mit jeweils 180 Quadratmetern Spiegelfläche folgen dazu dem Lauf der Sonne und werfen deren Licht gen Turmspitze. Dank der konzentrierten Strahlen heizen sich im Turm zirkulierende flüssige Salze auf 540 Grad auf. Die Mischung aus Kalium- und Natriumnitrat gibt ihre Hitze sogar noch nach Sonnenuntergang an Wasserdampf ab und lässt die Turbine eines Generator fast rund um die Uhr rotieren. „Dieses weltgrößte Solarturmkraftwerk spielt eine wichtige Rolle für die Energieversorgung Marokkos“, sagt Mamoun Bedraoui Drissi, Projektmanager von Masen, der marokkanischen Agentur für erneuerbare Energien. Es ist das von Weitem sichtbare Symbol für die marokkanische Energiewende mit einem klaren Ziel: 42 Prozent Strom aus Sonne, Wind und Wasser bis 2020.

„Damit ist Marokko in Afrika Vorreiter bei der Umstellung auf erneuerbare Energiequellen“, sagt Markus Faschina von der Kreditanstalt für Wiederaufbau, Außenposten Rabat. Die deutsche Entwicklungsbank steuert mit 864 Millionen Euro – größtenteils als zinsvergünstigte Kredite – ein gutes Drittel zu den Baukosten des Noor-Solarparks bei. 2019 soll der Noor-Komplex fertig sein und dann insgesamt 580 Megawatt Leistung aus drei Solarthermie- und einer Photovoltaikanlage liefern. Mit geringen Kosten zwischen drei und dreizehn Eurocent pro Kilowattstunde sieht sich Marokko als Vorbild für Schwellenländer. Die Nation will zeigen, dass Wirtschaftswachstum und Entwicklung mit dem Klimaschutz vereinbar sind.

Es wäre eine fundamentale Wende, und lange galt sie als realitätsfern. Nun aber belegen jüngste Fakten, dass dieses Ziel zum Greifen nah ist. Nach einer Analyse des Forschungsverbunds Global Carbon Project stagniert der globale CO2-Ausstoß seit drei Jahren trotz stetigen Wirtschaftswachstums nahezu. 2015 betrug er nur noch 0,2 Prozent. Für Studienleiterin Corinne Le Quéré von der britischen University of East Anglia ist das ein „klarer und beispielloser Bruch“. Natürlich reicht er nicht. „Nun müssen die globalen Emissionen schnell sinken, anstatt nur zu stagnieren“, fordert Le Quéré.

(rot)