Wie menschlich dürfen Roboter sein?

Maschinenwesen werden uns immer ähnlicher. Vielen Menschen aber werden sie dadurch unheimlich. Roboterforscherin Heather Knight erklärt im Interview, wie sie uns näher kommen können, ohne uns zu verstören.

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Von
  • Boris Hänssler

Maschinenwesen werden uns immer ähnlicher. Vielen Menschen aber werden sie dadurch unheimlich. Roboterforscherin Heather Knight erklärt im Interview, wie sie uns näher kommen können, ohne uns zu verstören.

TECHNOLOGY REVIEW: Warum versuchen eigentlich so viele Roboteringenieure Maschinen zu bauen, die genauso sind wie wir? Roboter ergeben doch nur Sinn, wenn sie anders sind als Menschen und damit bestimmte Dinge besser können.

HEATHER KNIGHT: Wenn Roboter in einem isolierten Bereich arbeiten, brauchen sie sich tatsächlich nicht wie Menschen zu benehmen. Sie müssen nicht einmal wissen, dass wir existieren. Anders sieht es jedoch bei Robotern aus, die direkt mit uns zu tun haben. Wenn sie mit uns spielen oder den Tisch abräumen, sollten sie grundsätzliche soziale Regeln verstehen. Sie sollten wissen, wie sie unser Verhalten interpretieren sollen. Sonst könnten sie jemandem grob den Weg abschneiden, wenn sie sich durch einen überfüllten Flur bewegen. Sehr nervig wäre auch ein Roboter, der unaufhörlich seine Forderungen verbal wiederholt, obwohl eine einfache Geste dasselbe viel effizienter ausdrücken würde.

Aber müssen sie dafür auch menschlich aussehen?

Wenn ich sage, Roboter sollten menschenähnlicher werden, meine ich nicht unbedingt ihre physische Form. Das Aussehen sollte von der Funktion des Roboters abhängen. Wenn er primär mit Menschen zu tun hat, wirken humanoides Aussehen oder bestimmte Gesichtsausdrücke vertrauter. Gelingen uns allerdings Roboter mit menschenähnlichem Verhalten, die nicht menschlich aussehen, dann stimme ich zu – dann könnten sie manches mitunter besser.

Wie weit sind die Roboterforscher?

Wir haben auf dem Weg zu einer wirklich sozialen Maschine gerade einmal die Oberfläche angekratzt – genauso wie wir erst anfangen zu verstehen, wie unser Gehirn funktioniert. Wir merken immer wieder, dass wir unsere eigene Komplexität unterschätzen. Für viele ist es schwer zu verstehen, warum Programmierer solche Probleme damit haben, menschliches Verhalten in Code zu übersetzen. Aber denken Sie nur, welch ein Kampf es für viele ist, die Grammatik einer fremden Sprache zu erlernen. So ergeht es den Programmierern. Wenn man Roboter entwickelt, wird einem immer wieder schmerzhaft bewusst, wie weit sie noch von menschlichen Fähigkeiten entfernt sind. Ein zwei Monate altes Baby übertrifft selbst den fortschrittlichsten sozialen Roboter da draußen.

Viele dürfte der langsame Fortschritt eher freuen. Einige Menschen finden Roboter ziemlich unheimlich.

In Studien mit älteren Menschen und Telepräsenzrobotern zeigte sich tatsächlich, dass die Leute große Angst davor haben. Was sie jedoch als schrecklich empfanden, war die Vorstellung, Kinder könnten persönliche Besuche künftig von Robotern erledigen lassen. Die umgekehrte Idee, ihrerseits die Kinder mit Telepräsenzrobotern zu besuchen und damit auch die Enkelkinder zu erleben, begrüßten die Studienteilnehmer dagegen enthusiastisch. Sie fanden es auch reizvoll, über Roboter ein Konzert zu erleben. Unser Ziel sollten Technologien sein, mit deren Hilfe die Menschheit aufblüht und die ihr zu mehr persönlicher Freiheit verhilft. Es ist sehr wichtig für Technologieentwickler und politische Entscheidungsträger, sich der sozialen Auswirkungen von Maschinen bewusst zu werden.

(jlu)