25 Jahre: "Delphi war ein Kind seiner Zeit"

Zum Anlass des heutigen 25-jährigen Bestehens von Delphi sprach heise-Developer-Autor Tam Hanna mit David Intersimone (aka David I).

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David Intersimone (aka David I) war von 1985 bis 2016 bei Embarcadero tätig und dort unter anderem als Manager Developer Relations und als Direktor der RAD-Sparte verantwortlich. Zu guter Letzt war er dann noch Chief Developer Advocate. Heute ist er Embarcadero MVP.

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heise Developer: Sprechen wir über die Entstehung der ersten Version von Delphi im Jahre 1995, die nun ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

David I: Zuerst müssen wir uns über die Namensgebung klar werden. Wer in den USA sitzt, spricht Delphi wie mit einem "ei" am Ende aus. Alle anderen sagen am Ende "i". Das sorgte bei Reisen immer für Spaß.

Um die Entwicklung von Delphi zu verstehen, müssen wir in der Zeit weiter zurückblicken – ich denke da besonders an Turbo Pascal, auch für Windows und den Mac. Entwickler nutzten damals Klassenbibliotheken, um grafische Steuerelemente zu realisieren. Parallel dazu kam das Konzept der Applikations-Frameworks auf.

Turbo Pascal – der blaue Editorbildschirm dürfte einigen bekannt sein ...

(Bild: By Unknown - Turbo Pascal 6 (Borland), Public Domain )

Dabei handelte es sich um geradezu gigantische objektorientierte Frameworks, der heute wahrscheinlich bekannteste Vertreter sind die Microsoft Foundation Classes (MFC). Während wir diese Entwicklungen betrachteten, wurde uns schnell klar, dass die Kunden nach einem einfacheren, aber dennoch leistungsstarken Werkzeug für die Entwicklung von Windows-Applikationen suchten. Dabei wollten die Kunden allerdings nicht auf Vorteile wie optimierende Compiler oder die Nutzung von nativem Code verzichten.

Wir arbeiteten an Delphi vor dem Release etwa zwei Jahre, ein Teil der Gedanken wie objektorientierte Programmierung oder Bibliotheken waren allerdings um einiges älter. Delphi war so gesehen ein Kind seiner Zeit. Die eigentliche Innovation war, dass man eine leistungsfähige Programmierumgebung mit einem benutzerfreundlichen GUI-Designer statt einer Klassenbibliothek sowie einem optimierenden Compiler, einem Debugger und einer Datenbankzugriffs-API ausstattete. Das Produkt hieß damals übrigens Borland Database Engine (BDE).

Schon die erste Version von Delphi verwies im Startscreen auf Datenbanken.

(Bild: Embarcadero)

Die eigentliche Auslieferung von Delphi 1 erfolgte dann auf einer Entwicklerkonferenz in San Francisco. Damals fiel auf, dass Delphi das erste Produkt war, das GUI-Designer, leistungsfähigen Compiler und Datenbank-Engine in "eine Schachtel" verpackte. Visual Basic war damals zwar schon am Markt, wurde aber interpretiert ausgeführt. Ein weiterer Aspekt war, dass die Umgebungsbibliotheken und die Steuerelemente für Visual Basic in anderen Programmiersprachen geschaffen wurden. Bei Delphi war es hingegen so, dass sogar die Delphi-IDE selbst in Delphi geschrieben und entwickelt wurde. Eine der lustigsten Demonstrationen im Rahmen des Launchs war, dass Delphi sich vor den Augen von mehr als 2000 Entwicklern selbst kompilierte.

Delphi stand in diesem Bereich allerdings nicht alleine, sondern war eine komplett erweiterbare Plattform. Entwickler konnten eigene Vorlagen, eigene als Experte bezeichnete Assistenten und eigene Steuerelemente konstruieren. Delphi ermöglichte jedem Entwickler das Anpassen seiner Arbeitsumgebung, um die für seine Aufgabe optimale Entwicklungssituation herzustellen.

heise Developer: Das ist jetzt aber eine Steilvorlage für eine gemeine Frage, wo Visual Basic schon seit 1991 am Markt war. Wie wollten Sie damals mit Microsoft konkurrieren?

David I: Das mit Abstand wichtigste Feature zugunsten von Delphi war mit Sicherheit die Möglichkeit, native Applikationen zu erzeugen – Visual Basic wurde damals ja durch eine Runtime interpretiert.

InfoWorld beschrieb Delphi einst als Visual-Basic-Killer.

(Bild: Embarcadero)

Vorteil Nummer zwei gegenüber Visual Basic war der Datenbankzugriff. Visual Basic war im Allgemeinen in der Microsoft-Welt verfangen, Delphi hingegen ermöglichte den Zugriff auf Datenbanken von Drittanbietern über ein standardisiertes und mehr oder weniger bis heute zur Verfügung stehendes Datenbank-Interface. Schon 1995 gab es sowohl eine Desktop-Version als auch eine Client-Server-Version der Umgebung.

Datenbankzugriff war uns auch sonst sehr wichtig. So konnte man in Delphi viele datenbankorientierte Operationen schon im Designer sehen, während man das Programm in Visual Basic zum Test der Datenbankfunktionen im Allgemeinen starten musste. Außerdem möchte ich noch betonen, dass man die kompilierte .exe-Datei einfach auf einen anderen Rechner kopieren konnte – es war nicht notwendig, diverse Bibliotheken zu übertragen.