29 Milliarden Lichtjahre entfernt: Zwei bisher unsichtbare Galaxien entdeckt

Schon kurz nach dem Urknall könnte es deutlich mehr Galaxien gegeben haben als gedacht. Die waren bislang möglicherweise nur unsichtbar für uns.

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Das Hubble Ultra Deep Field, dieser Blick ganz weit zurück ist wohl ziemlich unvollständig

(Bild: NASA, ESA, H. Teplitz and M. Rafelski (IPAC/Caltech), A. Koekemoer (STScI), R. Windhorst (Arizona State University), and Z. Levay (STScI))

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Von
  • Martin Holland

Im frühen Universum könnte es deutlich mehr Galaxien gegeben haben als angenommen. Das folgert eine Forschungsgruppe aus der Entdeckung zweier 29 Milliarden Lichtjahre entfernter Galaxien mit dem Radioteleskop ALMA, die für das Weltraumteleskop Hubble unsichtbar waren. Sichtbares Licht von dort war demnach auf dem langen Weg zu uns von einer dicken Schicht kosmischen Staubs verschluckt worden, nur Signale im Radiospektrum drangen bis zu uns durch.

Auf Basis eines Vergleichs mit bereits gesammelten Daten zum Universum wenige Hundert Millionen Jahre nach dem Urknall kommt das Team nun zu dem Schluss, dass wir bisher 10 bis 20 Prozent der Galaxien schlicht nicht sehen konnten. Das habe Auswirkungen auf die Theorien zur Galaxienentstehung.

Die beiden erst mit ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) entdeckten Galaxien wurden REBELS-12-2 und REBELS-29-2 getauft, erläutert die Forschungsgruppe um Yoshinobu Fudamoto von der Universität Genf. Auf sie aufmerksam geworden seien sie bei der Analyse von Galaxien, die sie bereits von Hubble-Aufnahmen kannten. Zwei davon hätten in den ALMA-Daten einen Nachbarn gehabt, der auf den Hubble-Bildern nicht zu sehen ist. Bei der weiteren Analyse hätten sie erkannt, dass es sich um echte Galaxien handelt, die für Hubble komplett unsichtbar sind. Das Licht der beiden Galaxien war demnach 13 Milliarden Jahre zu uns unterwegs, aufgrund der Expansion des Kosmos sind sie inzwischen 29 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt. Sie schätzen, dass es sich bei Weitem nicht um Einzelfälle handelt.

Als nächster Schritt sei es nun wichtig, die bislang übersehenen Galaxien im frühen Universum zu finden und zu zählen, erklärt der beteiligte Astronom Pascal Oesch vom Niels-Bohr-Institut. Dazu setzen sie auf das Weltraumteleskop James Webb, das in wenigen Wochen gestartet werden soll. Das sollte die bislang unsichtbaren Galaxien ganz einfach abbilden können, meinen sie. Die gehörten zu den ersten Bausteinen, aus denen jene "erwachsenen" Galaxien entstanden sind, die wir heute um uns herum sehen. Mit ihnen habe es also alles angefangen, umso wichtiger sei es, ihre Natur und Anzahl besser zu verstehen. Wenn es deutlich mehr waren, als gedacht, ändere das unsere Annahmen zur Evolution des Universums seit dem Urknall. Die Forschungsarbeit ist im Fachmagazin Nature erschienen.

(mho)