5G stärkt das Immunsystem der Wirtschaft

5G kann bei der Corona-Krise helfen, sagt Adel Al-Saleh, CEO von T-Systems. Firmen, die in fünf Jahren kein 5G-Campus-Netz nutzen, verlieren den Anschluss.

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CEO von T-Systems Adel Al-Saleh

(Bild: T-Systems)

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TR Extra: Das Corona-Virus hält die Welt immer noch in Atem. Sie raten zu schnellerer Digitalisierung zur Stärkung des wirtschaftlichen Immunsystems. Wie meinen Sie das?

Adel Al-Saleh: Ich beziehe das nicht nur auf Corona. Mir geht es generell darum, dass Unternehmen schnell aus Fehlern lernen und in Krisen flexibel reagieren. Die Corona-Pandemie zeigt, worauf es ankommt: Flexibilität, Agilität, Kreativität und eine funktionierende digitale Infrastruktur sind die Voraussetzungen, um als Unternehmen unter immer volatileren Bedingungen gegen Wettbewerber aus aller Welt gerüstet zu sein – nicht nur in Krisenphasen. Konsequente Digitalisierung stärkt also das wirtschaftliche Immunsystem eines Unternehmens und macht es widerstandsfähiger.:

Dabei soll besonders die neue Mobilfunktechnik 5G helfen, sagen Sie.

5G in einer Smart Factory kann helfen, Produktionsabläufe schnell an neue Gegebenheiten anzupassen. In der Corona-Krise haben Unternehmen ihre Produktion umgestellt, um Schutzmasken oder Beatmungsgeräte zu fertigen. Das dauerte mitunter Tage und Wochen. In Zukunft soll die Umstellung nur noch Stunden dauern. Dazu müssen Bearbeitungsstationen modular und mobil werden und miteinander kommunizieren. Und da kommt 5G ins Spiel, weil es fast so schnell ist wie ein Kabel, aber eben mobil.

Sie empfehlen ihren Kunden Campus-Netze. Die Zahl der Unternehmen, die schon so ein privates Netz nutzt, ist aber überschaubar. Warum sind es erst so wenige?

Es handelt sich bei 4G und 5G um Technologien, die bisher von der Industrie in ihrer Produktion kaum genutzt werden. Die Industrie muss sich erstmal ein Bild machen, ob und wie sie diese Technologien einsetzt. In Deutschland wurden Ende vergangenen Jahres zum ersten Mal Frequenzen an die Industrie vergeben. Inzwischen haben 48 Unternehmen Frequenzen beantragt. Eine Frequenz zu erwerben, ein Netz zu bauen und eine Anwendung auf diesem Netz laufen zu lassen, braucht seine Zeit. Wir betreiben Campus-Netze bei Osram, BMW, BorgWarner. Bis Ende des Jahres wird vermutlich ein halbes Dutzend weitere Unternehmen dazukommen, im nächsten Jahr dann hoffentlich mehr als 20.

Die genannten Campus-Netze arbeiten alle noch mit 4G. Warum?

Campus-Netze kann man auch mit 4G betreiben. Das ist sinnvoll, weil diese Technik weit verbreitet ist und sie für viele Anwendungen ausreicht. Die Kunden wollen rasch Erfolge sehen, und ein 4G-Campus-Netz können wir schnell einrichten. Aber für hohe Datenraten und sehr kurze Latenzen braucht es natürlich 5G. In Kürze werden unsere Produkte 5G-fähig sein. Die Telekom prüft auch die Entwicklung von rein privaten 5G Netzen, die das lokale Spektrum bei 3,7 GHz nutzen.

Noch etwas fällt auf: Die genannten Partner sind alles große Unternehmen. Ist 5G nichts für kleine und mittlere Unternehmen?

Doch, auch sie profitieren von 5G. Dass die ersten Campus-Netze bei großen Unternehmen errichtet werden, liegt einfach daran, dass diese Unternehmen mehr personelle Ressourcen haben und schneller vorankommen. Unternehmen, die noch nicht so genau wissen, wie 5G ihnen nutzt, können im Center Connected Industry in Aachen gemeinsam mit den Wissenschaftlern und Technologiepartnern spielerisch eigene Anwendungen ausprobieren.

Was passiert, wenn die Frequenzen knapp werden?

Das ist kein Problem, es gibt genug Frequenzen. Und in Zukunft wird die Bundesregierung weitere Frequenzspektren freigeben. Dazu wird sie für 5G die Spektren umwidmen, die heute noch für die alte 2G- und 3G-Mobilfunktechnik reserviert sind.

Welche Unternehmen werden in fünf Jahren 5G nutzen?

Sehr viele. Jede Menge Dinge in einer Fabrik werden über 5G Daten übermitteln, die wichtig sind für den Geschäftserfolg. Ich würde sogar sagen: Wer 2025 kein Campus-Netz betreibt, wird den Anschluss verlieren.

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(jle)