Missing Link: 75 Jahre DEFA – die Science-Fiction-Filme aus der DDR

Die DEFA feiert ihren 75. Geburtstag. Unter den mehr als 700 Spielfilmen aus der DDR sind auch mehrere utopische Streifen.

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Bild aus dem DEFA-Film "Eolomea" (1972)

Von
  • René Meyer
Inhaltsverzeichnis

Vor 75 Jahren, am 17. Mai 1946, wird die DEFA gegründet, die Deutsche Film AG, das staatliche Filmunternehmen der DDR. Auf dem ehemaligen UFA-Gelände in Potsdam-Babelsberg wächst das größte Studio- und Atelier-Ensemble Europas. Mehr als 700 Spielfilme werden bis zum Ende der DDR gedreht. Der Erste: "Die Mörder sind unter uns" mit Hildegard Knef. Dazu kommen viele Dokumentationen, Trickfilme und mehrere tausend Synchronfassungen.

Daneben entstehen auch einige utopische Spielfilme. Das Hauptwerk umfasst nur vier Titel, gedreht von 1960 bis 1976: "Der schweigende Stern", "Signale – Ein Weltraumabenteuer", "Eolomea" und "Im Staub der Sterne". Sie schauen in eine sozialistische Zukunft, ohne Aliens und ohne Raumschlachten.

"Missing Link"

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.

1957 beginnt das Zeitalter der Raumfahrt mit dem sowjetischen Satelliten Sputnik, dem ersten von Menschen geschaffenen Himmelskörper, der auf einer Umlaufbahn unseren Himmelskörper umkreist. 1959 landet die erste Sonde auf dem Mond, Luna 2. 1961 fliegt der erste Mensch in das All, Juri Gagarin.

Die Erfolge beflügeln auch den sozialistischen Teil Deutschlands. Der Höhepunkt der Begeisterung: 1978 darf die DDR den ersten Deutschen in den Himmel schicken, Sigmund Jähn. Damit nimmt sie als fünftes Land überhaupt an der bemannten Raumfahrt teil. Erst fünf Jahre später folgt die Bundesrepublik mit Ulf Merbold (der pikanterweise 1960 aus der DDR ausgereist ist).

Utopische Themen sind in der DDR allgegenwärtig. In der zehnten Klasse lernt man das Schulfach Astronomie. Eine stattliche Anzahl von ostdeutschen Schriftstellern verschreibt sich Science Fiction, etwa das Ehepaar Angela und Karlheinz Steinmüller über das Generationen-Raumschiff "Andymon". Auch viele ausländische Schriftsteller, vor allem aus dem Ostblock, werden in der DDR verlegt. 1956 gibt das Kinderbuch "Messeabenteuer 1999" einen humorvollen Blick in die Zukunft, bebildert mit den Zeichnungen von Erich Schmitt und verfilmt als "Abenteuer mit Blasius".

Ab 1958 zeichnet das DDR-Comic Mosaik mit der Weltraumserie eine farbenprächtige Idee von der Zukunft. 1967 findet ein Forum über "Phantastik und Prognostik" in Leipzig statt. Besonders beliebt sind die fantastischen Romane von Jules Verne, wie "Die Reise zum Mond". Futuristisches wird auch im Radio angeboten. Regelmäßig strahlt der Rundfunk der DDR einschlägige Hörspiele aus; 1982 etwa "Rochade mit dem Computer", das Debüt des ehemaligen jugoslawischen Programmierers Pál Böndör.