Sparfüchse

Preiswert ist nicht gleich billig. Gleichwohl sind die Apps, die auf Sonderangebote aufmerksam machen und auch auf andere Weise das Einkaufen erleichtern sollen, durchweg kostenlos zu haben. Aber nicht alle helfen wirklich weiter.

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Von
  • Diane Sieger
Inhaltsverzeichnis

Mobile Geräte wie Smartphones und Tablets leisten nicht nur einen beachtenswerten Beitrag zur Produktivitätssteigerung und Beziehungspflege, sondern erleichtern auch das tägliche Leben. Dank Anwendungen von Händlern und Serviceanbietern rund ums Einkaufen lässt sich viel Zeit – und manchmal auch Geld – sparen.

Wer kennt nicht die wöchentlich wechselnden Themenwelten bei Tchibo? Schon lange dreht sich bei dem Filialisten nicht mehr alles ausschließlich rund um den Kaffee. Jeden Donnerstag gibt es neue Ware zu einem bestimmten Thema – passend zur Jahreszeit oder ausgerichtet auf Feste wie Weihnachten oder Ostern. Damit seine Kunden weder Elektronik-Woche noch warme Winterunterwäsche verpassen, stellt Tchibo eine kostenlose Anwendung für iOS-Geräte und Android (nicht für ASUS Nexus 7) zur Verfügung. Das „Einkaufserlebnis“ (einfaches Scrollen durch das gesamte Sortiment der aktuellen Woche sowie vorangegangener Themenwelten) verbindet die App mit den Funktionen der Tchibo-Kundenkarte.

Die Onlinebestellung geht einfach von der Hand, und dem Benutzer stehen zusätzliche Angebote zur Verfügung, die im Filialgeschäft nicht erhältlich sind. Wer den Besuch im nichtvirtuellen Tchibo-Shop vorzieht, kann den integrierten Filialfinder nutzen, um die nächstgelegene Zweigstelle auszumachen. Dieser zeigt jedoch lediglich das eigene Filialnetz an, Supermärkte, die ebenfalls über das Tchibo-Warenprogramm verfügen, lassen sich damit nicht aufspüren. Wer bereits Tchibo-Kunde ist, wird die App möglicherweise schon deshalb mögen, weil sie gelegentlich mit der Push-Funktion Gutscheine direkt aufs Smartphone schickt.

Schaut man sich Supermarkt-Apps an, findet man schnell heraus, dass es in diesem Bereich noch eine Menge Verbesserungspotenzial gibt. Der ahnungslose Kunde erwartet vermutlich die Möglichkeit, aktuelle Sonderangebote schnell und übersichtlich präsentiert zu bekommen, seine Lebensmitteleinkäufe einfach und zügig von unterwegs tätigen oder gegebenenfalls Informationen zur nächstgelegenen Filiale abrufen zu können. So einfach ist es jedoch nicht.

Die REWE-App beispielsweise ist so wenig intuitiv, dass ein Tutorial jeden Schritt erklären muss. Immerhin haben die Entwickler dies erkannt und informieren über jeden erforderlichen Schritt. Doch selbst diese Hilfe macht die Benutzerführung der App nicht wirklich klar. Letztlich stellt sich der Lernprozess zudem als überflüssig heraus, da es sich bei der App lediglich um eine Einkaufsliste handelt, die auch aktuelle Preise anzeigt, sofern man seine Heimatfiliale ausgewählt hat. Märkte in der Region Dortmund sind jedoch von der Anzeige ausgeschlossen; warum, wird nicht erklärt. Die App gibt es sowohl für iOS als auch für Android (ebenfalls nicht für ASUS Nexus 7).

Manche Märkte haben auch ihre eigene App auf den Markt gebracht, etwa REWE Heidenreich in Anröchte. Da die jedoch nicht über aktuelle Angebote, sondern lediglich über einen Newsticker, eine Bildergalerie und einen Terminkalender verfügt, stellt sich die Frage, warum man den Weg über die mobile App überhaupt gewählt hat. Facebook oder Twitter wären für die Darstellung der bereit gestellten Informationen passendere Medien.

Bei anderen Supermärkten sieht es im Bereich der mobilen Anwendungen nicht wesentlich besser aus. EDEKA bietet seinen Kunden keine Möglichkeit, online zu bestellen und sich Lebensmittel oder Drogerieartikel liefern zu lassen. Aktuelle Angebote zeigt die App zwar in einer Handzettel- oder Listen-Ansicht an, aber auch in diesem Fall ist die Handhabung nicht intuitiv. Die Navigation der Listenansicht erfolgt beispielsweise über ein Banner am unteren Rand, das auf das geübte Auge wie ein Werbebanner in einem kostenlosen Spiel wirkt. Auch bei der EDEKA-App handelt es sich im Grunde genommen um nichts anderes als ein Werkzeug zur Einkaufslisten-Erstellung. Zusätzlich gibt es einen BMI (Body-Mass-Index)- und Energiebedarfs-Rechner sowie ein Wurstschneide-Spiel. Man fragt sich schon ein wenig, welche Bevölkerungsgruppe diese Funktionen in der Verbraucherforschung als unabkömmlich in einer Supermarkt-App beurteilt hat. Oder ist der Nutzer vielleicht gar nicht befragt worden?

Laut EDEKA-Webseite besteht übrigens die Möglichkeit, mit der App im Filialgeschäft zu bezahlen, die Autorin konnte diese Funktion jedoch innerhalb der Anwendung nicht finden. Die EDEKA-App gibt es für iPhone und iPad, Android-Geräte sowie Windows Phone (hier nicht getestet).

Wer also tatsächlich seine Einkäufe per App erledigen möchte, sollte statt zum namhaften Supermarktbetreiber lieber zu einem Onlineshopping-Spezialisten gehen. Eine gute Alternative im Pool der Anbieter ist Allyouneed.com. Die Benutzerführung ist denkbar einfach, mit nur wenigen Klicks ist der Warenkorb gefüllt; die Auslieferung erfolgt per DHL. Die Produktpalette ist umfangreich, und das Allyouneed-Team zeigt sich offen für Anregungen, sie zu erweitern. In Bezug auf die Preise kann der Anbieter mit Supermärkten konkurrieren, und ab 40 Euro Bestellwert fallen keine Versandkosten mehr an.

Die Allyouneed-App konzentriert sich auf ihre Kernfunktionen und verzichtet auf Schnickschnack wie Spielchen und BMI-Rechner. Lediglich die Produktsuche könnte ein wenig verfeinert werden: Der Suchbegriff „Butter“ beispielsweise liefert in den ersten zehn Ergebnissen keinerlei Milchprodukte, sondern wartet mit verschiedenen Sorten Butterkeksen und Butterbrotpapier auf. Ansonsten ist die Anwendung gut gelungen.

Keine Lust auf Lebensmittelkauf und Selberkochen? Dann fix Lieferando herunterladen! Der Service bietet anhand der Postleitzahl der Gegend, in der man sich befindet, eine Liste sämtlicher Lieferservices. Ob Pizza, Burger, Sushi oder Gyros-Spezialität, für jeden ist hier etwas dabei. Die Bestellung erfolgt direkt durch die App und wird an das entsprechende Restaurant weitergeleitet. Nach dem Essen kann man dessen Qualität sowie die des Lieferservices bewerten, um anderen bei der Auswahl des Restaurants zu helfen; mehr als eine Million Beurteilungen liegen bereits vor. Die Bezahlung erfolgt per PayPal oder Kreditkarte online, alternativ in bar direkt an den Lieferanten an der Haustür. Für Android-Nutzer heißt die Alternative Lieferservice.de.

Denjenigen, die nicht gerne online einkaufen, jedoch bestens über Schnäppchen in der näheren Umgebung informiert bleiben möchten, sei MeinProspekt empfohlen. Die App stellt Prospekte zur Verfügung, die normalerweise im Papierformat im Briefkasten landen würden. Wer sich jedoch umweltbewusst für ein „Bitte keine Werbung einwerfen“-Schild entschieden hat, bleibt oftmals von günstigen Angeboten ausgeschlossen. An dieser Stelle kommt MeinProspekt ins Spiel und ermöglicht den kostenlosen Zugriff auf sämtliche Informationen vom Handy oder dem Tablet aus. Da die Anwendung auch auf Umgebungsinformationen zugreift, nennt sie zu jedem Angebot die Entfernung zum betreffenden Laden.

Die Gestaltung der Prospekte übernimmt jeweils der Anbieter. Da die Darstellung hochauflösend ist, kann man in Detailinformationen einfach hineinzoomen. Alle Prospekte lassen sich nach „Neu & Beachtenswert“ oder nach Kategorie sortieren. Zahlreiche überregionale und eine nicht geringe Anzahl lokaler Geschäfte sind in der Datenbank vertreten – von Autozubehörvertrieben und Baumärkten bis hin zu Supermärkten und Zoohandlungen. Der Benutzer kann seine Favoriten in einer Liste verwalten und so verhindern, dass er einen Prospekt seines Lieblingsladens verpasst. Zusätzlich zum aktuellen Prospekt sind weitere Informationen wie Filialverzeichnis, Öffnungszeiten und Kontaktinformationen abrufbar. Eine gelungene App, die aufgrund der Bildgrößen auf dem Tablet angenehmer zu nutzen ist als auf dem Mobiltelefon.

MeinProspekt gibt es nicht nur für iOS und Android-Geräte, sondern auch für MeeGo, Windows Phone und Symbian, wobei für diese Ausgabe der App-Infos lediglich die iOS- und Android-Apps getestet wurden. (ka)