Gesichtserkennung: "91 Prozent der 'Treffer' sind Fehler"

Der 36-jährige Ed Bridges aus dem walisischen Cardiff kämpft gemeinsam mit einer Menschenrechtsgruppe gegen automatische Gesichtserkennung. Anlass war ein persönliches Erlebnis.

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(Bild: "New Cardiff Police HQ" / John Lord / cc-by-sa-2.0)

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TR: Wo wird Gesichtserkennung bereits eingesetzt?

Ed Bridges: Die South Wales Police hat sie bereits mindestens zwanzigmal benutzt. Auch die Metropolitan Police in London und die Polizei von Leicestershire arbeiten mit Gesichtserkennung. Es ist auf jeden Fall eine Technologie, die von den Polizeikräften in ganz Großbritannien immer mehr in Betracht gezogen wird.

Was weiß man über die Zuverlässigkeit?

Daten der South Wales Police zufolge waren 91 Prozent ihrer "Treffer" in Wirklichkeit Fehler, wodurch 2451 Menschen fälschlich identifiziert wurden.

Wie sind Sie auf das Thema aufmerksam geworden?

Vor etwa einem Jahr wollte ich mir in der Innenstadt von Cardiff ein Sandwich kaufen. In der Haupteinkaufsstraße bemerkte ich einen Kleinbus mit der Aufschrift "Gesichtserkennungstechnologie". Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wurde ich vermutlich selbst abgelichtet. Ein paar Monate später nahm ich an einem friedlichen Protest gegen eine Waffenmesse teil. Diesmal stand der Kleinbus auf der anderen Straßenseite, genau gegenüber dem Treffpunkt der Demonstranten. Es fühlte sich so an, als wolle die Polizei uns einschüchtern.

Haben Sie die Polizei gefragt, was mit Ihren Bilder passiert?

Tja, sie hat mir natürlich versichert, dass sämtliche Bilder von Personen, an denen sie nicht interessiert ist, nach relativ kurzer Zeit gelöscht werden. Das klingt sehr vage und erfüllt mich nicht mit Zuversicht, dass die Polizei die Daten transparent handhabt.

Was haben Sie dann unternommen?

Ich habe die Menschenrechtsgruppe Liberty kontaktiert. Wir waren besorgt, dass Gesichtserkennung auf eine Art und Weise eingesetzt wird, die das Versammlungsrecht gefährdet. Zuerst haben wir der South Wales Police schriftlich unsere Bedenken geschildert und sie aufgefordert, die Gesichtserkennung zu unterlassen. Sie antwortete uns wenig überraschend, dass sie mit dem Einsatz zufrieden sei und folglich nicht aufhören würde. Anfang Oktober haben wir dann die Unterlagen für eine richterliche Überprüfung eingereicht.

Glauben Sie, dass sich die Polizei nicht an das geltende Gesetz hält?

Gesichtserkennung geschieht in einer rechtlichen Grauzone. Wenn ich zu einem Fußballspiel gehe, und die Polizei fotografiert oder filmt mich, muss sie mir Auskunft darüber geben, welches Material sie von mir hat und wie lange sie es aufhebt. Für die Gesichtserkennung gilt das nicht. Ich finde aber, beides muss gesetzlich auf derselben Stufe stehen. Wie kann sich die Öffentlichkeit darauf verlassen, dass die Daten richtig behandelt werden, wenn das nicht gesetzlich geregelt ist?

(bsc)