Äpfel, die nicht mehr braun werden, kommen auf den Markt

In den USA kommen demnächst genetisch veränderte Früchte auf den Markt, die deutlich länger frisch bleiben sollen.

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Von
  • Andrew Rosenblum

Ein amerikanisches Konglomerat, das sich auf Produkte aus dem Bereich der synthetischen Biologie spezialisiert hat, wird noch in diesem Herbst in seiner Heimat Äpfel auf den Markt bringen, die nicht mehr braun werden. Als gentechnisch verändert werden sie nicht gekennzeichnet.

Die sogenannten "Arctic"-Äpfel sollen geschnitten in Tüten verkauft werden – und zwar in 400 Läden im Mittleren Westen der USA sowie im Süden Kaliforniens. Der Verkaufsstart ist der erste größere Test gentechnisch veränderter (Genetically Modified Organism, GMO) Lebensmittel seit den Neunzigerjahren, die den Endkunden direkt ansprechen sollen. Damals scheiterte eine langsam reifende Tomate namens Flavr Savr leidlich krachend. Seither konzentrierten sich die Biotechnikkonzerne vor allem auf GMO-Produkte, die Bauern helfen, ihre Ernte zu optimieren.

Der Arctic ist ein veränderter Golden Delicious und wird von Okanagan Specialty Fruits erfunden, einer nicht börsengelisteten Firma, die 2015 für 41 Millionen US-Dollar von der Biotechnikfirma Intrexon aus Maryland übernommen wurde. Andere Abteilungen dieses Konzerns haben bereits genetisch modifizierte Lachse, Klon-Kühe und Stechmücken vermarktet, die sich selbst zerstören.

Der Plan ist, die Tüten mit den vorgeschnittenen Äpfeln nicht als "mit Gentechnik produziert" zu verkaufen und auch keine anderen direkten GMO-Hinweise auf die Packung zu drucken. Stattdessen nutzt Okanagan ein 2016 erlassenes US-Labelinggesetz, laut dem es ausreicht, einen QR-Code aufzudrucken, der auf eine Website mit näheren Informationen zur Produktionsweise verweist.

"Wir wollten kein "GMO" und auch keinen Totenkopf auf die Verpackung drucken", so Neal Carter, Gründer von Okanagan, auf einer Präsentation in San Francisco im Oktober. Der genetisch veränderte Apfel kommt ursprünglich von Carter selbst, einem Apfelzüchter, der ihn unabhängig entwickelt und dann eine regulatorische Genehmigung erhalten hatte. Die meisten gentechnisch veränderten Pflanzen in den USA wurden bislang von großen Firmen wie Monsanto oder DuPont entwickelt und dann in Form von Samen direkt an Bauern verkauft, etwa im Bereich Soja oder Weizen.

Carter und sein Forschungsteam setzen auf den Prozess des sogenannten Gene Silencing, bei dem die DNA der Äpfel so verändert wurde, dass sie weniger Polyphenoloxidase produzieren. Das auch PPO genannte Enzym sorgt dafür, dass das Fruchtfleisch des Apfels braun wird. Carter zufolge können die Apfelspalten so bis zu drei Wochen frisch aussehen.

Die genetische Verlangsamung des Braunwerdens ist im Grunde nicht notwendig, da es schon jetzt Methoden gibt, geschnittene Äpfel entsprechend zu bearbeiten: Eine Mischung als Kalzium und Vitamin C tut es auch – in der Küche gegebenenfalls ein Schuss Limonensaft.

Gegen die Arctic-Äpfel gab es bereits Proteste verschiedener Anti-GMO-Gruppen. Sie wollen verhindern, dass Fast-Food-Ketten sie verwenden. Die Organisation Friends of the Earth kritisiert, dass die Frucht "schlecht erforscht, nicht gekennzeichnet und unnötig" sei. In vielen Ländern der Erde gibt es strikte Labelingvorschriften für GMOs oder sogar Verbote.

David Zilberman, Professor Landwirtschafts- und Ressourcenökonomie an der University of California in Berkeley glaubt hingegen nicht, dass die neuen Äpfel eine Gefahr darstellen. Auch sei das diskrete Labeling berechtigt. "Zigaretten haben riesige Gefahrenzeichen, aber GMOs sind keine Zigaretten, sie sind kein Gift." Aus keiner Perspektive sei etwas falsch daran. "Lassen Sie uns mal sehen, wie es ausgeht. Vielleicht gibt es gegenüber genetisch veränderten Produkten bald mehr Akzeptanz."

Erfinder Carter diskutiert gerne mit Kritikern. Er glaubt, Früchte, die nicht mehr braun werden, könnten die Apfelverkäufe steigern und der Müllvermeidung dienen. Rund 45 Prozent des in den USA gezogenen Obstes oder Gemüses werden laut Angaben der Vereinten Nationen weggeworfen. Ausschuss entsteht bei der Ernte, beim Versand, im Handel und in den Händen wählerischer Kunden.

Die große Herausforderung besteht nun darin, ob Carter, Okanagan und Intrexon wirklich den Apfelmarkt knacken können. Einen Quadratkilometer wurden bereits mit Arctic-Bäumen bepflanzt. Bis 2019 soll sich die Fläche bis zu versechsfachen. Das ist im Vergleich zur Gesamtmenge der Apfelanbauflächen in den USA aber fast nichts.

Was die Arctic-Tüten kosten werden, ist noch unklar. Derzeit zahlt man in den USA für normale Apfelspalten zwischen drei und fünf US-Dollar. "In den nächsten Monaten werden wir viel lernen", sagt Carter. "Aus dieser Perspektive macht mir das schon Angst."

(bsc)