Airbus: Systementwicklung mit Open Source

Airbus: Systementwicklung mit Open Source

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TOPCASED besteht aus mehreren Unterprojekten, die auf einem Server der französischen Elitehochschule ENSEEIHT (Ecole Nationale Supérieure d'Electrotechnique, d'Electronique, d'Informatique, d'Hydraulique et des Télécommunications) gehostet sind. Einen Überblick gibt die Projektseite. Mitte Dezember ist Version 1.0 M1 erschienen.

TOPCASED: modellgetriebene Systementwicklung

Im Moment liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf den Modellierungstools – ganz im Sinne der modellgetriebenen Systementwicklung (Model Driven Engineering, MDE), bei der ein Modell des zu entwickelnden Systems den gesamten Entwicklungsprozess steuert. Gearbeitet wird unter anderem an grafischen Editoren für mehrere Modellierungssprachen: die Unified Modeling Language (UML) der Object Management Group, die Eclipse-eigene Metamodellierungssprache Ecore, die Systems Modeling Language SysML und AADL (Architecture Analysis and Design Language), eine Sprache zur Beschreibung der System- und Software-Architektur von Echtzeitsystemen. Andere Modellierungsansätze lassen sich einfach hinzufügen. "Bald sollen aber auch Simulatoren, Werkzeuge zum Testen der Modelle, Tools für das Konfigurations-, Änderungs- und Anforderungsmanagement, Code-, Test- und Dokumentationsgeneratoren hinzukommen", ergänzt Ladier.

Auch wenn TOPCASED noch am Anfang der Entwicklung steht (das Projekt ist erst im August offiziell gestartet), hat sich bereits rege Aktivität entwickelt. Die Projektseite des derzeit aktivsten Unterprojektes TOPCASED-MM, in der ein Metamodellierer entsteht, führt derzeit fast 50 Entwickler auf. Dort gibt es schon jetzt eine Mailingliste mit eifrigen Diskussionen von Anwendern, ein aktives Bugtracking- und Feature-Request-System sowie Dokumentation.

TOPCASED soll den gesamten Entwicklungsprozess abdecken.

TOPCASED nutzt die Infrastruktur der Entwicklungsplattform Eclipse. Gerade ist eine Zusammenarbeit mit dem Eclipse Modeling Project (EMP), Herausgeber des Eclipse Modeling Framework (EMF), angelaufen, von der sich Ladier kräftigen Schwung für TOPCASED verspricht: "Diese Art von Zusammenarbeit wird die Entwicklungskosten senken und die Lebensdauer der Komponenten verbessern", ist der Airbus-Manager überzeugt.

Die einzelnen Subprojekte stehen überwiegend unter der Eclipse Public License 1.0 (EPL), einer Lizenz mit strengem Copyleft: Auf Basis von TOPCASED-Code entwickelte Software muss ebenfalls unter der EPL veröffentlicht werden. "Die Lizenz garantiert, dass die entwickelten Komponenten und Verbesserungen daran Open Source bleiben, erlaubt aber die Entwicklung proprietärer Produkte, die diese Komponenten nutzen", erklärt Ladier. In Zukunft könnten aber auch weitere Lizenzen zum Einsatz kommen, etwa die GPL für Verbesserungen an der GNU Compiler Collection GCC.

Das "Konsortiummodell" der Open-Source-Entwicklung, das mit dem Projekt TOPCASED praktiziert wird, bringt den beteiligten Unternehmen und Institutionen ein Reihe von Vorteilen. Sie können frühzeitig daran mitwirken, dass die entstehenden Tools auf ihre Anforderungen passen. Gegenüber einer Eigenentwicklung spart man Geld, da die Kosten auf viele Schultern verteilt sind. Die Lizenzierung als Open Source stellt sicher, dass jeder Beteiligte den Code zu fairen Bedingungen nutzen kann. Und, besonders wichtig für eine Branche, die bei der Produktentwicklung in Jahrzehnten denkt: Die Unternehmen haben die komplette Kontrolle über ihre Werkzeuge und sind nicht von der Produktpolitik eines Herstellers abhängig.

Weitere potenzielle Konsortiumsmitglieder dürfte es dank dieser Vorteile reichlich geben – schließlich verfolgt das Projekt einen umfassenden Ansatz: "Mit den TOPCASED-Werkzeugen kann man nicht nur Software entwickeln, sondern auch Hardware und komplette Systeme ... zunächst für Flugzeuge, Satelliten und Autos. Aber wir sind überzeugt, dass TOPCASED für eine viel größere Entwicklergemeinde nützlich ist, etwa im medizinischen Bereich oder bei der Steuerung von Kraftwerken", erklärt Monsieur Ladier. (odi)



Gérard Ladier, Senior Manager Software Engineering in der Abteilung für Avionic & Simulation Products Software bei Airbus, wird das Projekt TOPCASED im Januar auf der Konferenz Open Source Meets Business in einer Keynote im Rahmen des Enterprise Summit präsentieren.