Akkus: Auf dem Weg zu 100 Dollar pro Kilowattstunde

Die Batterien für Elektromobilität werden immer billiger. Seit 2010 sind die Preise um fast 90 Prozent gesunken – und sollen schon 2023 so niedrig sein, dass elektrische Autos nicht mehr teurer sind als konventionelle.

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Von
  • Sascha Mattke

Der Trend zur Elektrifizierung des Straßenverkehrs gewinnt erkennbar an Fahrt. Denn nach dem rebellischen Pionier Tesla nehmen mittlerweile auch traditionelle Hersteller Elektroautos ins Programm und werben intensiv dafür – schon weil ihnen im nächsten Jahr erhebliche Strafen drohen, wenn sie den rechnerischen Durchschnittsverbrauch ihrer Flotten nicht auf 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer drücken.

Allerdings müssen die lokal emissionsfreien Autos natürlich erst einmal gekauft werden, was unter anderem von ihrem Preis abhängt. Eine entscheidende Rolle für die Bezahlbarkeit spielen dabei die Kosten für die nötigen Akkus. Und die sinken laut einer neuen Studie der Marktforschungsfirma BloombergNEF (BNEF) schnell und immer weiter.

Noch im Jahr 2010 lagen die Kosten für Akku-Kapazität bei fast 1200 Dollar pro Kilowattstunde, hat BNEF berechnet. Zwei Jahre später, als mit dem Model S das zweite Elektroauto von Tesla auf den Markt kam, betrugen sie (im Durchschnitt) zwar nur noch gut 700 Dollar, also rund 40 Prozent weniger. Selbst für den vergleichsweise kleinen ersten Akku für das Model mit 40 Kilowattstunden Kapazität bedeutete das rechnerisch noch Kosten von 28.000 Dollar allein für die Batterie. Bis Ende dieses Jahres aber sind die Akku-Preise laut der Studie rapide auf nur noch 156 Dollar pro Kilowattstunde gesunken. Das sind 87 Prozent weniger als 2010.

Und die Preissenkungen gehen laut BNEF immer weiter. Im Jahr 2023 soll jetzt die Schwelle von 100 Dollar pro Kilowattstunde erreicht sein, ab der elektrische Autos schon beim reinen Anschaffungspreis nicht mehr teurer sind als konventionelle – ihre Betriebskosten sind ohnehin meist niedriger. Allerdings nennen die Marktforscher ausschließlich Durchschnittspreise, sodass den Daten mögliche Kostenvorteile einzelner Anbieter nicht zu entnehmen sind.

Dabei scheint es die durchaus zu geben: Tesla-CEO Elon Musk erklärte schon im Sommer 2018, mit dem Batterie-Partner Panasonic Kosten von 100 Dollar pro Kilowattstunde auf der Ebene der einzelnen Zellen erreicht zu haben. Denselben Preis für fertige Batteriepacks aus vielen Einzelzellen stellte er für zwei Jahre später in Aussicht. Das wäre 2020, also drei Jahre vor dem Rest der Branche. Und von Volkswagen heißt es, der Konzern habe sich für den Elektro-Kompaktwagen ID.3, der 2020 auf den Markt kommen soll, Preise von unter 100 Dollar pro Kilowattstunde gesichert.

Wahrscheinlich bezieht sich diese Angabe auf die Ebene der einzelnen Zellen und nicht fertiger Pakete. Diese Unterscheidung ist nicht unerheblich: Laut BNEF kosteten die Batteriezellen schon im vergangenen Jahr nur 127 Dollar pro Kilowattstunde, aber die Kosten für die Integration in Pakete betrugen weitere 53 Dollar, was für 2018 also insgesamt 180 Dollar machte. Angaben zu dieser Aufteilung in 2019 sind der neuen Studie nicht zu entnehmen.

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Doch gerade in der Integration von Zellen zu Packs sehen die Marktforscher noch erhebliches Potenzial: Die für die 2020er Jahre prognostizierten Preissenkungen sollen auch dadurch zu Stande kommen, dass Autohersteller einfachere und einheitliche Batteriepack-Designs für ihre Massenmodelle entwickeln. Weitere Kostensenkungen sollen beispielsweise durch weniger aufwendiges Temperaturmanagement und weniger Gehäuse-Material für die neuen Pakete erreicht werden.

Hinzu kommt laut BNEF mehr Effizienz bei der Fertigung der Zellen, unter anderem durch eine steigende Energiedichte. Außerdem soll es weniger Investitionen erfordern, statt neuer Produktionsanlagen bestehende auszubauen, was ebenfalls niedrigere Kosten verspricht. Im Jahr 2030 sieht die Studie Akku-Preise von nur noch 61 Dollar pro Kilowattstunde. Für ein Auto mit relativ bescheidenen 50 Kilowattstunden-Akku würde das nur noch gut 3000 Dollar Batterie-Kosten bedeuten. Elektroautos verlieren also zunehmend nicht nur ihren Kostennachteil, sondern dürften sogar billiger zu produzieren sein als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Und damit wird Elektromobilität laut BNEF zunehmend nicht nur für Personenautos attraktiv, sondern auch für andere Sektoren wie Lieferwagen.

(sma)